Totales Whatsapp-Verbot an Winterthurer Schulen

Die Zentralschulpflege verbietet die Nutzung der Nachrichten-App im Schulumfeld, weil Whatsapp Daten weitergibt.

Nicht mehr zugelassen: Lehrpersonen in Winterthur dürfen nicht mehr via Whatsapp mit Eltern kommunizieren. Foto: Keystone

Nicht mehr zugelassen: Lehrpersonen in Winterthur dürfen nicht mehr via Whatsapp mit Eltern kommunizieren. Foto: Keystone

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Seit Mai des letzten Jahres dürfen Lehrerinnen und Lehrer mit ihren Klassen nicht mehr über Whatsapp kommunizieren. Dies, weil das Mindestalter der App auf 16 Jahre erhöht wurde.

Nun hat die Zentralschulpflege (ZSP) das Whatsapp-Verbot ausgeweitet. Die App ist in der Schule überhaupt nicht mehr erlaubt, weder im Kontakt der Lehrpersonen untereinander noch in der Kommunikation mit den Eltern.

Die ZSP stützte sich bei ihrem Beschluss laut ihrem Präsidenten Jürg Altwegg (Grüne) auf den Datenschutzbeauftragten des Kantons Zürich. Dieser hält fest, bei einer Whatsapp-Nutzung würden fortlaufend Kontaktdaten des Mobiltelefon-Adressbuchs an Whatsapp und Facebook übertragen. Die Daten werden in die USA weitergeleitet und dort gespeichert.

Dabei werden auch Kontaktdaten von Personen weitergeleitet, die Whatsapp nicht nutzen und die nicht in die Bekanntgabe ihrer Daten eingewilligt haben. Wollte man einen rechtmässigen Umgang mit den Daten der Betroffenen garantieren, müssten alle Personen im Adressbuch in diese Weitergabe einwilligen. Der Datenschutzbeauftragte folgert: «Die Nutzung von Whatsapp durch Lehrpersonen ist nicht rechtmässig, da es solche vollständigen Einwilligungen praktisch nicht gibt.»

Mögliche Alternativen

Im Merkblatt «Digitale Kommunikation» der Abteilung Schule und Computer wird den Lehrpersonen empfohlen, für den Austausch mit den Eltern und untereinander entweder Mail, SMS oder eine alternative Nachrichten-App wie Wire zu nutzen. Wire ist laut dem Merkblatt kostenlos und datenschutzkonform.

Wie häufig Whatsapp bisher im Kontakt mit Eltern eingesetzt wurde, ist nicht bekannt. Zumindest in einigen Schulen gab es Eltern-Chats über Whatsapp zum Informationsaustausch. Dass dies ein praktisches Instrument war, liegt auf der Hand. Rund 6,5 Millionen Schweizerinnen und Schweizer nutzen laut der Social-Media-Studie 2018 die App, Lehrkräfte erreichten auf diesem Weg also mit Abstand am meisten Eltern.

«Die neue Vorgabe ist im Interesse der Kinder.»Christian Hugi
Präsident Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband

Eine betroffene Lehrerin sagt, sie habe Whatsapp unter anderem genutzt, um Bilder von Anlässen mit den Eltern zu teilen. Nach dem Verbot habe sie auf die App Wire gewechselt und die Eltern darüber orientiert. Einige hätten die App in der Folge ebenfalls heruntergeladen. Alle erreiche man auf diesem Weg jedoch nicht.

Christian Hugi, Präsident des Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverbands, sagt, der Verband finde diese Massnahme nachvollziehbar und begrüsse sie. Sie sei ganz im Sinne des Leitfadens, den der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz zusammen mit Dachverbänden aus Österreich und Deutschland erarbeitet habe.

Hugi hält es zwar für möglich, dass die Vorgabe im ersten Moment bei einigen Eltern und Lehrpersonen zu Irritationen führt. Trotzdem sei sie richtig: «Sie ist im Interesse der Kinder – und konsequent.»

Erstellt: 30.01.2019, 11:49 Uhr

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