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Knall in Boppelsen

In der Furttaler Gemeinde gibt es Zoff wegen der Rotmilane. Nun gipfelt der Streit in einem Abschuss.

Seit Jahren schon herrscht im Hofwiesenquartier in Boppelsen, am Fusse der Lägern, dicke Luft wegen der Rotmilane. Der Grund: Die 77-jährige Marion Grüter füttert diese Greifvögel regelmässig mit Pouletflügeli.

Nun hat am 14. Juni ein Unbekannter in der Nachbarschaft einen geschützten Rotmilan angeschossen. Ein Hausbesitzer hat den Vogel in seinem Garten entdeckt. Dieser wurde zur Greifvogelstation Berg am Irchel gebracht. Weil dort dem verletzten Milan nicht geholfen werden konnte, überführte man ihn ins Tierspital, wo die Mediziner ihn aber einschläfern mussten. Die Kantonspolizei bestätigt entsprechende Informationen, welche Redaktion Tamedia zugetragen wurden. Die Ermittlungen laufen, der Schütze konnte noch nicht eruiert werden.

Frau füttert ihre «Schätzeli»

Der Streit um die Milanfütterung dauert schon etliche Jahre. Die 77-jährige Rentnerin gibt ihren «Schätzeli», so nennt sie die Greifvögel, regelmässig Pouletflügeli, manchmal auch leicht gebratene Schweinskoteletts. «Die Vögel sitzen sogar auf meinem Kopf ab», verrät sie nicht ohne Stolz. Und wenn die Milane in der Nachbargemeinde Buchs entdecken, dass sie aus der Migros kommt und zur Bushaltestelle geht, «dann begrüssen sie mich aus der Luft mit Geschrei und warten aufs Fressen».

Im Hofwiesenquartier teilt man die Begeisterung der Rentnerin für Greifvögel nicht. So hat Marion Grüter in ihrem Briefkasten schon etliche Male einen toten Fisch gefunden oder Pouletbeine. Die Nachbarn ärgern sich darüber, dass die Vögel auf Hausdächer und Wintergärten koten und mit ihrem wiehernden Trillern einen grossen Lärm verursachen, wenn es Futter gibt. Man habe der Frau schon unzählige Male vom Füttern abgeraten – vergeblich, sagt ein Nachbar, der nicht namentlich genannt werden will.

Mit Knallpetarden gegen Milane

Anfang Juni trafen sich einige Nachbarn zu einer Sitzung. Dabei beschlossen sie, die Milane mit Knallpatronen zu verjagen. In einem in der Umgebung verteilten Brief heisst es: «Wir möchten Sie vorwarnen, dass wir am 5. und 6. Juni Tests vornehmen werden, um die Wirkung der Knallpatronen zu eruieren. Sollten die Tests erfolgreich sein, werden wir ab dem 22. Juni regelmässig Knallpatronen abschiessen, um die Milane aus unserer Nachbarschaft zu vertreiben.»

Betont wird im Schreiben, dass der Signalstift keine Schusswaffe sei und dass man keine Kugeln verwenden werde. Der Verfasser des Briefs ist überrascht, als er von Redaktion Tamedia hört, dass auf einen Vogel geschossen wurde: «Damit haben wir nichts zu tun.» Er habe nur zweimal Knallpetarden losgelassen und dabei nicht auf die Vögel gezielt.

Abschuss «absolut das Letzte»

Beim Naturschutzverein Boppelsen kann man die Aufregung in der Nachbarschaft nicht verstehen. Das Füttern der Milane im Sommer sei zwar völlig sinnlos und unnötig, sagt Vizepräsidentin Susanne Ochsner. Dass die Tiere aber zu viel Lärm und Schmutz verursachen würden, sei übertrieben. Dass ein Rotmilan abgeschossen wurde, sei «absolut das Letzte», wie Ochsner entrüstet sagt. Sie hofft, dass die Polizei den Schützen findet und dass er bestraft wird.

Inzwischen herrscht zur Freude der Nachbarn Ruhe im Hofwiesenquartier. Vermutlich weniger wegen der beiden Knallpatronenschüsse, sondern weil die Rentnerin kaum mehr füttert, wie sie selber sagt. Und wenn, dann nur noch nachts. Vermutlich fressen dann Füchse oder Katzen die im Garten hingelegten Nahrungsmittelreste.

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