Spital Affoltern steht vor dem Aus

Überraschung in Affoltern am Albis: Die Gemeinde hat bekannt gegeben, das Spital wohl aufgeben zu müssen.

Muss voraussichtlich schliessen: Das Spital Affoltern.

Muss voraussichtlich schliessen: Das Spital Affoltern. Bild: Samuel Schalch

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Der Stadtrat Affoltern am Albis hat heute einen einschneidenden Beschluss publik gemacht. Er empfiehlt der Stimmbevölkerung am 19. Mai 2019 das Ja zur Auflösung des Zweckverbands Spital Affoltern – und gleichzeitig ein Nein zu den beiden geplanten Nachfolgeorganisationen, heisst es in einer Mitteilung. Das bedeutet: «Ein Nein zu den geplanten Nachfolgeorganisationen würde aller Wahrscheinlichkeit nach das Ende für das Spital Affoltern und damit für einen der grössten und bedeutendsten Arbeitgeber im Bezirk bedeuten.»

Der Stadtrat bedauere diesen Entscheid zutiefst. Aber: «In seiner Rolle als Exekutivbehörde muss der Stadtrat das Wohl seiner Einwohnerinnen und Einwohner jedoch höher gewichten als das Wohl des Spitalpersonals», heisst es in der Mitteilung weiter.

Gemeindekassen würden belastet

Der Stadtrat schreibt, dass der Zweckverband Spital Affoltern für alle beteiligten Gemeinden zur Hypothek geworden sei. In dieser Rechtsform sei das Spital nicht mehr wettbewerbsfähig und wäre wohl ab 2022 nicht mehr auf der kantonalen Spitalliste geführt. «Ab diesem Moment müssten die Zweckverbandsgemeinden für die Fallpauschalen aufkommen, was die Gemeindekassen in unverantwortbarem Masse belasten würde», schreibt der Stadtrat. Die Delegierten der 14 Zweckverband-Gemeinden seien sich deshalb einig: Der Zweckverband solle aufgelöst werden.

Bei der heutigen Qualität der Gesundheitsversorgung möchte der Stadtrat aber keine Abstriche machen, beteuert er. Anstelle des Spitals soll deshalb im Stadtzentrum eine Permanence entstehen, die 365 Tage im Jahr geöffnet habe. Der Rettungsdienst würde zentral stationiert, sodass Hilfe im Notfall gleich schnell vor Ort ist wie heute.

Rund 700 Mitarbeiter

Das Spital Affoltern gehört zu jenen Zürcher Landspitälern, welche die grosse Schliessungswelle Ende der Neunziger- und Anfang Nullerjahre überlebt haben. 1998 krempelte Gesundheitsdirektorin Verena Diener (GLP) mit ihrer Spitalliste die Zürcher Spitallandschaft um und verordnete ihr eine Verschlankung. Die Folge waren Fusionen und Schliessungen. So mussten zum Beispiel in Adliswil, Thalwil, Dielsdorf, Bauma, Pfäffikon, Wald oder Rüti Landspitäler ihren Betrieb einstellen. Richterswil, das zum Paracelsus-Spital wurde, und eben Affoltern überlebten diese turbulente Zeit.

Das Spital Affoltern kämpft aber schon länger um sein Überleben. Die Infrastruktur ist veraltet und die immer strengeren Vorschriften des Kantons bezüglich Fallzahlen und Wirtschaftlichkeit setzen dem kleinen Spital zu. Das Spital beschäftigt rund 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Im vergangenen November präsentierte die Spitalführung noch ihre Zukunftsstrategie, die das Überleben hätte sichern sollen. Ein Neubau mit einem ambulanten Operationszentrum, die Fokussierung auf die Altersmedizin und eine enge Zusammenarbeit mit dem Zürcher Stadtspital Triemli hätte das Rezept sein sollen.

Damit die Betriebskommission diese Überlebensstrategie aber umsetzen könnte, bräuchte sie die Mehrheit der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger. Am 19. Mai findet in den 14 Gemeinden des Zweckverbandes eine Abstimmung statt. Diese müssten unter anderem der Gründung einer gemeinnützigen Aktiengesellschaft durch die Gemeinden zustimmen, die als Trägerschaft fungieren würde. Doch auch dies lehnt der Affoltemer Stadtrat ab. (sip)

Erstellt: 12.02.2019, 10:04 Uhr

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