Teure Wohnungen für bessere Steuerzahler

Um die Zahl seiner Sozialhilfeempfänger zu senken, soll Winterthur mehr teure Wohnungen bauen. Das empfiehlt ein Büro für sozialpolitische Studien.

Stadtpräsident Michael Künzle und seine Finanzministerin Yvonne Beutler suchten Rat in Sachen Sozialhilfekosten.

Stadtpräsident Michael Künzle und seine Finanzministerin Yvonne Beutler suchten Rat in Sachen Sozialhilfekosten. Bild: Ennio Leanza/Keystone

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In Winterthur leben überdurchschnittlich viele Sozialhilfeempfänger. Um das zu ändern, holte sich die Stadt Rat beim Büro für arbeits- und sozialpolitische Studien (BASS). Die Fachleute empfehlen, mehr teure Wohnungen zu bauen. In diesen sollen sich solvente Steuerzahler niederlassen. Dank der neuen Bevölkerungszusammensetzung könne die Stadt mehr Steuern einnehmen und den Anteil der Sozialhilfeempfänger senken.

Dass die Idee bei der Bevölkerung gut ankommt darf bezweifelt werden. Im September 2013 hatten das Winterthurer Stimmvolk den Plan verworfen, auf einem Teil des Zeughausareals teure Wohnungen zu bauen. Die Fachleute empfehlen denn auch, die Förderung von teurem Wohnraum mit dem Bau von günstigen Wohnungen zu kombinieren. So werde die Strategie eher akzeptiert.

Die anderen Vorschläge, welche die Berater für die Stadt erarbeitet haben, sind nichts Neues: Die Stadt müsse darauf hinarbeiten, dass die Soziallasten innerhalb des Kantons anders verteilt würden - was der Stadtrat ohnehin bereits fordert.

Neuer Höchstwert für Sozialkosten

Weiter empfehlen die Fachleute, dass Winterthur Angebote aufbaut, die einen Gang zum Sozialamt gar nicht erst nötig machten. Mit zusätzlichen Mitarbeitenden könne die Fallzahl pro Person reduziert werden. Dies koste zwar zunächst Geld, könne durch eine bessere Beratung und Begleitung der Sozialhilfebezüger aber dazu führen, dass ihre Zahl sinke.

Der Stadtrat liess den externen Bericht anfertigen, weil das Stadtparlament dies in einem Postulat gefordert hatte. Die Sozialkosten in Winterthur haben im Jahr 2014 einen neuen Höchstwert erreicht.

Rund 111 Millionen Franken gab die Stadt für Sozialhilfe und Zusatzleistungen aus. 8600 Haushalte mussten mindestens einmal von der Stadt unterstützt werden. Jede 20. Person erhielt Geld von der Sozialhilfe. Die Zahlen für 2015 liegen noch nicht vor.

(sda/ame)

Erstellt: 05.02.2016, 17:32 Uhr

Häuser sind 26 Millionen mehr wert

Im Rahmen des Wechsels auf das neue Rechnungslegungsmodell HRM2 hat die Stadt Winterthur ihre Liegenschaften neu bewertet. Dank der Neubewertung sind die Liegenschaften im Finanzvermögen jetzt netto 26 Millionen Franken mehr wert und stehen neu mit einem Wert von 388 Millionen Franken in den Büchern.
Anfang 2014 hatte die Stadt das allgemeine Verwaltungsvermögen aufgewertet. Anfang 2015 folgte jetzt das Finanzvermögen. Im Verwaltungsvermögen befinden sich die Liegenschaften, die zur Erbringung einer staatlichen Leistung notwendig sind, wie etwa ein Schulhaus. Dem Finanzvermögen werden Liegenschaften zugeordnet, die nicht unmittelbar einem Verwaltungszweck dienen.

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