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Stadtrat entscheidet über mehr Freiraum oder mehr Wohnungen

Die Teilrevision der Bau- und Zonenordnung ist abgeschlossen. Nächste Woche startet das Auflageverfahren. Für die Zukunft der Stadt und für Grundeigentümer ist vor allem ein Bereich von grossem Interesse.

Wie soll die Stadt in Zukunft aussehen? Die Bau- und Zonenordnung ist entscheidend für das Erscheinungsbild von Zürich. Die Frage ist, wo und ob verdichtet gebaut werden kann.
Wie soll die Stadt in Zukunft aussehen? Die Bau- und Zonenordnung ist entscheidend für das Erscheinungsbild von Zürich. Die Frage ist, wo und ob verdichtet gebaut werden kann.
Alessandro Della Bella, Keystone
Verdichtung ja oder nein? Entscheidet man sich für eine Erhöhung der Ausnützungsziffer, ist der Bau neuer Wohnungen möglich ...
Verdichtung ja oder nein? Entscheidet man sich für eine Erhöhung der Ausnützungsziffer, ist der Bau neuer Wohnungen möglich ...
Gaetan Bally, Keystone
Medienkonferenz unter den neuen Plänen: Die BZO 98 öffnet Industriezonen für Büros und gibt Wohnungen mehr Raum.
Medienkonferenz unter den neuen Plänen: Die BZO 98 öffnet Industriezonen für Büros und gibt Wohnungen mehr Raum.
Christoph Ruckstuhl, Keystone
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Die Stadt Zürich wächst. Allein im zweiten Quartal 2013 wurden auf dem Stadtgebiet 192 Bauprojekte und 835 Wohnungen neu bewilligt. Insgesamt existieren in Zürich über 200'000 Wohnungen, rund 30 Prozent davon mit vier und mehr Zimmern. Seit 16 Jahren hat die Bevölkerung konstant zugenommen und liegt heute bei über 396'000 Personen.

Der Stadtrat will, dass dieser Boom in geordneten Bahnen verläuft. Unter der Leitung des Hochbaudepartements und im Dialog mit der Quartierbevölkerung wurde daher in den vergangenen Monaten eine Teilrevision der städtischen Bau- und Zonenordnung (BZO) und des regionalen Richtplans ausgearbeitet. Da das Raumplanungsgesetz vorsieht, dass die Nutzungspläne periodisch überprüft und gegebenenfalls angepasst werden müssen, war dieser Schritt ohnehin nötig: Die letzte Revision des Richtplans und der BZO erfolgte vor knapp 15 Jahren.

Auflageverfahren läuft bis Weihnachten

In der öffentlichen Auflage der beiden Planungsinstrumente vom 24. Oktober bis 24. Dezember 2013 wird über die vorgesehenen Änderungen informiert. Im Rahmen des Mitwirkungsverfahrens können sich während der Auflagefrist alle interessierten Personen schriftlich zu den Planinhalten äussern. «Über die Berücksichtigung der einzelnen Einwendungen wird anschliessend gesamthaft bei der Planfestsetzung entschieden. Danach stehen sowohl Pläne als auch eine Stellungnahme zu den nicht berücksichtigten Einwendungen in Form eines Berichts wiederum zur Einsichtnahme offen», erklärt Heike Isselhorst, Sprecherin des Hochbaudepartements, auf Anfrage.

Im Frühling 2014 soll die Überarbeitung der Pläne abgeschlossen sein, sodass die teilrevidierte BZO spätestens im Herbst 2014 dem Gemeinderat und 2015 der kantonalen Baudirektion zur Festsetzung und Genehmigung vorgelegt werden kann.

Stärkung der fünf Erfolgspositionen

In der Bau- und Zonenordnung wird auf Meter und Quadratmeter genau festgelegt, wo was gebaut werden darf – also beispielsweise die Geschossflächen der Gebäude und deren Höhe sowie die Abstände zu den benachbarten Häusern. Sie ist also entscheidend für das zukünftige Erscheinungsbild der Stadt Zürich.

Der Revision sind entsprechend umfassende Planungsarbeiten vorangegangen. Das Amt für Städtebau hat im Rahmen der Legislaturschwerpunkte 2006 bis 2010 gemeinsam mit Vertretern anderer Departemente die Räumliche Entwicklungsstrategie (RES) «Zürich 2025» erstellt. Im März 2010 präsentierte der Stadtrat die Resultate dieser vorbereitenden Arbeit. Die RES bezeichnet fünf Bereiche, die Zürich im Vergleich zu anderen Städten auszeichnen. Zu diesen sogenannten Erfolgspositionen zählen die vielfältige Durchmischung, die effiziente Vernetzung, die diskrete Urbanität, die erlebbare Offenheit und die ausgezeichnete Lage- und Umweltqualität.

Acht Teilstrategien zur räumlichen Stadtentwicklung

Diese Werte will der Stadtrat auch in Zukunft erhalten und weiter stärken. Darauf aufbauend wurden daher acht Teilstrategien zur räumlichen Stadtentwicklung formuliert:

  • Der Raum für den Wirtschafts- und Wissensstandort Zürich soll weiter gewährleistet sein.
  • Die vielfältige Wohnstadt soll weiterentwickelt werden.
  • Es soll genügend Raum für Erholung, Freizeit und Kultur angeboten werden.
  • Die vorhandenen Siedlungsstrukturen sollen gebietsspezifisch gestärkt werden.
  • Landschaftsräume sollen erhalten und aufgewertet werden.
  • Die Attraktivität des öffentlichen Raums soll erhöht werden.
  • Die Mobilität soll stadtverträglich möglich sein.
  • Stadt und Region sollen gemeinsam gestaltet werden.

Inwiefern diese Teilstrategien in der neuen BZO berücksichtigt wurden, ist noch nicht bekannt. Das Hochbaudepartement macht vor Beginn des Auflageverfahrens keine Angaben zu den Inhalten der Revisionen.

«Zentrales Thema ist die Verdichtung»

Sicher ist, dass vor allem das Thema Verdichtung zentral sein wird. Dies insbesondere auch im Hinblick darauf, dass sie einschneidende Eingriffe in die Eigentumsrechte der heutigen Landeigentümer bedeutet, wie Dominik Matter vom Beratungs- und Forschungsunternehmen Fahrländer Partner Raumentwicklung erklärt. «Wenn die Dichte erhöht wird, dann kann dies auch eine Erhöhung der Erträge für den Besitzer bedeuten. Umgekehrt sinkt der Wert eines Grundstücks, wenn die Ausnützungsziffer in einer Zone reduziert wird.»

Bei der Teilrevision der BZO sei laut Matter entscheidend, wo die Stadt neue Schwerpunkte setze: In welchen Gebieten werden sich die Zustände im Vergleich zu heute verändern, und in welche Richtung soll diese Veränderung gehen? «Die Frage dabei ist, ob man in einer Zone die Bauweise noch stärker verdichten will oder ob man die Auflagen dahingehend erhöhen soll, dass innere Reserven nicht weiter genutzt werden – also Freiräume geschaffen oder erhalten werden.»

Verdichtung sei zwar auf der Raumplanungsebene gewünscht, weil das Wachstum praktisch nur über dichteres Bauen geschluckt werden könne, erklärt Matter. «Die Stadt kann sich aber auch dagegen entscheiden, denn es ist sehr aufwendig und schwierig, die Lebensqualität bei einer gleichzeitigen Verdichtung zu erhalten oder gar zu steigern.»

Wie die neue Bau- und Zonenordnung aussehen soll, stellt sich am 23. Oktober heraus. Dann werden Stadträtin Ruth Genner und Stadtrat André Odermatt die beiden Vorlagen den Medien präsentieren.

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