Zum Hauptinhalt springen

«Sozial heisst nicht sozialdemokratisch»

Ihr Mann hat seinerzeit den Haushalt gemacht und Sie waren fürs Einkommen zuständig. Sollte dieses Modell Schule machen?

Jede Familie muss selber wissen, welches Modell für sie das richtige ist. Zu unserer Zeit waren die Möglichkeiten zur externen Kinderbetreuung noch schlecht. Ich hätte in meinem Job auch nicht Teilzeit arbeiten können. Bei Berufen mit Pikettdienst ist die Krippe auch heute keine ausreichende Lösung. Mein Mann konnte als Kunsthandwerker auch zu Hause arbeiten. Aber dieses Rollenmodell war damals noch ziemlich aussergewöhnlich.

Wie ist Ihr heutiger Job als Bildungsdirektorin mit der Arbeit als Staatsanwältin zu vergleichen?

Beide haben sehr viel mit Kommunikation zu tun. Und man muss nach Lösungen suchen. In der Bildung gibt es Hoffnung auf eine gute Zukunft. In der Strafverfolgung kann man häufig nicht mehr viel korrigieren.

Sie sind als Aussenseiterin zur EDK-Präsidentin gewählt worden, weil die Welschen für Sie gestimmt haben. Wie haben Sie die Romandie überzeugt?

Ich bin eine grosse Verfechterin der französischen Sprache. Sie ist Teil unserer Kultur in der Schweiz. Die sprachliche Vielfalt ist eine unserer grossen Stärken. Meine welschen Kollegen wissen, dass ich so denke.

Welche Fremdsprache ist für Deutschweizer Kinder wichtiger: Englisch oder Französisch?

Französisch ist für den Gemeinsinn in der Schweiz sehr wichtig, zudem öffnet es die Tür, andere romanische Sprachen zu lernen. Englisch ist wichtig im beruflichen Umfeld. So gesehen, sind beide gleich wichtig.

Die Integration aller Kinder in die Regelklassen ist ein heikles Thema. Für Sie ist Integration ein Menschenrecht. Warum?

Das steht in unserem Behindertengleichstellungsgesetz. Kinder sollen nicht ausgegrenzt werden.

Das würde auch eine Sozialdemokratin sagen. Weshalb sind Sie nicht in der SP?

Sozial heisst nicht sozialdemokratisch, es heisst ethisch, vielleicht auch christlich. Man kann für wirtschaftliche Prosperität sein und sich gleichzeitig für sozial Schwache einsetzen. Das Ziel der CVP ist es nicht, alle Menschen mit Problemen sofort mit Staatsgeld zu unterstützen. Ziel ist es, allen ein autonomes Leben zu ermöglichen.

Welche Partei wäre für Sie zweite Wahl?

Hier mache ich von meinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch.

Sie liegen mit Dignitas-Chef Minelli im Rechtsstreit. Weshalb sind Sie gegen Sterbehilfe?

Ich habe nur Vorbehalte zur Sterbehilfe. Ein Mensch soll selbstbestimmt entscheiden können, und er muss in seiner Entscheidung über sein höchstpersönliches Recht vollkommen frei sein. Der oder die Sterbewillige muss bis ganz zuletzt die Möglichkeit haben, sich anders zu entscheiden. Und das Sterben muss in einem würdigen Rahmen stattfinden. Es dürfen keine pekuniären Gedanken eine Rolle spielen.

Was Herr Minelli anbietet, finden Sie unwürdig?

Das habe ich nicht gesagt.

Als Katholikin haben Sie eine Differenz zu Ihrer Kirche. Ich bin auch noch Juristin.

Die CVP ist eine eher schwache Basis. Woher wollen Sie die nötigen Stimmen nehmen?

Ich bin im bürgerlichen Bündnis, und ich erhoffe mir Stimmen aus anderen bürgerlichen Parteien. Ich könnte mir vorstellen, dass auch andere Parteien mit meiner Politik etwas anfangen können. Ich stehe ja für soziales Gedankengut und für Frauenförderung.

Gemäss einer Sotomo-Umfrage sind Sie das unbekannteste Mitglied in der Regierung. Worauf führen Sie dies zurück?

Meine Politik ist vielleicht etwas leiser, und ich habe nie auf nationaler Ebene kandidiert oder politisiert.

Interview: Daniel Schneebeli

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch