SP greift mit Yvonne Beutler das Winterthurer Stadtpräsidium an

Nach dem schlechten Abschneiden von Michael Künzle (CVP) und dem Linksrutsch geht Winterthurs SP aufs Ganze.

Yvonne Beutler (links) greift Stadpräsident Michael Künzle (ganz rechts im Bild) an. In der Mitte Jürg Altwegg, Grüner Stadtrat.

Yvonne Beutler (links) greift Stadpräsident Michael Künzle (ganz rechts im Bild) an. In der Mitte Jürg Altwegg, Grüner Stadtrat. Bild: Sabina Bobst

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Drei Tage lang haben bei der Winterthurer SP die Köpfe geraucht. Die heisse Frage: Sollen die Genossen die wohl einmalige Chance packen und den angeschlagenen Stadtpräsidenten Michael Künzle (CVP) angreifen? Heute Vormittag hat die Parteileitung entschieden: Sie will mit Finanzvorsteherin Yvonne Beutler, die am Sonntag das mit Abstand beste Wahlresultat machte, am 15. April fürs Stadtpräsidium antreten.

Begründung der SP: Die Bevölkerung habe am Sonntag den rot-grünen Parteien ihr Vertrauen geschenkt. Die SP sei deshalb bereit, die damit verbundene Verantwortung für die Führung der Stadt zu übernehmen. Die Wahlresultate mit dem Regierungswechsel und den massiven Sitzverschiebungen im Gemeinderat seien «ein Votum für ein ökologisches, soziales und urbanes Winterthur und ein klares Zeichen für eine transparente, unabhängige und damit verlässliche Politik».

Das hervorragende Wahlergebnis von Yvonne Beutler zeige, so die SP, dass ihr Leistungsausweis als sachbezogene, umgängliche und kompetente Stadträtin weit über die eigene Partei hinaus anerkannt werde. «Die Zeit ist reif für die erste Stadtpräsidentin von Winterthur!» Die Nomination findet an der Mitgliederversammlung vom Dienstag, 13. März 2018, statt.

Vom «Griechenland der Schweiz» zur Blüte

Die Juristin Yvonne Beutler ist seit 2012 Finanzvorsteherin. Sie hat es geschafft, Winterthur vom «Griechenland der Schweiz», wie es Spötter aus der SVP nannten, zur florierenden Stadt zu machen. Vor zwei Wochen hat sie einen Überschuss von 56 Millionen Franken bei der Rechnung präsentiert. Doch Beutler hatte bereits im August klar abgewinkt, als es um einen Angriff aufs Stadtpräsidium ging: «Ich möchte meinen Sohn aufwachsen sehen», war ihre Begründung. Sie sei stolz aufs Erreichte und wolle «weiterhin mit Leidenschaft Finanzvorsteherin bleiben».

Nach dem Wahlergebnis vom Sonntagabend nahm der Druck auf Beutler allerdings nochmals zu. Erstens erreichte sie als Stadträtin mit fast 20’000 Stimmen das mit Abstand beste Resultat. Michael Künzle, seit 2012 Stadtpräsident, kam bloss auf knapp 16’000 Stimmen. Auch bei der Ausmarchung ums Stadtpräsidium schnitt Künzle schlecht ab und erreichte das absolute Mehr nicht. Deshalb findet ab 15. April ein zweiter Wahlgang statt. Teilnahmeberechtigt sind alle gewählten Stadträte.

Schlägt das Pendel zurück?

Vor allem aber: Durch die Abwahl von SVP-Stadtrat Josef Lisibach auf Kosten der neugewählten SP-Frau Christa Meier ist der siebenköpfige Stadtrat im Verhältnis 4:3 wieder rot-grün dominiert. Also müsste dieser Stadtrat – wie in Zürich – auch von einem rot-grünen Vertreter angeführt werden. Michael Künzle und seine Partei, die CVP, stehen dagegen mit dem Rücken zur Wand. So gut wie am 15. April wird die Chance für die SP vielleicht nie mehr werden, das mit dem Rücktritt von Genosse Ernst Wohlwend verlorene Stadtpräsidium zurückzuholen.

Entscheidend im zweiten Wahlgang vom 15. April wird sein, ob eine Art Backlash einsetzt, ob das politische Pendel nach dem markanten Linksrutsch zurückschlägt. Zudem findet im April keine No-Billag-Abstimmung statt, die offensichtlich Linke vermehrt an die Urne getrieben hat. Ausserdem entspricht es einer immer wieder beobachteten Tradition in der Schweiz, Ausschläge zu glätten, es nicht zu übertreiben und im Fall Winterthur halt doch nochmals den Mittepolitiker Künzle aus der geschundenen CVP zu wählen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.03.2018, 15:05 Uhr

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