SVP nominiert Christoph Mörgeli und buht Roberto Martullo aus

Zwei Personalien auf der Nationalratsliste und der Regen beschäftigten die Zürcher SVP-Delegierten.

Der Hüntwanger Gemeindepräsident Matthias Hauser (links) mit SVP-Präsident Patrick Walder im verregneten Amphitheater Hüntwangen. Foto: Sabina Bobst

Der Hüntwanger Gemeindepräsident Matthias Hauser (links) mit SVP-Präsident Patrick Walder im verregneten Amphitheater Hüntwangen. Foto: Sabina Bobst

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Offensichtlich glaubt die SVP doch an den Klimawandel. Und plante ihre Delegiertenversammlung zur Gestaltung der Nationalratslisten gestern Abend unter freiem Himmel – im modernen Amphitheater Hüntwangen im grössten Kiesabbaugebiet der Schweiz.

Doch es regnete und war kalt – und Ständeratskandidat Roger Köppel hatte das Stichwort für seinen Vortrag, den er so oder ähnlich auf seiner Tour in allen 162 Zürcher Gemeinden hält: «Der Klimaschwindel und seine Abzocker». Die 300 Delegierten mussten jedenfalls ihre Versammlung im trockenen Festzelt abhalten.

Und Köppel zitierte Rudi Carrell: «Wann wirds mal wieder richtig Sommer?» Der Hüntwanger Gemeindepräsident Matthias Hauser klagte: «Wenn man den Klimawandel einmal braucht, dann kommt er nicht.» Wenigstens sei auf Hüntwangen Verlass, als Bollwerk gegen die EU direkt an der Grenze zu Deutschland.

«FDP ist unser Gegner»

Im proppenvollen Zelt setzte der neue Kantonalpräsident Patrick «Pudi» Walder eine erste Duftmarke. Die SVP sei – unter seinem Vorgänger – bei den letzten Wahlen «zu langweilig und zu normal» gewesen, «eine Partei unter vielen». Die SVP müsse wieder emotionaler, lauter und unangenehmer werden, Missstände aufdecken, austeilen und einstecken können. Mit ihrem Klimapapier habe sich die FDP «von einer freiheitlichen Schweiz verabschiedet». Die FDP wolle den Bürgern die Eigenverantwortung absprechen. «Damit», so Walder, «gehört die FDP zu unseren Gegnern.» Eine Listenverbindung mit der FDP dürfte damit endgültig vom Tisch sein.

Nach diesen Scharmützeln ging es um das Haupttraktandum: die 35-köpfige Nationalratsliste. Diese hatte der Vorstand bereits vor einer Woche abgesegnet. Die SVP hat im Herbst zwölf Nationalratssitze zu verteidigen. Am nächsten Montag werden Martin Haab und Therese Schläpfer vereidigt; sie ersetzen Jürg Stahl und die in den Regierungsrat gewählte Natalie Rickli. Im Herbst verzichtet Hans Egloff auf die Wiederwahl. Wenn die SVP mehr als einen Sitz verliert – oder einer der Neuen vorprescht –, wird ein Bisheriger abgewählt.

Zwei Personalien gaben gestern Abend besonders zu reden: Verdient der 2015 hochkant abgewählte Christoph Mörgeli den 15. Platz? Und hat die Partei wirklich nicht mehr als zwei Frauen für die erste Listenhälfte zu bieten. Immerhin, so Hans Rutschmann als Präsident der Listenkommission, habe die SVP diesmal neun Frauen auf der Liste, vor vier Jahren waren es bloss sechs.

Mörgeli streichen oder nicht?

Die Anträge folgten prompt: Mörgeli sei von der Liste zu streichen nach seinem Absturz von 2015 und durch Nina Fehr Düsel, die nur auf dem 25. Platz ist, zu ersetzen. Fehr hatte bei den Kantonsratswahlen vier vor ihr platzierte Männer überholt und das Bestresultat im Bezirk Meilen erzielt. Die Zeit von Mörgeli sei abgelaufen, sagte ein Delegierter. Roger Köppel konterte sofort unter viel Applaus: Mörgeli sei «einer der brillantesten Köpfe», die Partei habe ihm viel zu verdanken. Wer Mörgeli jetzt streiche, «paktiert mit den Medien, die ihn mit ihrer Kampagne zu Fall gebracht haben». Dieser Antrag wurde haushoch abgelehnt. Dann forderte Roberto Martullo die Streichung von Alt-Präsident Konrad Langhart, weil er der Partei geschadet und «vier Jahre lang nichts gemacht» habe. Er erntete ein gellendes Pfeifkonzert und eine 1:300-Niederlage.

Sein Listenplatz stand zur Debatte: Christoph Mörgeli. Foto: Alexandra Wey, Keystone

Und so sieht die erste Hälfte der von den Delegierten unverändert beschlossenen Liste aus – 16 Männer und zwei Frauen: 1. Roger Köppel (der auch als Ständeratskandidat antritt), 2. Gregor Rutz, 3. Alfred Heer, 4.Thomas Matter, 5. Hans-Ueli Vogt, 6. Barbara Steinemann, 7.Bruno Walliser, 8. Claudio Zanetti, 9. Mauro Tuena, 10. Martin Haab, 11. Therese Schläpfer (alle bisher), 12. Martin Hübscher (Fraktionspräsident), 13. Benjamin Fischer (Präs. JSVP Schweiz), 14. Jürg Sulser, 15. Christoph Mörgeli, 16. Konrad Langhart, der abgesetzte Präsident, 17. Matthias Hauser, 18. Franco Albanese.

Steuerabzüge für Krankenkassenprämien

Ausserdem hat die SVP gestern Abend einstimmig die Ja-Parole zur kantonalen Umsetzung der Unternehmenssteuerreform beschlossen. Und sie hat einer internen Fachgruppe den Auftrag erteilt, eine Volksinitiative auszuarbeiten, welche höhere Abzüge der Krankenkassenprämien von den Steuern fordert. Die Belastungen der Prämien für Einzelpersonen und Familien seien eine enorme Last, hiess es. Kantonsrat Hans-Peter Amrein allerdings nannte das «sozialistische Politik». Zielführender sei, die Gesundheitskosten zu senken.

Nationalrat Alfred Heer konterte Amreins Votum als «blanken Unsinn». Worauf Amrein Heer «reinen Populismus» im Hinblick auf die Wahlen vorwarf. Kantonsrat Stefan Schmid nannte die Initiative eine Steuersenkung für den Mittelstand, eine Senkung des Steuerfusses werde künftig im links dominierten Kantonsrat schwierig, deshalb brauche es eine Volksinitiative.

Erstellt: 28.05.2019, 23:33 Uhr

Artikel zum Thema

Veganerblut und Rössliverbot

Analyse Topmodel und Nationalratskandidatin Tamy Glauser beschäftigt die Grünen, während sich die SVP ausnahmsweise plötzlich den Klimawandel herbeiwünscht. Mehr...

Knatsch um Mörgeli in der SVP

2015 wurde Christoph Mörgeli als Nationalrat abgehalftert. Nun will er zurück. Doch die Zürcher SVP hat ihn am Dienstagabend nur auf den 15. Platz gesetzt. Mehr...

Zürcher Kantonsrat will Klimanotstand ausrufen

Nach Basel-Stadt findet die Forderungen der Klimajugend auch im neu zusammengesetzten Zürcher Parlament eine Mehrheit. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Paid Post

Mit CallDoc clever und flexibel versichert

Lassen Sie sich rund um die Uhr medizinisch beraten – und sparen Sie dabei! Profitieren Sie vom Prämienrabatt der Grundversicherung. Jetzt Offerte anfordern.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Kampf gegen das Aussichtslose: In Kalifornien versuchen die Feuerwehrleute immer noch das Ausmass der Buschfeuer einzugrenzen. (11. Oktober 2019)
(Bild: David Swanson) Mehr...