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Streit um Shopping am 2. Januar

Der Berchtoldstag soll als freier Tag geschützt werden, fordern AL und Grüne. Doch nicht einmal die Arbeitnehmerpartei SP macht mit.

Helene Arnet
Die Läden sollen am 2. Jahrestag weiterhin geöffnet sein können, fand eine Ratsmehrheit des Kantonsrats. (Archivbild: Keystone)
Die Läden sollen am 2. Jahrestag weiterhin geöffnet sein können, fand eine Ratsmehrheit des Kantonsrats. (Archivbild: Keystone)

Ein «urschweizerisches Gewächs» sei der Berchtoldstag, der 2. Januar, fand Markus Bischoff (AL, Zürich) am Montag im Kantonsrat. «Er ist also kein invasiver Neophyt, den es zu bekämpfen gilt. Im Gegenteil, wir müssen ihn schützen.» Die AL forderte deshalb in einer Motion eine Änderung des Ladenöffnungsgesetzes. Dort soll festgehalten werden, dass am Berchtoldstag die Läden nicht geöffnet sein dürfen.

Derzeit gilt: Der 2. Januar ist in Zürich zwar traditionellerweise ein freier Tag. Wenn dieser auf einen Wochentag fällt, dürfen Läden ohne Sonderbewilligung offen haben. In den letzten Jahren haben dies Geschäfte zunehmend genützt, insbesondere in der Zürcher Innenstadt.

Die Forderung kam bei SVP, FDP und GLP nicht gut an. Laut Ueli Bamert (SVP, Zürich) kommt das Einkaufen am Berchtoldstag den Konsumentinnen und Konsumenten entgegen, aber auch dem Verkaufspersonal. «Erstere können noch einmal gemütlich einkaufen, bevor der Alltag und das Januarloch sie einholt.» Letztere seien froh um jede Minute, die sie mehr arbeiten und damit mehr verdienen könnten.

Auch Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) wehrte sich gegen eine weitere Regulierung des Detailhandels. Sie rechnete vor, dass Ende 2018 16'000 Personen weniger im Detailhandel arbeiteten als zehn Jahre zuvor. «Die Branche steht unter grossem Druck.»

Lieber noch häufiger offen

Apotheker Lorenz Schmid (CVP, Männedorf) ging in gewisser Weise noch einen Schritt weiter. Gerade in der Zürcher Innenstadt sei die Kundschaft internationaler geworden, was eher dafür spreche, den Sonntagsverkauf auszuweiten.

Ähnlich äusserte sich vor kurzem der Direktor von Zürich Tourismus. Schmid rief in Richtung der «Linken»: «Hände weg vom Detailhandel!» Wobei die Adressatin nicht ganz richtig gewählt war. Die üblicherweise arbeitnehmerfreundliche SP sprach sich nämlich überraschend gegen die Motion aus. Eine punktuelle Änderung nur für den Detailhandel sei nicht zielführend. «Hier ist keine staatliche Regulierung nötig», fand Birgit Tognella (Zürich).

Miserabel bezahlt

Immerhin fand die AL Support bei den Grünen. Esther Guyer (Zürich) ärgerte sich über das «Schönreden» dieses Themas. «Wenn die Angestellten im Detailhandel tatsächlich mehr arbeiten wollen, ist das nur, weil sie so miserabel bezahlt sind.»

Laut Markus Bischoff ging es bei diesem Vorstoss um mehr als den Schutz des Verkaufspersonals. Der Druck auf den freien Berchtoldstag nehme grundsätzlich zu, und es werde nicht dabei bleiben, dass er einfach zum «Shoppingtag» werde. «Immer mehr Arbeitgeber werden diesen freien Tag abschaffen, wenn er nicht geschützt wird», ist er überzeugt. Die Motion blieb mit 143 zu 28 Stimmen bei drei Enthaltungen (SP) auf der Strecke.

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