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Spitäler stellen immer mehr deutsche Ärzte ein

Immer mehr Ärzte kommen aus Deutschland, in der Schweiz werden zu wenige ausgebildet. Eine Erhöhung der Studienplätze in Zürich sei nicht möglich, sagt der Regierungsrat.

400 zusätzliche Studienplätze an den medizinischen Fakultäten der Schweiz seien nötig, um den Bedarf an Ärzten mit Schweizer Nachwuchs decken zu können, hat die Zürcher SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr ausgerechnet. Heute schliessen rund 600 angehende Ärztinnen und Ärzte pro Jahr ihr Studium ab, in Zürich waren es letztes Jahr 177.

Hausärzte auf dem Land finden kaum Nachfolger, viele Spitäler müssten zumachen, wenn sie keine ausländischen Ärzte anstellen könnten. Im Uni-Spital Zürich sind von 626 Assistenzärzten 255 Ausländer, davon 200 Deutsche. Im Kantonsspital Winterthur kommt knapp die Hälfte der Assistenzärzte aus dem Ausland, ebenfalls vorwiegend aus Deutschland. Der Bedarf ist in den letzten Jahren aus zwei Gründen gestiegen - wegen der Arbeitszeitbeschränkung für Assistenzärzte und wegen der Feminisierung des Berufs. Immer mehr Frauen studieren Medizin, und sie arbeiten später oft Teilzeit.

Abschlüsse sind rückläufig

Der Ärztemangel wird sich mit der Überalterung der Gesellschaft weiter verschärfen. In einer Motion fordert deshalb Fehr den Bundesrat auf, er solle dem Problem entgegenwirken und wenn nötig den Numerus clausus, das heisst die Zulassungsbeschränkung zum Medizinstudium, abschaffen. Im Zürcher Kantonsrat hat die SP nachgedoppelt. Sie verlangte vom Regierungsrat Auskunft über die Situation im Kanton Zürich und mögliche Massnahmen. Gestern hat die Regierung ihre Antwort veröffentlicht und Zahlen vorgelegt.

2008 wollten 672 Personen an der Uni Zürich ein Medizinstudium beginnen. Es standen aber nur 220 Plätze zur Verfügung, davon 20 für den neuen Studiengang Chiropraktik. Seit Einführung des Numerus clausus im Jahr 1998 bot Zürich immer 200 Studienplätze an, ausser 2002/03, als man wegen der doppelten Maturitätsjahrgänge vorübergehend auf 240 erhöhte. Seit einigen Jahren ist die Zahl der Studierenden, die mit dem Staatsexamen abschliessen, rückläufig. 2004 waren es noch 213, letztes Jahr nur noch 177. An der Universität und im Hochschulamt hat man für diesen Rückgang keine Erklärung. Man erwartet aber, dass die Zahlen in Zukunft wieder steigen werden. Der Numerus clausus war 1998 eingeführt worden, um die Qualität der Ausbildung sicherzustellen. Zuvor waren die Studierendenzahlen stark gestiegen.

Ausbau wäre sehr teuer

«Genügend Laborplätze und genügend Ausbildungsplätze mit Patientenkontakten sind für ein qualitativ gutes Medizinstudium unumgänglich», schreibt der Regierungsrat in seiner Stellungnahme. Diese Plätze seien aber beschränkt und zudem besonders teuer. Deshalb sei es nicht möglich, die Zahl der Studienplätze in Zürich zu erhöhen. Wenn man mehr Medizinstudierende wolle, müsste man dies gesamtschweizerisch angehen, meint die Kantonsregierung. Immerhin schaut man an der Universität der Entwicklung nicht ganz tatenlos zu. Hochschulamt-Chef Sebastian Brändli findet das «Rösslispiel» auch nicht gut, das heute abläuft: «Wir holen die Deutschen, diese die Polen und jene die Ukrainer.» Er hat der medizinischen Fakultät deshalb den Auftrag erteilt, mögliche Massnahmen zu prüfen. Laut Dekan Klaus Grätz wird zurzeit abgeklärt, wie viel eine Erhöhung der Studienkapazitäten um 20, 40 oder 60 Plätze kosten würde. Grätz, der die Uni-Klinik für Kieferchirurgie leitet, würde eine Aufstockung begrüssen. Auch er stellt fest, dass zunehmend im Ausland rekrutiert werden muss, um die offenen Assistenzstellen besetzen zu können.

Chirurgen haben es besonders schwer

Die Chirurgen haben es besonders schwer, genügend Nachwuchs in der Schweiz zu finden. Othmar Schöb, Präsident der Schweizerischen Chirurgengesellschaft und Chefarzt im Limmattal-Spital, sieht den Grund dafür aber weniger im Numerus clausus als in den Arbeitsbedingungen: «Die Assistenzstellen für Chirurgen sind oft wenig attraktiv.» Die Arbeit sei sehr streng, und die neue Arbeitszeitregelung habe dazu geführt, dass Assistenzärzte sehr lange brauchten, um auf die für den Facharzttitel nötigen Operationszahlen zu kommen.

Die Deutschen hätten eine grössere Frustrationstoleranz, hat Schöb beobachtet. Zudem hätten sie die Möglichkeit, die Facharztprüfung in Deutschland zu machen, wo nur 370 Operationen gefordert seien. In der Schweiz sind es 545. Chefarzt Schöb bekommt täglich Bewerbungen aus Deutschland, aus der Schweiz seien diese hingegen rar. Er sagt: «Der Anteil der deutschen Assistenzärzte ist in den letzten Jahren massiv gestiegen.»

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