Teure Wild-Warngeräte nützen nichts mehr

Wildunfälle im Kanton Zürich nehmen wieder zu: 3800 waren es im vergangenen Jahr. Die elektronischen Warngeräte haben ihre Wirkung fast gänzlich verloren.

Die elektrischen Wildwarner versuchen, Tiere mit einem Pfeifton vom Überqueren der Strasse abzuhalten, sobald das Licht eines Scheinwerfers auf sie fällt.

Die elektrischen Wildwarner versuchen, Tiere mit einem Pfeifton vom Überqueren der Strasse abzuhalten, sobald das Licht eines Scheinwerfers auf sie fällt. Bild: Beat Marti

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Auf 400 Kilometer Strassen im Kanton Zürich wurden sie vor zehn Jahren installiert, für über eine Million Franken: kleine, an Strassenpfosten montierte Kästchen, die mit einem Pfeifton reagieren, wenn das Scheinwerferlicht von Autos auf sie fallen. Die 6000 Geräte sollen Reh, Fuchs, Dachs und Wildschwein vom Überqueren der Strasse abhalten und so Wildunfälle verhindern.

Das klappte erst gut. Auf den Versuchsstrecken gingen die Unfälle um 80 Prozent zurück. Inzwischen sind die Verantwortlichen ernüchtert. Die Tiere gewöhnten sich an den Pfeifton, seine Wirkung liess nach. Bereits fünf Jahre nach Projektstart sank die Erfolgsquote auf 20 Prozent, wie der «Landbote» schreibt. Die Erfolgskontrolle wurde 2012 beendet. Wie nützlich die Geräte heute noch sind, weiss niemand. Nur, dass die Wildunfälle wieder zunehmen: Im vergangenen Jahr waren es mit 3800 Unfällen 20 Prozent mehr als vor zwei Jahren. Urs Phillip, Chef der Fischerei- und Jagdverwaltung des Kantons Zürich, will trotzdem weiter auf die Geräte setzen. «Auch wenn sie heute vielleicht nur noch 10 Prozent der Strassenunfälle verhindern können – jeder vermiedene Unfall mit einem Wildtier ist ein Erfolg», sagt er der Zeitung.

Wildbrücken am wirksamsten

In vielen Kantonen werden die Geräte wegen ihres fraglichen Nutzens inzwischen aber gar nicht mehr gewartet. Im Kanton Aargau und in Schaffhausen setzt man auf blaue Reflektoren an den Strassenpfosten. Insbesondere Rehe lassen sich dadurch erschrecken. Beim Umweltverband Pro Natura zieht man Alternativen zum Wildwarner vor: Am effektivsten seien Querungshilfen für das Wild. «Zum Beispiel Wildtierpassagen, die es den Tieren erlauben, via eine Brücke oder einen Tunnel gefahrlos von der einen auf die andere Strassenseite zu gelangen», sagt Jan Gürke, Koordinator der Kampagne «Freie Bahn für Wildtiere».

Erstellt: 27.10.2017, 13:59 Uhr

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