SRF-Bühne nur für Köppel und Schlatter – Noser «erstaunt»

Wieder steht SRF mit der FDP im Clinch: Kurz vor dem zweiten Zürcher Wahlgang für den Ständerat dürfen Roger Köppel (SVP) und Marionna Schlatter (Grüne) in den «Club». Was sagt SRF?

Bei der Wahl-«Arena» vom 20. September waren noch alle Zürcher Kandidierenden für den Ständerat da (v.l.n.r.): Roger Köppel (SVP), Ruedi Noser (FDP), Moderator Sandro Brotz, Daniel Jositsch (SP), Tiana Angelina Moser (GLP). Marionna Schlatter (Grüne) sass im Publikum.

Bei der Wahl-«Arena» vom 20. September waren noch alle Zürcher Kandidierenden für den Ständerat da (v.l.n.r.): Roger Köppel (SVP), Ruedi Noser (FDP), Moderator Sandro Brotz, Daniel Jositsch (SP), Tiana Angelina Moser (GLP). Marionna Schlatter (Grüne) sass im Publikum. Bild: Screenshot SRF

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Kaum ist der Ärger von FDP-Präsidentin Petra Gössi über SRF etwas verraucht, ist schon wieder Feuer im Leutschenbach-Dach.

Heute Dienstagabend wird der «Club» gesendet zum Thema «Grün legt zu – Und jetzt?». Eingeladen sind Klimaaktivisten von Extinction Rebellion und Collective Climate Justice sowie Ex-Grünen-Nationalrat Josef Lang, aber auch SVP-Nationalrat Roger Köppel und Marionna Schlatter, gewählte Nationalrätin der Grünen. Pikant: Beide befinden sich aktuell im Wahlkampf um den zweiten Zürcher Ständeratssitz, gewählt wird am 17. November.

Noser: «Ich bin erstaunt»

Der dritte Kandidat für den Ständerat, FDP-Amtsträger Ruedi Noser, wurde aber nicht eingeladen, wie er auf Anfrage bestätigt. Obwohl er im Initiativkomitee der Gletscherinitiative sitzt, die sich stark mit der Klimafrage befasst. Für die FDP diskutiert der Berner Nationalrat Christian Wasserfallen mit, der als Kritiker der grünen Wende innerhalb der Partei gilt.

Noser ist etwas irritiert: «Ich bin erstaunt, dass SRF zum jetzigen Zeitpunkt einzelne Kandidierende einlädt», sagt er. Zumal er selber im September – ebenfalls für einen «Club» – von SRF wieder ausgeladen worden war mit der Erklärung: Wahlkampf. Dennoch bleibt Noser cool: «Ich trage das mit einer gewissen Gelassenheit», sagt er.

Richtlinie knapp nicht verletzt

Tatsächlich gibt es beim SRF Publizistische Richtlinien für solche Fälle. «In den letzten drei Wochen vor dem Urnengang sind keine Einzelauftritte von Kandidierenden oder Exponenten mehr zulässig, die ihnen eine einseitige Plattform bieten», heisst es unter Punkt 7.3. in den 110 Seiten umfassenden Richtlinien. Es darf niemand oder müssen gleich alle zum Zug kommen wie in der «Arena» vom 20. September, in welcher der Zürcher Ständeratswahlkampf thematisiert wurde. Ab acht Wochen vor dem Urnengang müssen Auftritte – immer noch gemäss Richtlinien – «von einer Chefredaktion» bewilligt werden.

Da die Wahl dreieinhalb Wochen nach der Sendung stattfindet, hat also Chefredaktor Tristan Brenn sein Okay gegeben, wie es bei SRF heisst. Die Richtlinie wird also nicht verletzt, wenn man sie ganz genau nimmt. Sie wurde übrigens 2017 angepasst. Vorher galt eine Sperrfrist von vier statt drei Wochen.

SRF-Moderatorin wehrt sich

«Club»-Moderatorin Barbara Lüthi hält zudem fest, dass «Marionna Schlatter und Roger Köppel nicht als Ständeratskandidaten in die Sendung kommen, sondern als zwei gegensätzliche Stimmen nach dieser Wahl», wie sie auf Anfrage schreibt.

«Marionna Schlatter und Roger Köppel kommen nicht als Ständeratskandidaten in die Sendung»«Club»-Moderatorin Barbara Lüthi

Schlatter habe als Präsidentin der Grünen Kanton Zürich einen Erfolg erreicht und selber voll von der grünen Welle profitiert, so Lüthi. «Innerhalb von rund sechs Monaten wurde sie Kantonsrätin und dann auch gleich noch Nationalrätin.»

Roger Köppel wiederum habe der SVP in klimapolitischen Fragen im Wahlkampf den Stempel aufgedrückt. Keiner habe so viel Aufwand für den Wahlkampf betrieben. «Fast keiner ist mit Greta und der Klimajugend so hart ins Gericht gegangen.» Und trotzdem hat die SVP fast vier Prozent Wähleranteil verloren, fügt Lüthi an. Im «Club» gehe es vor allem darum zu diskutieren, was der grüne Erdrutschsieg für die Schweizer Bevölkerung bedeutet.

«Club»-Gesprächsleiterin Barbara Lüthi: «Wenn wir spezifisch über die Gletscherinitiative reden, ist Ruedi Noser auf jeden Fall zu berücksichtigen.» Foto: Oscar Alessio/SRF

Ruedi Noser sei ein interessanter Gesprächsgast und auch im «Club» gern gesehen, so Lüthi weiter. «Wenn wir spezifisch über die Gletscherinitiative reden, ist er auf jeden Fall zu berücksichtigen.» Zum September-«Club» sagt Lüthi, SRF habe Noser nicht ausgeladen. Es sei zunächst eine Ausgabe zum Zürcher Wahlkampf geplant gewesen, doch dann habe man diesen zum Thema einer «Arena» gemacht. «Und da war Ruedi Noser dabei.»

(Anmerkung: Die erste Fassung des Textes wurde überarbeitet. Die Publizistischen Richtlinien von SRF werden nicht verletzt. Einzelauftritte von Kandidierenden sind bis drei Wochen vor der Wahl erlaubt. Das gilt seit 2017. Davor betrug die Frist vier Wochen.)

Erstellt: 22.10.2019, 12:06 Uhr

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