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Winterthurer Finanzvorsteherin tritt überraschend zurück

Yvonne Beutler (SP) zieht es in die Privatwirtschaft. Die 46-Jährige gibt im Oktober ihr Amt ab – nur eineinhalb Jahre nach der Wiederwahl.

Yvonne Beutler (SP) geht: Die Finanzvorsteherin sucht eine neue berufliche Herausforderung.
Yvonne Beutler (SP) geht: Die Finanzvorsteherin sucht eine neue berufliche Herausforderung.
Marc Dahinden

Ein Angebot aus der Privatwirtschaft lockt Yvonne Beutler (SP) aus der Winterthurer Stadtregierung. Die 46-Jährige ist seit fast sieben Jahren im Stadtrat und will nun eine neue berufliche Herausforderung bei der Consultingfirma Res Publica annehmen. Im Oktober will sie zurücktreten.

Ihr Studium an der Hochschule St. Gallen (HSG) sei zudem ein wichtiger Faktor gewesen, der zu ihrem Entschluss geführt habe, sagte Beutler an der Medienkonferenz. Das Studium habe ihr vor Augen geführt, dass es noch viele Möglichkeiten ausserhalb der Winterthurer Stadtregierung gebe. Sie wollte etwas «frische Luft von einem zunehmend konfrontativen Politklima». Sie freue sich aber, dass sie in ihrer Amtszeit vieles erreichen konnte.

Sie schaue auf eine reichhaltige Zeit in der Politik zurück, sagte Beutler. Den Ort für ihre Rücktrittserklärung habe sie bewusst ausgesucht, es sollte ein symbolträchtiger Ort sein, und das sei der Winterthurer Stadtratssaal. Schliesslich habe sie hier am meisten gewirkt.

Die Zeit als Stadträtin habe sie geprägt. Wenn sie an die ersten Tage zurückdenke, frage sie sich manchmal, wie sie das durchgestanden habe, sagte Beutler. Es seien lange Tage und kurze Nächte gewesen. Ihre Vorgängerin sagte, die Finanzen seien im Lot, sie musste dann aber feststellen, dass es ein grosses Problem gab: Das Defizit wuchs auf jährlich 67 Millionen Franken an. «Ich hüte mich, davor zu sagen, dass die Stadt finanziell über den Berg ist, aber wir konnten sanieren, wir haben unsere Hausaufgaben gemacht», sagte Beutler. Vor wenigen Tagen präsentierte Winterthur seine Rechnung: 2018 schloss die Stadt mit einem Plus von 37 Millionen Franken ab. Budgetiert war ein Plus von 15,9 Millionen.

Schuldenbremse nicht verhindert

Einer der emotionalsten Momente für Beutler sei die Abstimmung über die Unternehmenssteuerreform III gewesen, als die Stimmbevölkerung mit circa 70 Prozent die USR III abgelehnt hat. «Das hat mich sehr berührt.» Denn Beutler hat zusammen mit ihrem Pendant aus der Stadt Zürich, Finanzvorsteher Daniel Leupi (Grüne), die Vorlage bekämpft.

Beutler versuchte während der Medienkonferenz, ihre Stimme zu beherrschen. Sie sprach viel, wollte nicht, dass ihre Stimme bricht. Sie wirkte beinahe atemlos, als sie von ihren Errungenschaften berichtete. Dann, nach rund 20 Minuten, brachen erstmals die Emotionen heraus. Sie bedankte sich bei ihrer Familie: «Mein Mami hat mich immer sehr unterstützt», sagte sie und war sichtlich gerührt. Der Dank an ihren Mann und Sohn gingen unter. «Es ist ein Privileg, Stadträtin zu sein.»

Die Stadträtin gab sich auch selbstkritisch. Alles sei ihr nicht gelungen, sagte sie. So habe sie die Schuldenbremse nicht verhindern können, sie hätte sich gewünscht, dass das Parlament mutiger gewesen wäre. So viel sei sicher: Der Nachfolgerin oder dem Nachfolger werde es bestimmt nicht langweilig.

Bestes Resultat bei Wahlen

Beutler wollte bis nach den Kantonsratswahlen warten, um ihren Entscheid zu kommunizieren. Der Rücktritt, beteuerte die Stadträtin, habe nichts mit der Beziehung zu ihrer Partei zu tun. Auch die Niederlage im Kampf ums Stadtpräsidium bei den vergangenen Wahlen seien nicht ausschlaggebend gewesen.

Nur ein Jahr nach den Wahlen ist Beutlers Rücktritt eine Überraschung. Erst im Frühling 2018 stellten sich alle sieben bisherigen Stadträtinnen und Stadträte zur Wiederwahl: Stadtpräsident Michael Künzle (CVP), Finanzvorsteherin Yvonne Beutler (SP), Sozialvorsteher Nicolas Galladé, Polizeivorsteherin Barbara Günthard-Maier (FDP), der heutige Werkvorsteher Stefan Fritischi (FDP), der heutige Schulvorsteher Jürg Altwegg (Grüne) und der ehemalige Bauvorsteher Josef Lisibach (SVP). Beutler erzielte damals das beste Resultat.

Für die Winterthurer SP sei Beutlers Entscheid überraschend gekommen, sagt Vizepräsidentin Maria Sorgo. Sie bedaure den Entscheid sehr und bedanke sich bei Yvonne Beutler für ihr Engagement. Winterthur verliere eine ausgewiesene, kompetente Politikerin. Wer für die Sozialdemokraten Beutlers Sitz verteidigen soll, ist noch unklar. Mögliche Kandidatinnen und Kandidaten gebe es genügend. Sicher sei, dass die SP einen Kandidierenden ins Rennen schicken werde, um die links-grüne Mehrheit im Winterthurer Stadtrat zu verteidigen.

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