Uber stoppt in Zürich sein Billigstangebot

Der umstrittene Fahrdienst Uber Pop mit Amateurchauffeuren wird morgen eingestellt. Diese dürfen aber vorerst weiterfahren, unter einem irreführenden Label.

Die Auswahl an Preismodellen bei Uber Zürich reduziert sich: Die App auf einem Smartphone.

Die Auswahl an Preismodellen bei Uber Zürich reduziert sich: Die App auf einem Smartphone. Bild: Steffen Schmidt/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Fahrdienst Uber streicht in Zürich sein günstigstes Angebot Uber Pop. Der Service, der von Amateurfahrern in Privatautos angeboten wurde, wird schon morgen Donnerstag nicht mehr verfügbar sein. Das berichteten Uber-Fahrer, die heute zu einer Informationsveranstaltung in Zürich eingeladen wurden; das Unternehmen bestätigte den Schritt später per Medienmitteilung. Weiterfahren werden nur noch die Angebote Uber X mit regulären Taxis und Uber Black mit schwarzen Limousinen.

Die auf der Hand liegenden Gründe für das Ende von Pop sind das Geschäftsmodell und Konflikte mit dem Gesetz: Die Fahrer des Dienstes hätten höchstens zwei Mal pro Woche Passagiere einladen dürfen, ohne dabei einen Gewinn zu erzielen. Daran hielten sich viele Fahrer nicht und wurden entsprechend oft gebüsst. Am Flughafen etwa soll die Polizei gezielt Jagd auf jene gemacht haben, die sich nicht an die Regeln hielten. Die Smartphone-App von Uber, die den Standort jedes Fahrzeugs exakt anzeigt, macht das einfach.

Umfrage

Finden Sie den Fahrdienst Uber eine gute Sache?






Ein Sprecher von Uber Zürich sagt per Medienmitteilung, mit der Streichung von Uber Pop reagiere man auf den Wunsch der Fahrer, mit Uber «Geld verdienen zu können». Wie viele der angeblich mehr als 100’000 Uber-Kunden in Zürich das Pop-Modell nutzten, ist nicht bekannt. Auch die Zahl der Pop-Fahrer ist nicht öffentlich. Die Gesamtzahl aller Uber-Fahrzeuge in Zürich bezifferte das Unternehmen unlängst auf rund 1000.

Fahrer haben drei Monate Schonfrist

Künftig werden alle Zürcher Uber-Fahrer über eine Taxi-Lizenz verfügen – zumindest im Prinzip. Tatsächlich erlaubt das Unternehmen allen bisherigen Pop-Fahrern, vorerst unter der hochwertigeren Marke Uber X zu fahren. Auch wenn sie die Bedingungen noch nicht erfüllen. Sie bekommen drei Monate Zeit, sich darum zu kümmern und sich eine Taxi-Lizenz, eine Mitfahrerversicherung sowie einen Fahrtenschreiber zu besorgen.

Bisherige Fahrer von Uber X sind empört über dieses Übergangsfrist. Zumal Uber ihnen gegenüber angekündigt hat, auch in Zukunft allen neuen Fahrern drei Monate Zeit zu lassen für die Formalien, sofern sie bereits im Prozess für eine Taxi-Ausbildung sind. Uber begründet diese Kulanz mit dem rasanten Wachstum: Man brauche dringend mehr Leute. Die Bisherigen hingegen befürchten, damit werde die Marke beschädigt. Kunden, die ein Uber-X-Auto bestellen, könnten nicht wie bisher darauf zählen, die erwartete Qualität zu erhalten.

Für die Kritiker nur ein Zwischenschritt

Den Gewerkschaften und Taxi-Verbänden waren die Amateurchauffeure von Uber Pop schon immer ein Dorn im Auge, was bisweilen zu Handgreiflichkeiten führte. Für die Kritiker ist die Einstellung in Zürich ein Teilsieg. Zuvor hat schon der Kanton Genf das Angebot verbieten lassen. Weiterhin verfügbar ist Uber Pop in Basel und Lausanne.

Die Gewerkschaft Unia reagiert auf den Zürcher Entscheid mit den Worten, es sei unverständlich, dass Uber sein «gescheitertes und gesetzeswidriges Modell» mit Amateurfahrern in anderen Städten weiterbetreibe. Die Einstellung in Zürich komme einem Eingeständnis gleich, dass Uber während Jahren systematisch den illegalen Personentransport ermöglicht und gefördert habe. Von Uber gibt es bislang keine Erklärung dafür, warum es Pop-Fahrern in Basel und Lausanne offenbar weniger wichtig ist als in Zürich, mit Uber «Geld verdienen zu können».

Die Unia weist weiter auf den ungelösten übergeordneten Konflikt um das Geschäftsmodell von Uber hin, der auch die Marke Uber X betrifft. Indem der US-Konzern die Fahrer trotz anderslautender Behördenentscheide als selbstständige Unternehmer bezeichne, vermeide er es, für seine Angestellten Sozialversicherungsbeiträge zu zahlen und Mehrwertsteuer zu entrichten. Die Unia spricht von «Scheinselbstständigkeit». Uber müsse seine Pflichten als Arbeitgeber endlich wahrnehmen.

(20 Min/TA/hub)

Erstellt: 09.08.2017, 14:08 Uhr

Artikel zum Thema

Wie viel verdient ein Uber-Fahrer wirklich?

Berechnungen zeigen: Reich werden die Chauffeure mit dem Fahrdienstanbieter nicht. Auch, weil sie ihre Sozialabgaben selber zahlen. Mehr...

Über 500 Anzeigen gegen Uber-Chauffeure

Die Polizei erwischt immer häufiger UberPop-Fahrer ohne Bewilligung. Wer sie deckt, macht sich strafbar. Mehr...

Uber Schweiz schiesst mit Gutachten ein Eigentor

Der US-Fahrdienst hat eine Expertise zur arbeitsrechtlichen Stellung der Schweizer Fahrer in Auftrag gegeben. Sie fällt nicht durchwegs im Sinn des Unternehmens aus. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Paid Post

Ausstellungseröffnung: «Schatten»!

Mit einer Auswahl von fast 140 Werken zeigt die Ausstellung «Schatten» in der Hermitage 500 Jahre Kunstgeschichte.

Kommentare

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Die Welt in Bildern

Farbenspiel: Hibiskusblüten spiegeln sich auf einer nassen Fensterscheibe bei Frankfurt am Main. (14. Juli 2019)
(Bild: Frank Rumpenhorst) Mehr...