Wegen Stau am Tag: Flughafen lässt Jets nach 23 Uhr starten

Der Flughafen Zürich nutzt eine Grauzone im Betriebsreglement. Leidtragende sind die Anwohner.

Der Flughafen hat die Pufferzone am späten Abend zur normalen Betriebszeit gemacht. Foto: Patrick B. Krämer (Keystone)

Der Flughafen hat die Pufferzone am späten Abend zur normalen Betriebszeit gemacht. Foto: Patrick B. Krämer (Keystone)

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So viele Fluglärmgeplagte wie 2014 gab es noch nie. Wie der Zürcher Fluglärm-Index 2014 (ZFI) zeigt, sind 61'381 Personen betroffen. Markant zugenommen hat die Zahl der Menschen, die sich im Schlaf stark belästigt fühlen. Gemäss Flughafenbericht 2015 fanden über 2500 Flüge innerhalb der sieben­stündigen Nachtflugsperre ab 23 Uhr statt. Der Grossteil der Maschinen startete und landete innerhalb des Zeit­puffers zwischen 23 und 23.30 Uhr. Dies, weil der Flughafen regelmässig die im Laufe des Tages angehäuften Ver­spätungen in dieser Zeit ausgleicht. Sein vier Jahre altes Betriebsreglement erlaubt ein solches Vorgehen, hält aber grundsätzlich fest: Starts und Lan­dungen des gewerbsmässigen Verkehrs dürfen bis 23 Uhr geplant werden.

Das Problem sind die Hauptverkehrszeiten. Auf dem Papier könnten 66 Flugbewegungen pro Stunde geplant werden. Effektiv abgewickelt würden im Schnitt aber lediglich 57, wie die Fluggesellschaft Swiss in einer ihrer Broschüren schreibt. Das bestätigt auch Vladi Barrosa, Sprecher der Flugsicherung Skyguide: «Die Nachfrage führt den Flughafen Zürich dazu, zu Spitzenzeiten mehr An- und Abflüge zu vergeben, als es das Betriebssystem zulässt.» Darum schickten die Lotsen die überzähligen, anfliegenden Maschinen zu Stosszeiten in die Warteräume.

Flughafen-Sprecherin Sonja Zöchling macht aus der angespannten Situation während der Hauptverkehrszeiten kein Hehl: «Dass wir am Flughafen Zürich in den Tagesspitzen Kapazitätsprobleme haben, ist bekannt.» Durch die Engpässe würden sich Verspätungen über den Tag kumulieren. Das hat zur Folge, dass Flüge in der explizit dafür vor­gesehenen Zeit zwischen 23 und 23.30 Uhr abgewickelt würden. Der nächtliche Verspätungsabau gehört in Zürich also inzwischen zum Alltag.

Die Swiss, die Zürich als Drehkreuz nutzt, ist auf hohe Kapazitäten am Abend angewiesen. Die Kurz- und Mittelstreckenmaschinen sollten bis ca. 22 Uhr in Zürich ankommen. Denn sie bringen Passagiere, die anschliessend mit den Langstreckenjets ihre Reise fortsetzen. Kommen sie nicht rechtzeitig an, verspäten sich auch die Langstreckenflüge. «Ohne die Abendwellen könnte man die Langstrecke kommerziell nicht sinnvoll anbieten», sagt Sprecherin Meike Fuhlrott.

Erstellt: 27.11.2015, 23:03 Uhr

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