Haupttäter im Mordfall Boppelsen zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt

Der Doppelmörder Thomas K. entgeht der Verwahrung. Die Mitangeklagten erhalten wegen Gehilfenschaft 11 und 13 Jahre Freiheitsstrafe.

Die Staatsanwältin fordert für Haupttäter Thomas K. (rechts) unter anderem wegen zweifachen Mordes lebenslänglich mit anschliessender Verwahrung.

Die Staatsanwältin fordert für Haupttäter Thomas K. (rechts) unter anderem wegen zweifachen Mordes lebenslänglich mit anschliessender Verwahrung.

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Der Haupttäter im Fall Boppelsen, Thomas K., der im Frühjahr 2016 innerhalb weniger Monate zwei Menschen auf grausame Weise tötete wird zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt. Das Bezirksgericht Bülach sprach ihn am Freitagnachmittag des mehrfachen Mordes, Raubes, der versuchten Erpressung und Störung des Totenfriedens für Schuldig.

Seine 29-jährige Ehefrau wird wegen Gehilfenschaft zu Mord, mehrfachen Raubs, versuchter Erpressung zu 11 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Thomas K.s Kumpel, ein 36-jährige Garagist aus dem Kanton Solothurn, zu 13 Jahren Freiheitsstrafe.

Thomas K., leidet an keiner schweren psychischen Störung. Er ist also voll schuldfähig. Auch wenn er in einem juristischen Sinne psychisch gesund ist, hätte das Gericht eine Verwahrung anordnen können.

Am Freitagmorgen ging es vor dem Bezirksgericht Bülach deshalb um die entscheidende Frage: Ist beim zur Tatzeit 26-jährigen Thomas K. aufgrund seiner Persönlichkeit, der Tatumstände und seiner gesamten Lebensumstände ernsthaft zu erwarten, dass er erneut Gewaltverbrechen begeht? Laut Gutachten verfügt der Mann über akzentuierte narzisstische und dissoziale Persönlichkeitsmerkmale.

Rückfälle am ehesten als Vermögensdelikte

Psychiater Elmar Habermeyer sagte, dass die Tatumstände, wie Tötungsart oder Tötungsort, im Fall von Thomas K. keine Rückschlüsse auf die Rückfallgefahr zuliessen. Vielmehr seien die Lebensumstände von Bedeutung. Thomas K. habe innert kurzer Zeit, in einer belastenden Situation, die er als existenzielle Bedrohung empfunden habe, zwei Menschen getötet.

Halte er diese egozentrische und unempathische Haltung aufrecht, und ändere sich nach Entlassung aus einer langen Freiheitsstrafe nichts an den Lebensumständen, seien weitere Delikte zu erwarten - am ehesten im Bereich von Vermögensdelikten. Tötungsdelikte seien eher unwahrscheinlich. Aber «ausschliessen kann man sowieso nie etwas».

Staatsanwältin hält an Verwahrung fest

Staatsanwältin Corinne Kauf sah aufgrund der Angaben des Psychiaters keinen Grund, auf ihren Antrag auf Anordnung einer Verwahrung zu verzichten. Man müsse von einer bedenklichen Prognose und von geringen Therapiechancen ausgehen. Wenn es möglich sei, dass sich Thomas K. im Gefängnis positiv entwickle, wenn es aber auch möglich sei, dass er sich in keiner Weise ändere, bleibe nur eines übrig: Man müsse vom heutigen Zustand des Mannes ausgehen. Und dieser Zustand heisse: Keinerlei Einsicht und Reue, stark manipulatives Verhalten.

Für den Verteidiger war hingegen klar: «Das Gericht muss auf die Verwahrung verzichten». Dafür fehle «klarerweise» die Voraussetzung. Laut dem Gutachter habe Thomas K. nur ein «durchschnittliches statistisches Risiko für erneute Gewaltdelikte», das reiche nicht für eine Verwahrung.

Verwahrung wäre eine «Bankrotterklärung»

Dem Mann eine negative Prognose zu stellen, sei sehr schwierig, weil es sich bei ihm um einen psychisch nicht gestörten Ersttäter handle. Weil er mit Ausnahme der kurzen Deliktszeit von wenigen Monaten nie gewalttätig gewesen sei, lasse sich eine Prognose kaum stellen.

Thomas K. stehe vor einer langjährigen Freiheitsstrafe. Er werde danach «ein anderer, ein besserer Mensch sein, der in der Lage sein wird, anders mit belastenden Situationen umzugehen». Ihn zu verwahren, wäre eine «Bankrotterklärung unseres Strafsanktionensystems».

Vergraben und entsorgt

Der Doppelmord von Boppelsen und Utzigen/BE hatte Mitte September in der Öffentlichkeit während vier Tagen für Aufmerksamkeit – und Abscheu – gesorgt. Bloss um in den Besitz eines Lastwagens für den Weiterverkauf zu gelangen, wurde ein 36-jähriger Lastwagenbesitzer aus dem Zürcher Unterland im Juni 2016 grausam getötet.

Auf dieselbe Weise – dem Verschliessen der Atemwege mit einem wasser- und luftdichten Gewebeklebeband – hatte bereits zwei Monate vorher ein 25-jähriger Serbe sein Leben lassen müssen. In seinem Fall sollen verschwundenes Geld oder verschwundene Drogen eine Rolle gespielt haben. Während die Leiche des Serben auf dem Grundstück des Ehepaars vergraben wurde, wurde der Zürcher Lastwagenbesitzer in einem Waldstück bei Boppelsen entsorgt.

Unbestritten ist, dass Thomas K., der 29-jährige Transportunternehmer aus dem Kanton Bern, seine beiden Opfer «bei vollem Bewusstsein langsam und qualvoll» ersticken liess. Die Anklage behauptet nicht, dass seine Ehefrau und sein Kollege Markus N., ein 36-jähriger Garagist, bei der Tötung aktiv mitgewirkt haben und anwesend waren. Weil sie aber von den Tötungsabsichten gewusst hätten und damit einverstanden gewesen seien, seien sie als Mittäter zu verurteilen.

Strafen dürften feststehen

Staatsanwältin Corinne Kauf hatte im September für Thomas K. unter anderem wegen zweifachen Mordes eine lebenslängliche Freiheitsstrafe mit anschliessender Verwahrung gefordert. Wegen einfachen Mordes sollen auch seine Ehefrau und Markus N. lebenslänglich eingesperrt werden.

Die Verteidiger sahen das anders. Der Haupttäter habe die beiden Männer unter der massiven Bedrohung durch die serbische Mafia ermordet, sagte sein Verteidiger, Werner Meyer. Im Fall des Serben habe er sich in einem entschuldbaren Notstand befunden, weshalb er nicht bestraft werden könne. Im Fall des Zürcher Lastwagenbesitzers sei die Situation zwar gleich gewesen, doch sei der 30-Jährige dafür mitverantwortlich gewesen. Wegen vorsätzlicher Tötung und weiterer Delikte sei eine Strafe von zwölf Jahren angemessen.

Für die Ehefrau des Haupttäters und den Garagisten verlangten deren Verteidiger in Bezug auf den Mord je einen Freispruch. Sie seien in die Pläne des 30-Jährigen nicht eingeweiht gewesen und hätten sie auch nicht gebilligt. Im Zusammenhang mit weiteren Delikten seien sie nicht Mittäter, sondern bloss Gehilfen gewesen. Für die Frau forderte Verteidiger Titus Bosshard eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren, für den Mann beantragte Verteidiger Ivo Harb eine Strafe von drei Jahren und neun Monaten.

Erstellt: 13.12.2019, 15:50 Uhr

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