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Unnötiger Massenstrip vor der Polizei

Bei einer Demonstration hat die Zürcher Stadtpolizei über hundert Personen verhaftet. Die Hälfte musste sich auf dem Posten nackt ausziehen. Ein Fehler, wie man jetzt einräumt.

Die Gegendemonstration gegen den «Marsch fürs Läbe» wurde im Keim erstickt: Polizisten verhaften einen Teilnehmer.
Die Gegendemonstration gegen den «Marsch fürs Läbe» wurde im Keim erstickt: Polizisten verhaften einen Teilnehmer.
Walter Bieri, Keystone

Bei der Zürcher Stadtpolizei war man am 19. September angespannt. Abtreibungsgegner hatten zum «Marsch fürs Läbe» in Oerlikon aufgerufen, und wie immer mobilisierten auch die Abtreibungsbefürworter aus der autonomen Szene für eine Gegendemonstration. Weil es bei solchen Konfrontationen in den Vorjahren zunehmend zu aggressiven Auseinandersetzungen gekommen war, griff die Polizei diesmal früh ein. Sie kesselte die Gegendemo ein und verfrachtete über hundert der Teilnehmer für eine Personenkontrolle in die Innenstadt.

Dort geschah dann etwas, was nicht hätte geschehen dürfen, wie aus einer Antwort des Zürcher Stadtrates auf eine Anfrage aus dem Parlament hervorgeht. Die Demonstranten wurden in so genannte Abstandszellen gebracht, um dort auf die Kontrolle zu warten. Bevor sie aber die Zellen betraten, mussten sie sich splitternackt ausziehen und sich so mustern lassen – eine Massnahme, die der Verantwortliche vor Ort aus Sicherheitsgründen angeordnet hatte. Dabei wurden auch ihre Körperöffnungen auf gefährliche Gegenstände abgesucht, zumindest soweit sie ohne Hilfsmittel einsehbar waren.

«Weder sachdienlich noch effizient»

Diese Massnahme wäre laut Stadtrat nicht nötig gewesen. Sie sei «weder sachdienlich noch effizient» gewesen. Es hätte demnach gereicht, wenn Beamte die Demonstranten über den Kleidern abgetastet hätten. Die Polizei bemerkte ihren Fehler aber erst, als sie bereits an die 50 Personen «ohne zwingenden Grund» zum unfreiwilligen Strip gezwungen hatte. Unnötig waren laut Stadtrat auch die langen Wartezeiten, zu denen es dadurch kam.

Der Einsatz der Stadtpolizei hat ein Nachspiel. Laut dem Stadtrat hat Polizeivorsteher Richard Wolff (AL) schon am Tag nach der Demonstration eine Stellungnahme zu den ergriffenen Massnahmen verlangt. Weil die Aktion auch nach Einschätzung der Stadtpolizei «in dieser Form nicht nötig» gewesen wäre, läuft nun eine kritische Nachbetrachtung. Es geht inbesondere darum, wie man solche Fehleinschätzungen in vergleichbaren Situationen künftig verhindern kann. Situationen, in denen auf dem Posten plötzlich viele Leute angeliefert werden und es hektisch und unübersichtlich wird.

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