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Zürcher «Gammelhäuser»: Polizei rückte 2500 Mal aus

Um die unhaltbaren Zustände zu beenden, kauft die Stadt drei heruntergekommene Häuser in Aussersihl. Sie sollen künftig gemeinnützig bewirtschaftet werden.

Die beiden Liegenschaften an der Neufrankengasse, die von der Stadt gekauft werden.
Die beiden Liegenschaften an der Neufrankengasse, die von der Stadt gekauft werden.
Reto Oeschger

Der Zürcher Stadtrat hat den dringlichen Kauf von drei Wohnhäusern an der Neufrankengasse und Magnusstrasse bewilligt. Die als «Gammelhäuser» bekannt gewordenen Liegenschaften sollen für 14,5 und 11,5 Millionen Franken (Neufrankengasse 6 und 14) sowie 6,25 Millionen Franken (Magnusstrasse 27) in den Besitz der Stadt übergehen. Verkäuferin ist die PHS Immobilien AG von Peter Sander aus Küsnacht.

Sander machte zur Bedingung des Verkaufs, dass die Verträge vor den Sportferien beurkundet werden. Der Stadtrat sah sich deshalb gezwungen, die Verträge trotz der Höhe der Kaufpreise in eigener Kompetenz zu genehmigen. «Alle drei Gebäude sind in einem schlechten Zustand», schreibt der Stadtrat in einer Mitteilung, dies sei beim Kaufpreis berücksichtigt worden.

2500 Polizeieinsätze in den Häusern nötig

Sander soll die völlig heruntergekommenen Appartements zu deutlich überhöhten Preisen an Randständige und Asylbewerber vermietet haben. Zurzeit läuft gegen den Immobilienunternehmer ein Verfahren wegen Mietzinswuchers. In den Häusern wurde gedealt und es wurden Drogen konsumiert, weshalb die Stadtpolizei in den vergangenen Jahren 2500 Mal eingreifen musste, bis zu 10 Mal am Tag, wie Finanzvorsteher Daniel Leupi (Grüne) an der Pressekonferenz vom Freitag sagte.

Wegen der unhaltbaren Zustände verordneten die Behörden Anfang Jahr die Räumung der Liegenschaften. Mit den drei Käufen könnten die prekären Verhältnisse dauerhaft beseitigt werden, von denen Mieter und Nachbarschaft in der Vergangenheit betroffen gewesen seien, schreibt der Stadtrat.« Der Kauf ist nicht aus wohnpolitischen Gründen erfolgt, sonder aus sozialpolitischen», sagte Leupi.

Der Verwalter Sherry Weidmann äussert sich zu den Zuständen in den Problemliegenschaften. (Video: Lea Blum)

Um in den beiden Liegenschaften an der Neufrankengasse die gröbsten Mängel zu beheben und Zwischennutzungen zu ermöglichen, hat der Stadtrat weiter zwei Objektkredite von je knapp 2 Millionen Franken als dringliche Zusatzkredite bewilligt.

Zudem hat der Stadtrat einen Projektierungskredit von 650'000 Franken gesprochen, um die Instandsetzung des dritten Hauses an der Magnusstrasse zu planen. Dort mussten wegen eines vorsätzlich gelegten Brands sämtliche elektrischen und sanitären Installationen demontiert werden. Das Gebäude sei zurzeit nicht bewohnbar, teilt der Stadtrat mit. Die Mittel für den Projektierungskredit will der Stadtrat dem Gemeinderat später via Zusatzkredit beantragen.

Vermietung an Suchtkranke und für Flüchtlinge

Mit dem Kauf erwirbt die Stadt an der Neufrankengasse 81 Kleinwohnungen sowie an der Magnusstrasse dreissig Einzelzimmer. Nach der Instandsetzung würden die Netto-Mietzinse für eine 22 bis 23 Quadratmeter grosse 1-Zimmer-Wohnung an der Neufrankengasse 6 rund 900 Franken betragen, schätzt der Stadtrat. An der Neufrankengasse 14 sollen künftige Mieter für 19 bis 23 Quadratmeter grosse 1-Zimmer-Wohnungen 700 bis 800 Franken bezahlen.

Damit sei eine kostendeckende Vermietung an einen offenen Kreis von Interessenten gewährleistet (Neufrankengasse 6) sowie an sucht- und psychisch kranke Menschen an der Neufrankengasse 14. Die Zimmer an der Magnusstrasse sollen zu einem kostendeckenden jährlichen Netto-Mietzins von 214'000 Franken an die Asyl-Organisation Zürich vermietet werden.

Kritik von Hauseigentümerverband

Beim Hauseigentümerverband (HEV) stösst das «überhastete» Kaufgeschäft der Stadt auf Kritik. Dieses sei überaus fragwürdig, schreibt der Verband in einer Mitteilung. Der Entscheid über Kaufverträge dieser Grössenordnung falle in die Kompetenz des Stadtparlaments. «Es geht nicht an, dass die Stadt sich vom Eigentümer unter Druck setzen lässt und so die Gemeindeordnung aushebelt». Diese besage klar, dass der Ankauf von Liegenschaften«im Verkehrswert von über Fr. 2'000'000» in die Kompetenz des Gemeinderates falle (Art. 41 lit. m der Gemeindeordnung).

Auch sei der bezahlte Preis unter Berücksichtigung der aktuellen Lage auf dem Liegenschaftenmarkt in der Stadt Zürich 20 bis 25 Prozent zu hoch, kritisiert der HEV Zürich. Er fordert den Stadtrat deshalb auf, seinen Entscheid rückgängig zu machen. Ansonsten seien Stimmrechtsbeschwerden in Erwägung zu ziehen. Grundsätzlich sei es nicht Aufgabe der Stadt, Liegenschaften in schlechtem Zustand zu erwerben und zu renovieren. Private und institutionelle Investoren seien dazu besser in der Lage, so der Verband weiter.

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