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Tod in der Badewanne

Seit über einem Jahr sitzt ein 47-jähriger Informatiker in Untersuchungshaft. Er soll seine Ehefrau umgebracht haben – nachdem er es schon zwei Jahre zuvor versucht haben soll.

Tatort Küsnacht: In diesem Haus soll die 43-jährige Frau von ihrem Ex-Ehemann getötet worden sein. (Archivbild: Michele Limina)
Tatort Küsnacht: In diesem Haus soll die 43-jährige Frau von ihrem Ex-Ehemann getötet worden sein. (Archivbild: Michele Limina)

Der Fall ist mysteriös, aufwendig und verworren. Seit dem 7. Oktober 2016 befindet sich ein Schweizer in Untersuchungshaft. Er wird verdächtigt, im April 2014 seine 43-jährige Ehefrau umgebracht zu haben. Und nicht nur das: Schon zwei Jahre zuvor soll er versucht haben, sie in Spanien zu töten. Der Mann streitet die Taten ab. Die Untersuchungen seien sehr aufwendig und man ermittle mithilfe von Rechtshilfegesuchen in Spanien und weiteren europäischen Ländern, sagt der zuständige Staatsanwalt.

Wann das Verfahren abgeschlossen sein wird und es zur Anklage komme, hänge von den diversen Gutachten ab, welche in Auftrag gegeben worden seien. Vermutlich erst Mitte 2018.

Die von ihrem Mann geschiedene Frau war am 16. April 2014 tot in der Badewanne in ihrer Wohnung in Küsnacht aufgefunden worden. Weil die Rechtsmediziner zum Schluss kamen, die wahrscheinlichste Todesursache sei Ertrinken nach einem epileptischen Unfall in der Badewanne, wurden die Untersuchungen eingestellt.

Versicherung hatte Verdacht

Als der mittlerweile geschiedene Ehemann Ansprüche aus der Todesfall-Risikoversicherung erhob, wurde die Versicherung misstrauisch. Sie gab ein neues Gutachten beim Institut für Rechtsmedizin Aarau in Auftrag, welches auf eine Fremdeinwirkung schloss. Ein drittes Gutachten aus Österreich schloss eine Fremdeinwirkung ebenfalls nicht aus.

Aus diesem Grund übernahm im Juni 2015 die auf Gewaltdelikte spezialisierte Staatsanwaltschaft IV das Verfahren und liess den Mann verhaften. Tags darauf musste er wieder freigelassen werden, das Zwangsmassnahmengericht hatte aber ein Ausreiseverbot und eine Schriftensperre angeordnet. Rund ein Jahr später verhaftete ihn die Polizei erneut.

Der Grund für die zweite und bis jetzt andauernde Inhaftierung ist in einem Bundesgerichtsentscheid vom Dezember 2016 zu lesen: Der Mann war im Dezember 2012 mit seiner Frau und dem dreijährigen Sohn auf einer Finca in Mallorca in den Ferien gewesen. Damals hatte er die Polizei alarmiert, weil seine Frau epileptische Anfälle habe und hysterisch herumschreie. Er habe geglaubt, die Frau wolle ihm und dem Sohn etwas antun. Deshalb habe er die Frau in einem fensterlosen Raum eingesperrt und sei mit dem Sohn im Auto weggefahren. Im Auto habe er den Notruf gewählt.

Die Rettungskräfte fanden die Frau vor der Finca auf dem Boden liegen, ein Fenster im ersten Stock war offen. Die spanische Gerichtsmedizinerin kam zum Schluss, dass das Verletzungsbild an Kopf und Beinen nicht typisch für einen Sturz aus grosser Höhe sei, aber damit vereinbar. Allerdings seien die Verletzungen an den Beinen typisch für einen Verkehrsunfall. Zum Vorfall konnte die Frau nichts sagen, sie hatte eine Amnesie (Gedächtnisverlust) erlitten.

Gutachten brachte neue Erkenntnisse

Weil gegen die Version des Mannes schwerwiegende Indizien sprachen, gab die Zürcher Staatsanwaltschaft für Gewaltdelikte ein weiteres Gutachten in Auftrag. Dieses wurde von der Arbeitsgruppe für Unfallmechanik Zürich (AGU) im Mai 2016 verfasst. Nach dieser Expertise sind weder die Verletzungen noch die Endlage der Frau mit einem Fenstersturz vereinbar. Die Beinverletzungen stammen vermutlich vom Anfahren mit dem gemieteten Ford, dies auch anhand der dokumentierten Beschädigung am Auto. Die Kopfverletzungen seien eher nicht durch den Aufprall entstanden, sondern vermutlich durch einen Faustschlag.

Gestützt auf die Expertise kam das Bundesgericht im Dezember 2016 zum Schluss, dass ein Selbstunfall der Ehefrau in geistiger Verwirrung oder ein Suizidversuch praktisch ausgeschlossen werden könne. Die zweite Hypothese, dass der Mann die Frau mit der Faust ins Gesicht geschlagen, sie mit dem Mietwagen angefahren und sie nachher stundenlang liegen gelassen habe, scheine plausibel. Deshalb besteht für das Gericht dringender Tatverdacht sowie Fluchtgefahr. Vor diesem Hintergrund liege nahe, dass die Frau am 16. April 2014 nicht durch einen Unfall, sondern durch ihren Mann getötet worden sei.

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