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Was die ersten Fussballerinnen der Schweiz ertragen mussten

Morgen wird der Schweizer Frauenfussball 50 Jahre alt. Das FCZ-Museum erkundet dessen Geschichte – mit Aufnahmen, die aus heutiger Sicht kurios wirken.

«Vor Torjägerinnen wird gewarnt.» Unter diesem Titel berichtete am 17. Juni 1968 das Schweizer Fernsehen über eines der ersten Frauenfussballspiele in der Schweiz. Dass seither viel Zeit vergangen ist, zeigen vor allem die Fragen des Reporters im Beitrag: «Können Sie sich vorstellen, dass das eine Zukunft hat, Damenfussball?», fragt er Ursula Moser, die erste Präsidentin des Damenfussball-Clubs Zürich. «Warum sollte es keine Zukunft haben?», fragt sie genervt zurück. An ihre Gegnerin vom FC Heuried gewandt, fährt der Reporter unbeeindruckt fort: «Aber Fussball ist doch ein harter Sport. Wie verkraftet ihr das, ihr Mädchen?»

Im Anschluss haben die «Mädchen» den Fussballplatz erobert. Zürich und Sion waren Vorreiter der Frauenfussballszene, heute gibt es überall Frauenfussballclubs. Und kein Reporter könnte sich mehr erlauben, ihre Spiele zu kommentieren mit «So schiess doch, Meitli» oder den Schiedsrichter als «Hahn im Hühnerstall» zu bezeichnen. Das Video aus dem SRF-Archiv ist auf dem Blog www.seit1968.ch zu finden. Die Website ist eine neue Plattform, auf der die Geschichte des Frauenfussballs in der Schweiz aufgearbeitet wird. Aufgeschaltet hat sie das FCZ-Museum.

Jahrelang ignoriert

«Die Anfänge des Schweizer Frauenfussballs sind sehr schlecht erforscht», sagt Saro Pepe, Leiter des FCZ-Museums. «Wir wollen hier Pionierarbeit leisten.» Viel Material stamme aus Privatsammlungen, da auch die Medien das Thema jahrelang ignorierten und sich bisher keine Institution um die Sammlung gekümmert hat. Die Geschichte des Frauenfussballs ist eng mit dem FC Zürich verknüpft. Der FC Blue Stars und der FCZ nahmen 1968 die ersten Frauenfussballmannschaften auf. Von hier aus erfasste das Phänomen die Schweiz.

«Nur war das damals gar nicht so einfach, weil die Männerfussballer eigentlich absolut immer dagegen waren», erzählt Helmar Bauer, heute noch Präsident des FC Blue Stars Frauen, auf dem Blog. Er war einer der ersten Frauenfussballtrainer. Zunächst stellten sich seinem Team ganz praktische Probleme: «Die Politik akzeptierte uns und wollte uns die Gelegenheit geben, zu trainieren. Aber wo?», erzählt Bauer. Es gab keine Sportanlagen, in denen Frauen ungestört hätten duschen können. Schliesslich fand sich eine einzige Anlage im Juchhof, wo die Frauen in abschliessbaren Containerbaracken duschen konnten. «Mich interessierte die Aufgabe eigentlich nur, weil ich vehement dafür war, dass Frauen auch Fussball spielen können», sagt Bauer.

Gesucht: Gute Geschichten

Und dass sie das können, stellt heute eigentlich niemand mehr infrage. Aber wie etabliert ist Frauenfussball 2018? «Er entfaltet immer noch nicht dieselbe Wirkung wie Männerfussball», sagt Pepe vom FCZ-Museum. «Die Zuschauer fehlen, und auch medial wird Frauenfussball immer noch weniger inszeniert.» Über die Gründe lasse sich nur spekulieren, so Pepe.

Wenigstens gehen seine Anfänge dank des neuen Blogs nun nicht vergessen. Das FCZ-Museum hofft auf weitere private Schatzkisten. «Wer noch gute Geschichten zu erzählen hat oder Material aus ihrer Zeit als Aktive, darf sich gerne bei uns melden», sagt Pepe. Sodass die «Fussball-Amazonen» und schwachen «Meitli» von damals endlich die Ehre erhalten, die ihnen als Pionierinnen des Schweizer Frauenfussballs gebührt.

Hinweise an: museum@fcz.ch

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