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SP-Mann siegt in Winterthur gegen GLP-Frau

Kaspar Bopp (SP) sichert die links-grüne Mehrheit im Winterthurer Stadtrat. Er hat Annetta Steiner (GLP) erstaunlich klar distanziert.

Kaspar Bopp setzt sich im Kräftemessen zwischen SP und GLP durch.
Kaspar Bopp setzt sich im Kräftemessen zwischen SP und GLP durch.
rba

Sie lieferten sich ein heisses Duell: SP und GLP kämpften beide um einen Sitz im Winterthurer Stadtrat, um jenen der abtretenden SP-Finanzvorsteherin Yvonne Beutler. Sie hat ihren Rücktritt auf Ende Oktober bekannt gegeben. Das Endresultat war erstaunlich klar: 9993 Stimmen für SP-Mann Kaspar Bopp, 7335 für GLP-Frau Annetta Steiner. Die Stimmbeteiligung lag bei 27,7 Prozent.

Überraschender Rücktritt: Yvonne Beutler kehrt der Stadtregierung den Rücken, kurz nach ihrer Wiederwahl. Bild: Dominique Meienberg
Überraschender Rücktritt: Yvonne Beutler kehrt der Stadtregierung den Rücken, kurz nach ihrer Wiederwahl. Bild: Dominique Meienberg

Die SP hat den politisch wenig erfahrenen Kaspar Bopp (40) ins Rennen geschickt, der als Projektleiter und Risikoanalyst bei der AXA-Versicherung arbeitet. Die GLP trat mit Annetta Steiner (54) an. Die ehemalige Lehrerin sitzt seit mehreren Jahren im Gemeinderat, hat diesen präsidiert und arbeitet als Beraterin für Umweltanliegen.

Mit den beiden traten verschiedene Grundsätze gegeneinander an: Bopp wollte die rot-grüne Mehrheit im Stadtrat sichern, die für eine sozial-gerechte Stadt einsteht. Er wurde neben der SP auch von den Grünen und der AL unterstützt. Steiner sieht sich als Vertreterin der Mitte und wurde von FDP, EVP und den lokalen Wirtschaftsverbänden unterstützt. Das, weil sie sich einen Namen als Sparpolitikerin gemacht hat.

Der Stadtrat Winterthur: Marcel Wendelspiess, Rechtskonsulent, (v.l.n.r.), Christa Meier (SP), Stefan Fritschi (FDP), Yvonne Beutler (SP), Michael Künzle (CVP), Barbara Günthard-Maier (FDP), Nicolas Galladé (SP), Jürg Altwegg (Grüne) und Ansgar Simon Stadtschreiber. Bild:pd
Der Stadtrat Winterthur: Marcel Wendelspiess, Rechtskonsulent, (v.l.n.r.), Christa Meier (SP), Stefan Fritschi (FDP), Yvonne Beutler (SP), Michael Künzle (CVP), Barbara Günthard-Maier (FDP), Nicolas Galladé (SP), Jürg Altwegg (Grüne) und Ansgar Simon Stadtschreiber. Bild:pd

Ihr Ringen um einen Sitz war aus mehreren Gründen brisant: Die SP musste ihren dritten Stadtratssitz verteidigen, tat dies aber mit einem Mann aus der Privatwirtschaft, weil alle Wunschkandidatinnen abgesagt hatten.

Das lässt die Partei kurz nach dem Frauenstreik etwas konservativ dastehen. Zumal der Frauenanteil im Siebnergremium nun von drei auf zwei schrumpft. Positiv dagegen für Mitte-Links: Die bürgerliche Wende konnte abgewendet werden. Zwei Sozialdemokraten, eine SP-Frau und ein Grüner dominieren das Siebnergremium weiterhin.

Rückschlag für die GLP

Die deutliche Niederlage von Annetta Steiner ist ein Rückschlag für die GLP, die es auch in der aktueller Hochform und dank dem Klimahype nicht schafft, in den Winterthurer Stadtrat einzuziehen. Brisant war der Kampf GLP gegen SP in Winterthur vor allem auch, weil die bekannte Winterthurerin Chantal Galladé eben erst unter Getöse von der SP in die GLP übergetreten war.

Grund für das deutliche Resultat ist offensichtlich die fehlende Mobilisierung auf der bürgerlichen Seite. «Es war für uns schwierig, die bürgerlichen Parteien zu überzeugen, für eine GLP-Vertreterin zu stimmen», sagt Annetta Steiner. So hatte es die SVP weder geschafft, einen eigenen Kandidaten zu präsentieren, noch die GLP-Frau zu unterstützen.

Seilziehen um die Finanzen

Der neue Stadtrat Kaspar Bopp begründet seinen Vorsprung ebenfalls mit der besseren Mobilierung im links-grünen Lager. «In Winterthur herrscht Aufbruchstimmung, die Winterthurerinnen und Winterthurer wollen eine sozial-ökologische Politik.» Bei der nun anstehenden Ressortverteilung stellt sich die Frage: Übernimmt Bopp, der als Risikoanalyst den Umgang mit Zahlen gewohnt ist, von Yvonne Beutler die Finanzen? Oder wechselt ein Bisheriger nur ein Jahr nach der letzten Verteilung.

Die bisherige Finanzministerin Yvonne Beutler jedenfalls hat ein klare Antwort, auch wenn diese drei Konjunktive enthält: «Wenn Kaspar Bopp wollte und es würde, wäre er ein hervorragender Finanzvorsteher.» Bopp selber sagt, dass er zwar grossen Respekt vor dem Finanzdepartment habe, sich die Aufgabe aber zutrauen würde.

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