Die Stimmbürger wollen keinen Rückschritt

Die Zürcherinnen und Zürcher wollen die Fremdsprachenpolitik an der Primarschule nicht auf den Kopf stellen. Das ist auch ein Signal an andere Deutschschweizer Kantone.

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Die Zürcher Stimmbürgerinnen und Stimmbürger bleiben ihrer Linie in der Frage des Fremdsprachenunterrichts an der Volksschule treu. Schon vor zehn Jahren haben sie einer Volksinitiative eine Absage erteilt, welche die Einführung von Frühenglisch verhindern wollte.

Nun ging es zwar um die Streichung von Frühenglisch oder von Frühfranzösisch, aber die Argumente der Initianten waren im wesentlichen gleich wie damals: Die Kinder seien überfordert und würden beim Deutschlernen irritiert. Zudem rechtfertige der Ertrag des frühen Fremdsprachenlernens den Aufwand in der Lehrer-Ausbildung und im Unterricht nicht.

Für die Initianten ist das Abstimmungsresultat nicht einmal ein Achtungserfolg.

Dies hat die Stimmbürger einmal mehr zu wenig überzeugt. Sie sehen in der Streichung einer Fremdsprache einen Rückschritt. Für Sie wäre dies ein zu grosser Eingriff in eine Kernaufgabe der Volksschule. Für die Initianten ist das Abstimmungsresultat nicht einmal ein Achtungserfolg. Obwohl sie behauptet hatten, in der Lehrerschaft habe der doppelte Fremdsprachenunterricht kaum mehr Unterstützer, ist der Anteil Initiativgegner praktisch gleich geblieben wie im November 2006.

Die Abstimmungssieger können also aufatmen. Anlass zu überschäumender Freude ist das Resultat aber nicht. Denn immerhin sind weit über ein Drittel der Zürcherinnen und Zürcher mit dem Fremdsprachenunterricht nicht zufrieden, insbesondere nicht mit dem Französisch. Das müsste den Behörden zu denken.

Dennoch ist das Nein der Zürcherinnen und Zürcher ein deutliches Signal an andere Deutschschweizer Kantone, die damit liebäugeln, den Sprachenfrieden aufzukünden. Das frühe Lernen von Fremdsprachen hat im Volk eine hohe Priorität. Das gilt auch im Thurgau, wo der grosse Rat die Abschaffung von Frühfranzösisch plant. Schon zweimal haben die Thurgauer Stimmbürger für das Fremdsprachenlernen gestimmt. Und ohne einen Volksentscheid würde Frühfranzösisch im Thurgau auch diesmal nicht aus dem Stundenplan gekippt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.05.2017, 14:23 Uhr

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