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SVP-Doppelrücktritt aus dem Nationalrat

Natalie Rickli und Jürg Stahl verlassen die nationale Politik im Sommer gemeinsam – und verschaffen zwei anderen einen Vorteil.

SVP-Duo aus dem Bezirk Winterthur: Jürg Stahl und Natalie Rickli. Sie treten beide im Juni aus dem Nationalrat ab, ...
SVP-Duo aus dem Bezirk Winterthur: Jürg Stahl und Natalie Rickli. Sie treten beide im Juni aus dem Nationalrat ab, ...
Anthony Anex, Keystone
... weil Rickli am vergangenen Sonntag in den Zürcher Regierungsrat gewählt worden ist.
... weil Rickli am vergangenen Sonntag in den Zürcher Regierungsrat gewählt worden ist.
Dominique Meienberg
Auch für Natalie Rickli rutscht ein Zürcher Kantonsrat nach: Martin Haab, Landwirt aus Mettmenstetten.
Auch für Natalie Rickli rutscht ein Zürcher Kantonsrat nach: Martin Haab, Landwirt aus Mettmenstetten.
Fabienne Andreoli
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Die SVP Winterthur verliert gleich zwei ihrer wichtigen Figuren im Nationalrat: Natalie Rickli (42), die neu SVP-Regierungsrätin wird, und Jürg Stahl (51), der im Herbst nicht mehr zur Wiederwahl antritt.

Jürg Stahl wusste bereits vor den Regierungsratswahlen, dass er seinen Rücktritt gemeinsam mit Natalie Rickli plant, falls sie gewählt wird. Rickli ist seit Jahren seine politische Wegbegleiterin. Sie sitzen im Nationalrat nebeneinander und verlassen das nationale Politparkett nun beide am 2. Juni, am Anfang der Sommersession.

Entscheid «für Winterthur und eine Frau»

Er habe seinen Entscheid «für Winterthur und eine Frau» gefällt, sagt Stahl. Mit seinem vorzeitigen Abschied begünstigt er die frisch gewählte Kantonsrätin Therese Schläpfer (60) aus dem Bezirk Winterthur. Sie wird für Stahl nachrücken, gut vier Monate vor den Nationalratswahlen im Herbst – und hat als Bisherige deshalb später bessere Wahlchancen.

Die Hagenbucher SVP-Gemeindepräsidentin Schläpfer erlangte vor fünf Jahren nationale Bekanntheit, als sie eine eritreische Flüchtlingsfamilie in ihrem Dorf für Steuererhöhungen verantwortlich machte.

Dank der grossen Aufmerksamkeit des «Falls Hagenbuch» gelang ihr in den Nationalratswahlen 2015 ein überraschend gutes Resultat. Sie vertritt eine strikte Linie gegenüber Asylbewerberinnen, kritisiert den Umgang mit der Sozialhilfe und säte bis vor den Wahlen Zweifel am Klimawandel. Sie freue sich sehr, in den Nationalrat aufrücken zu können, sagt sie. Noch offen sei, ob sie ihr Mandat im Kantonsrat nun antreten werde oder nicht.

Verdrängungskampf angeheizt

Mit ihrem polarisierenden Auftritt bei Sachthemen ist Schläpfer in etwa das Gegenteil von Stahl. Er gilt als stiller Schaffer, seine Leidenschaft gehört dem Sport und seinem Amt als Präsident von Swiss Olympics. Sein Höhepunkt war das Jahr als Nationalratspräsident, eine Führungsrolle, zu der kaum pointierte Auftritte im Stil der SVP gehörten.

In der Partei dürften am Entscheid Stahls nicht alle Freude haben, zum Beispiel jene, die sich eine jüngere Nachfolge für Stahl wünschten und damit einen frischen Wind für die kommenden Wahlen. Therese Schläpfer gehört mit ihren 60 Jahren zu den älteren Mandatsträgerinnen. Zudem dürfte sie mit ihrer Bekanntheit und ihrem Auftreten den Verdrängungskampf in der Partei anheizen, da einige Nationalräte um ihre Wiederwahl zittern.

Rickli: «Neues Amt fordert volle Präsenz»

Auch Natalie Rickli ebnet mit ihrem Rücktritt einem Kantonsrat den Weg. Landwirt Martin Haab (57) aus Mettmenstetten wird ihr Nachfolger im Nationalrat. Für Rickli hingegen ist das kein personalpolitischer Entscheid, sondern eine natürliche Folge ihrer Wahl. Sie sagt: «Mein neues Amt fordert meine volle Präsenz.»

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