Stadt Winterthur streicht 110 Stellen

Winterthur muss sparen. Nun hat der Stadtrat ein Sanierungsprogramm von 44 Millionen präsentiert. Dieses sei «schmerzhaft», sagt der Stadtrat. Betroffen sind durch Abbau und Auslagerung insgesamt 550 Stellen.

Hat keine frohe Botschaft: Winterthurs Stadtpräsident Mike Künzle (CVP).

Hat keine frohe Botschaft: Winterthurs Stadtpräsident Mike Künzle (CVP). Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Winterthurer Stadtrat hat heute Donnerstagmorgen die Massnahmen des grossen Sparprogramms «Balance» vorgestellt. Das Gesamtpaket entlastet den städtischen Haushalt um 43,6 Millionen Franken im Jahr. Zahlreiche Massnahmen seien «schmerzhaft und mit einschneidenden Folgen verbunden», heisst es in der Medienmitteilung der Stadtregierung. So kommt es zu einer Reduktion des Stellenplans um rund 110 Stellen.

Winterthur muss sein strukturelles Defizit loswerden, zumal das Stadtparlament im vergangenen Dezember die beantragte Lohnkürzung fürs städtische Personal sowie eine Steuerfusserhöhung abgelehnt hat. Jetzt präsentiert der Stadtrat die Details des Entlastungsprogramms. So soll der Aufwand um 35,6 Millionen sinken und sollen 8 Millionen mehr hereinkommen – etwa durch höhere Stromnetzabgaben, die Erhöhung der (Nacht-)Parkgebühren oder der Tarife für die schulergänzende Betreuung. Der Stadtrat kann nicht über alle Massnahmen selber abschliessend befinden: 45 Prozent der vorgeschlagenen Massnahmen fallen in die Kompetenz des Parlaments, 11 Prozent in jene des Volks. Gänzlich greifen soll das Sparprogramm ab 2019. Schon 2016 sollen gut 23 Millionen eingespart werden.

40 Lehrstellen weniger und Entlassungen

Die «Balance»-Massnahmen führen zu einer Reduktion des Stellenetets um etwa 110 Stellen. Das beinhaltet sowohl einen Stellenabbau (etwa beim Zivilschutzamt) als auch einen Verzicht auf Aufstockungen. Dieser betrifft die Stadtpolizei, deren Personalverband prompt reagierte und kritisierte, die Stadtpolizei werde «totgespart», obwohl das Stimmvolk im November 2013 eine Aufstockung beschlossen habe. Betroffen sind aber auch die Feuerwehr oder die Schulleiter. Ausserdem werden rund 40 Lehrstellen in Zukunft nicht mehr angeboten. Hinzu kommt eine durch Auslagerungen (vor allem von Stadtwerk Winterthur und des Theaters Winterthur, aber auch der städtischen Sonderschulen oder der Deutschkurse mit Kinderbetreuung) ausgelöste Reduktion um etwa 400 Stellen.

Zudem wird der jährliche Beitrag der Stadt an die Mechatronikschule Winterthur (MSW) um 2,5 Millionen und sollen die Gemeindezuschüsse an AHV/IV-Bezüger um 2,1 Millionen reduziert werden. Um 2 Millionen gesenkt werden werden die Pflegekosten in den Altersheimen. 130'000 Franken soll die Privatisierung des Blumenladens bringen, 200'000 Franken der Abbau von Bus-Haltestellen.

Der Stadtrat geht davon aus, dass ein «grosser Teil» des Abbaus durch natürliche Fluktuationen aufgefangen werden kann. Dennoch werden bis zu 40 Entlasungen ins Auge gefasst. Für die betroffenen Mitarbeitenden wird bis Ende April 2015 ein Sozialplan ausgearbeitet. Dieser ist mit den Personalverbänden auszuhandeln und durch den Stadtrat zu beschliessen.

Keine linearen Kürzungen

Dem Stadtrat sei bewusst, dass «harte Entscheide getroffen werden müssen», heisst es in der Mitteilung weiter. Das Sparprogramm «Balance» habe zu keinen linearen Kürzungen geführt. Trotz zum Teil «einschneidenden Massnahmen» für Direktbetroffene sei es «gelungen, markante Qualitätseinbussen für die Gesamtbevölkerung zu verhindern».

Der Stadtrat wird neben der Umsetzung der «Balance»-Massnahmen auch das städtische Personalrecht revidieren. Es habe sich gezeigt, dass diesbezüglich diverse Elemente zu überprüfen seien. Die Personalverbände würden in diesen Prozess intensiv miteinbezogen, so der Stadtrat. Anpassungen auf Ebene Personalstatut müssen durch den Grossen Gemeinderat beschlossen werden.

Die detailierten Massnahmen sehen Sie hier.

Erstellt: 12.03.2015, 10:26 Uhr

Artikel zum Thema

Das «einzige echte Zürcher Fussballstadion»

Mit einem Regionalderby weihen die Winterthurer heute Abend die neue Tribüne ihres Stadions Schützenwiese ein. Damit sind sie den Zürchern um mehr als einen Schritt voraus. Mehr...

Technikum bleibt Winterthur treu

Die ZHAW Winterthur verlegt das «Tech» nicht nach Dübendorf. Das ist das Fazit einer Studie. Mehr...

Der Winterthur-Knick

Das Bevölkerungswachstum in Winterthur geht deutlich zurück. Warum der Stadtrat daran Positives findet. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Paid Post

1000-Sterne-Hotel: unterwegs mit dem Zelt

Outdoorfeeling pur! Alena Stauffacher, begeisterte Bergsportlerin, erzählt von ihren Camping-Erfahrungen.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Logenplätze: Die Bewohner der nepalesischen Ortschaft Bode verfolgen den Nil-Barahi-Maskentanz von ihren Fenstern aus. Während des jährlichen Fests verkleiden sich Tänzer als Gottheiten und ziehen durch die Strassen. (20. August 2019)
(Bild: Navesh Chitrakar) Mehr...