SVP wirft junge Überfliegerin aus dem Vorstand

Die SVP-Kreispartei 7/8 schliesst Camille Lothe aus dem Vorstand aus. Für sie sei die Situation noch unklar, sagt die Präsidentin der Jungen SVP Zürich.

«Ich finde es schade, dass wir das nun öffentlich austragen müssen»: Camille Lothe, Präsidentin der Jungen SVP Zürich. <nobr>Foto: Keystone/Peter Klaunzer</nobr>

«Ich finde es schade, dass wir das nun öffentlich austragen müssen»: Camille Lothe, Präsidentin der Jungen SVP Zürich. Foto: Keystone/Peter Klaunzer

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Sie präsidiert die Junge SVP Zürich, betreibt einen eigenen Youtube-Kanal, steht neben Christoph Blocher in der Sendung «Arena» und spielt Hauptrollen in SVP-Kampagnenvideos. Camille Lothe ist der Shootingstar der Zürcher SVP. Bis vor kurzem war sie auch noch im Vorstand der SVP-Kreispartei 7/8. Da will man sie aber offensichtlich nicht mehr haben. Ihr Bild verschwand von der Website, ihre Twitter-Biografie hat Lothe angepasst.

Andy Mosetti, Präsident der SVP am Zürichberg, findet in einem Mail an SVP-Kantonalparteipräsident Patrick Walder und Nationalrat Mauro Tuena klare Worte: Man halte am Ausschluss von Lothe aus dem Vorstand fest, ausser sie trete selbst zurück. ­Ansonsten würde der Vorstand Lothe nicht mehr zur Wiederwahl empfehlen und «vehement» gegen ihre Wiederkandidatur eintreten. «Wir garantieren dann auch, dass die Kreispartei 7/8 Lothe nie auf eine Gemeinderats- bzw. Kantonsratsliste setzen wird», schreibt Mosetti weiter und rät Lothe, es doch bei der Kreispartei 1/2 zu versuchen. Wer nicht mitarbeiten kann, könne nicht im Vorstand sein.

«Wenn man mich im Vorstand noch möchte und meine Mitarbeit schätzt, würde ich die Arbeit gern weitermachen.»Camille Lothe

Sämtliche Vorstandsmitglieder scheinen mit dem Vorgehen aber nicht einverstanden zu sein – denn das E-Mail des Präsidenten landet von einer anonymen Adresse aus bei der Redaktion des «Tages-Anzeigers».

Für Camille Lothe ist die Situation völlig unklar. Sie wurde von ihrem Ausschluss überrascht. «Ich finde es schade, dass wir das nun öffentlich austragen müssen. Aber wenn man mich im Vorstand noch möchte und meine Mitarbeit schätzt, würde ich die Arbeit gern weitermachen», sagt sie.

Camille Lothe kann nicht an Abendsitzungen teilnehmen, da sie von 16 bis 21 Uhr als Lehrerin an einer KV-Privatschule Abendunterricht gibt. «Ich arbeite allerdings seit vier Jahren da, das habe ich von Anfang an so kommuniziert», sagt Lothe. «Wenn man sagt, ich würde mich nicht für die SVP engagieren, überrascht mich das sehr.»

Andy Mosetti, Präsident der SVP am Zürichberg. Foto: PD

Andy Mosetti befindet sich gerade auf einer schwul-lesbischen Flusskreuzfahrt von Amsterdam nach Budapest. «Ich bin natürlich nicht erfreut, dass ein internes Mail an die Presse ging», sagt er. Er kann sich auch vorstellen, dass nicht alle Mitglieder mit seiner Entscheidung einverstanden seien. Es gebe Leute, die um jeden Preis Frauen in Positionen haben wollten.

Doch für Mosetti ist klar: «Lothe hat zu viel um die Ohren. Sie war in einem Jahr an keiner Vorstandssitzung. Ich brauche Mitglieder, die mitarbeiten», sagt er. Lothe mache einen Spitzenjob als JSVP-Präsidentin, aber «Schuster bleib bei deinem Leisten», sagt Mosetti.

Auch Fehr Düsel ging

Die Kreispartei 7/8 macht nicht das erste Mal von sich reden. Bei den letzten Wahlen liess sie mit dem bekannten Anwalt Valentin Landmann ein Zugpferd antreten. Dafür musste später ausgerechnet die Einzige, die einen SVP-Sitz im Kreis 7/8 hielt, Nina Fehr Düsel, für den Bezirk Meilen antreten und nicht mehr für ihren bisherigen Kreis, wie sie es gewollt hätte. Auch Susanne Brunner verliess diesen Vorstand einst nach einem Streit.

Ärger und sogar Parteiaustritte gab es auch, als mit Daniel Buchta ein Deutscher in den Vorstand der Kreispartei am Zürichberg gewählt wurde. Der ist heute immer noch da, Lothe nicht.

Die Parteiführung äussert sich zurückhaltend zu dem Fall. SVP-Nationalrat und Stadtparteipräsident Mauro Tuena sagt: «Für Vorstände von Kreisparteien ist es wichtig, dass die Mitglieder in den Sitzungen aktiv mitarbeiten können.» Die Zusammensetzung der Vorstände sei Sache der Kreispartei.

Auch SVP-Präsident Patrick Walder gibt sich auf Anfrage kurz angebunden: «Ich mische mich da nicht ein. Die Kantonalpartei steht als Vermittlungspartner zur Verfügung, wenn es gewünscht ist, alles andere ist Sache der Stadtpartei.»

Erstellt: 06.12.2019, 08:02 Uhr

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