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Zürich muss Gartenstadtsiedlung unter Schutz stellen

Das Verwaltungsgericht hat entschieden: Ein Abbruch der ältesten Gartenstadtsiedlung im Friesenberg kommt nicht in Frage.

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Die beiden Siedlungen seien «Herz» und «Perle» des Friesenbergs, sagt der Heimatschutz. Das Verwaltungsgericht gibt ihm Recht.
Die beiden Siedlungen seien «Herz» und «Perle» des Friesenbergs, sagt der Heimatschutz. Das Verwaltungsgericht gibt ihm Recht.
PD

Der Stadtrat muss die Gartenstadtsiedlung im Friesenberg unter Schutz stellen, ein Abbruch ist unverhältnismässig. Das Urteil des Verwaltungsgerichts über die ersten beiden Bauetappen der Stadtzürcher Siedlung erfreut den Zürcher Heimatschutz, wie der Verein mitteilt. Er hat sich erfolgreich gegen den Abbruch gewehrt.

Der Stadtrat hatte der Familienheim-Genossenschaft (FGZ) ermöglichen wollen, die beiden Siedlungen abzubrechen und auf dem Areal dichtere Bauten zu erstellen. Demnach hätten auf dem Areal rund 94 zusätzliche Wohneinheiten realisiert werden können. Das Baurekursgericht hatte diese Interessenabwägungen in erster Instanz geschützt: Es seien Zweifel an der Hochrangigkeit der Altbauten aufgekommen, entschied es.

Die Richter verwiesen auch auf den «sehr schlechten» baulichen Zustand der Gebäude und die notwendige Sanierung, die über 54 Millionen Franken kosten würde. Die Gebäude könnten so zwar für weitere 60 Jahre erhalten werden, allerdings mit markant erhöhten Mieten. Die Eigentümer rechnen mit Preisen von mindestens 2585 Franken für ein 5-Zimmer-Haus und 1936 Franken für eine 4-Zimmer-Wohnung. Solche Mietpreise seien mit einem genossenschaft­lichen Wohnzweck nicht vereinbar, fand die Vorinstanz.

Das Verwaltungsgericht hat nun die Inventarentlassung der Stadt und das Urteil des Baurekursgerichts aufgehoben. Das öffentliche Interesse am Erhalt dieser einzigartigen Gründersiedlung sei höher zu gewichten als die Gesamtheit anderer privater und öffentlicher Interessen.

Gegenentwurf zu «Mietskasernen»

Die ersten beiden Bauetappen der Siedlung wurden von 1925 bis 1928 von Architekt Fritz Reiber erstellt. Laut dem Zürcher Heimatschutz bestechen sie durch den begrünten Landschaftsraum mit vielfältigen räumlichen Bezügen und Blickachsen. Die beiden Siedlungen seien«Herz» und «Perle» des Friesenbergs und gälten als exemplarisches Beispiel für die Ausrichtung der damaligen Politik.

Das Gartenstadt-Modell war der Gegenentwurf zu den misslichen Wohnverhältnissen der Arbeiterschaft in Mietskasernen der sich verdichtenden Städten und die Reaktion auf eine maximale Parzellen-Ausnützung. Keine andere zeitgenössische Siedlung in der Stadt Zürich und kaum eine andere in der Schweiz ist von vergleichbarer Grösse, Ge- schlossenheit und architektonischer Qualität wie die von Fritz Reiber.

Verdichtung kein ausreichendes Argument

Für den Zürcher Heimatschutz ist die «klaren Vorgaben des Verwaltungsgerichts» richtungsweisend auch für zukünftige Fälle: Selbst erhebliche private Interessen des Grundeigentümers am Rückbau dürften nicht zum Abbruch von hochrangigen Schutzobjekten führen. Das gelte auch dann, wenn eine Verdichtung eine erhebliche Wertsteigerung eines Grundstücks verursacht, schrieben der Verein in der Mitteilung.

Dass es sich möglicherweise um einen Präzendenzfall handelt, wird auch einen Einfluss auf die FGZ und die Stadt Zürich haben, wenn es darum geht, ob sie das Urteil anfechten wollen. Zurzeit lassen sie sich dies offen. Der Zürcher Stadtrat bedauert den Entscheid des Verwaltungsgerichts. Dieser zeige, dass bei einer Güterabwägung sehr unterschiedlichen Ansichten Recht gegeben werden könne.

Keine Antwort gibt der Stadtrat auf die Frage, was passieren würde, wenn es beim jetzigen Urteil bleibt. Damit bleibt auch unklar, welche Mittel und Wege es allenfalls gäbe, die Mieten in den aufwändig sanierten Altbauten zu senken. Auch von der FGZ ist dazu nichts zu erfahren. Bekannt ist lediglich, dass es innerhalb der Genossenschaft zahlreiche Stimmen gibt, denen wie dem Heimatschutz viel am Erhalt der alten Gebäude liegt.

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