So hat Zürich gewählt

Wo hat Roger Köppel gewonnen? Welche Nationalräte sind neu dabei, welche wurden abgewählt? War es eine Frauenwahl? Die Antworten.

Verbesserte sich um einen Listenplatz und zieht neu in den Naitonalrat ein: Die Ustermerin Meret Schneider (Grüne).<nobr>Foto: Fabienne Andreoli</nobr>

Verbesserte sich um einen Listenplatz und zieht neu in den Naitonalrat ein: Die Ustermerin Meret Schneider (Grüne).Foto: Fabienne Andreoli

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Jositsch souverän, zweiter Wahlgang nötig

Die Überraschung in der Ständeratswahl gab es auf einem hinteren Rang: Marionna Schlatter, die Kandidatin der Grünen, wurde hinter SVP-Mann Roger Köppel vierte und distanzierte die fünftplatziere Tiana Moser (GLP) deutlich. Auf den ersten beiden Plätzen traf ein, was Beobachter erwartet hatten: Daniel Jositsch (SP) sicherte sich die Wahl mit einem Rekordergebnis und erreichte als einziger Kandidat das absolute Mehr. Der amtierende Ständerat Ruedi Noser landete zwar auf dem zweiten Platz und muss am 17. November noch einmal antreten, um seinen Sitz zu verteidigen.

Jositsch dominierte fast überall

Wenn man sich die Kantonskarte anschaut, wird der Wahlsieg Jositschs besonders deutlich: Der Kanton leuchtet rot, hat nur vereinzelte grüne oder blaue Gemeinden. In 134 Gemeinden oder Wahlkreisen holte der SP-Mann Jositsch am meisten Stimmen – und dazu gehören auch SVP-Hochburgen in der Agglomeration. Köppel schaffte es in 37 Gemeinden auf Platz eins. Es sind vor allem kleinere Gemeinden im Norden des Kantons und im Zürcher Oberland. FDP-Kandidat Ruedi Noser sicherte sich in acht Gemeinden das Topresultat, vier davon liegen an der Goldküste, der Hochburg des Zürcher Freisinns.

Grüne legen massiv zu

Grüne: plus drei Sitze und plus 7,2 Prozentpunkte. Grünliberale: plus drei Sitze und plus 5,8 Pronzentpunkte. Derart deutliche Gewinner und Sieger an einem Wahlsonntag sind selten. Doch der grüne Trend, der bereits bei den Zürcher Kantonsratswahlen den beiden Parteien Gewinne sicherte, setzte sich ungebremst fort. Der Wählerzuwachs war derart enorm, dass die FDP, gemessen am Wähleranteil, nur noch die fünftstärkste Partei im Kanton ist.

Die grüne Welle

Die Grünen konnten im Vergleich zu 2015 in sämtlichen 162 Zürcher Gemeinden zulegen. Den grössten Sprung nach vorne machten sie in Rifferswil mit 10,8 Prozent. Und auch die GLP hat fast überall Wähleranteile dazugewonnen – mit einer einzigen Ausnahme: In Hagenbuch an der Grenze zum Kanton Thurgau hat die Partei 1,43 Prozent verloren. Mit 11,04 am deutlichsten legen die Grünliberalen in Otelfingen an der Grenze zum Kanton Aargau zu.

Zusammengenommen haben die beiden Parteien mit grün im Namen 13,02 Prozent zugelegt. Am stärksten von der grünen Welle wurde die Stadt Zürich erfasst – dort gewannen die beiden Parteien im Vergleich zu 2015 16,17 Prozent dazu.

Die Verlierer

Grösste Verlierer sind die beiden grössten Parteien: die SVP und die SP. Sie müssen je zwei Sitze abgeben. Die SVP verlor besonders in jenen Gemeinden, wo die Wahlbeteiligung nicht sonderlich hoch war. Die SP hingegen musste auch in Hochburgen wie der Stadt Zürich deutliche Verluste hinnehmen. Dass die Sozialdemokraten Wechselwähler an die GLP und die Grünen verlieren würde, war zwar zu erwarten, überraschte im Ausmass aber.

Das sind die Abgewählten, das sind die Neuen

Die grossen Veränderungen in der Sitzverteilung kosteten auch einige gestandene Politikerinnen und Politikern ihr Nationalratsmandat:

  • Claudio Zanetti (SVP)
  • Thomas Hardegger (SP)
  • Martin Naef (SP)
  • Hans-Ulrich Bigler (FDP)
  • Rosmarie Quadranti (BDP)
  • Kathy Riklin (CSV, ex-CVP)

Neu nach Bern kommen dafür:

  • Céline Widmer (SP)
  • Andri Silberschmidt (FDP)
  • Corina Gredig (GLP)
  • Jörg Mäder (GLP)
  • Judith Bellaïche (GLP)
  • Barbara Schaffner (GLP)
  • Katharina Prelicz-Huber (Grüne)
  • Marionna Schlatter-Schmid (Grüne)
  • Meret Schneider (Grüne)

Zur Liste aller gewählten Zürcher Nationalrätinnen und -räte geht es hier lang.

War es eine Frauenwahl?

Die Nationalratswahl ihn Zürich war eine Frauenwahl. Der Frauenanteil in der Zürcher Fraktion steigt und liegt neu bei knapp 46 Prozent. Bei den Grünliberalen, den Grünen und der SP sind die Frauen in der Mehrheit, bei der SVP, der FDP, der EVP und der CVP hingegen in der Minderheit.

Unsere Analyse der Ergebnisse zeigt zudem: Bei den grössten neun Parteien haben sich knapp 48 Prozent der Kandidatinnen gegenüber ihrem Listenplatz verbessert. Bei den Männern waren es nur 26 Prozent. Es wurden also häufiger Wahlzettel zugunsten von Frauen abgeändert als zugunsten von Männern. Der bisherige SP-Nationalrat Thomas Hardegger verlor beispielsweise zwei Listenplätze, Céline Widmer kletterte zwei Ränge hoch. Die Konsequenz: Sie zieht neu nach Bern, er verpasst die Wiederwahl.

Erstellt: 20.10.2019, 21:17 Uhr

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