Strafe für pädophilen Cevi-Leiter erhöht

Der 53-Jährige, der sich im Limmattal während Jahren an Buben verging, wollte ein milderes Strafmass. Das Zürcher Obergericht entschied heute anders.

Hier wurde der Fall heute erneut aufgerollt: Das Zürcher Obergericht.

Hier wurde der Fall heute erneut aufgerollt: Das Zürcher Obergericht. Bild: Ennio Leanza/Keystone

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10 Jahre Freiheitsentzug – so lautete heute Freitag das Verdikt des Zürcher Obergerichts gegen einen 53-jährigen ehemaligen Cevi-Leiter. Das sind 8 Monate mehr, als das Bezirksgerichts Dietikon vor eineinhalb Jahren verhängt hatte. Das Obergericht hat das erstinstanzliche Urteil aber weitgehend bestätigt.

Der Mann wurde schuldig gesprochen der mehrfachen sexuellen Nötigung, der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern, der mehrfachen Pornografie und weiterer Delikte. Den Opfern muss er Entschädigungen zahlen und die Verfahrenskosten tragen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, es kann ans Bundesgericht weitergezogen werden.

Strafe schien ihm «extrem hoch»

Der ehemalige Cevi-Leiter hatte sich ab 1994 während rund 20 Jahren an insgesamt acht Buben zwischen 5 und 15 Jahren vergangen. Manche waren jahrelang betroffen. Zudem stellten die Ermittler bei ihm tausende einschlägige Filme und Bilder sicher, auch Videoaufnahmen der eigenen Übergriffe. Dennoch plädierte der 53-Jährige heute für eine Reduktion seiner Strafe auf sieben Jahre. Es sei gewiss nicht in Ordnung, was er getan habe, sagte er. Seine Taten müssten bestraft werden – aber das verhängte Strafmass finde er «extrem hoch».

Das Obergericht entschied anders. Mit seinem Urteil berücksichtigte es die Vielzahl der Handlungen – es waren mehrere hundert – , das hinterhältige Vorgehen des Beschuldigten und die «unglaublich lange Zeit», während der er sich strafbar gemacht hat. Anderseits habe der Mann ein sehr weit gehendes Geständnis abgelegt und er zeige Einsicht in das Unrecht seiner Taten.

Das Vertrauen erschlichen

Der Mann, der damals Leiter der christlichen Jugendgruppe Cevi war, erschlich sich das Vertrauen der Knaben und deren Eltern. Dabei wählte er gezielt Kinder aus problembeladenen Familien aus. Für manche hatte er die Rolle eines «Ersatzvaters» oder eines «Göttis».

Der Mann gab heute erstmals zu, seine Opfer mit Schlafmittel betäubt zu haben.

Die meisten Übergriffe erfolgten beim Beschuldigten zu Hause. Er soll die Jungen wiederholt mit präpariertem Eistee betäubt haben – was der Mann selbst jedoch bestreitet. Dafür hat er heute vor Obergericht erstmals zugegeben, die Kinder teilweise mit dem Schlafmittel Dormicum sediert zu haben, damit sie seine Übergriffe nicht mitbekamen und er ungestört filmen konnte. Die Tablette habe er ihnen mit der Begründung verabreicht, dass sie so auf dem Wasserbett nicht seekrank würden.

Eine Richterin merkte allerdings an, dass kein einziger der Geschädigten jemals von einer Tablette erzählt habe. Alle hätten aber ansonsten detailgetreu die Vorfälle geschildert, so weit sie sie im Wachzustand erlebt hatten. Und sie hätten übereinstimmend das Getränk erwähnt. Der Verteidiger des Mannes setzte sich mit allen Kräften für seinen Mandanten ein. Er führte juristische Spitzfindigkeiten ins Feld und machte Verfahrensmängel geltend. So seien einige Opferaussagen aus der Untersuchung nicht verwertbar

Teilweise geständig

Das Treiben des Cevi-Leiters flog erst auf, als ein ehemaliges Opfer den Mann im Auto sah – wieder zusammen mit einem Buben. Er zeigte ihn an, der Fall kam ins Rollen. Seit Ende 2015 befindet sich der Beschuldigte in Haft.

Das Bezirksgericht Dietikon sprach den teilweise geständigen Mann wegen sexueller Nötigung, Schändung, sexueller Handlungen mit Kindern, Pornografie und weiterer Delikte - alle mehrfach begangen - schuldig. Den Opfern sprach das Gericht Genugtuungszahlungen von insgesamt 52'000 Franken sowie einiges an Schadenersatz zu.

Während des Strafvollzugs muss der Mann eine Therapie absolvieren. Er ist der Ansicht, dass diese eine positive Wirkung habe. Er habe erkannt, was er den Kindern angetan habe, beteuerte er. Dank der Therapie habe er auch die Sedierung eingestanden.

Beide Seiten waren mit dem erstinstanzlichen Urteil nicht zufrieden und zogen den Fall deshalb weiter. Während der beschuldigte eine Reduktion der Strafe verlangt, will die Staatsanwaltschaft eine Erhöhung auf 12 Jahre. (hub/sda)

Erstellt: 19.10.2018, 08:12 Uhr

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