Licht aus auf dem Uetliberg: Der Turm darf nicht mehr leuchten

Nach langem Streit ist jetzt klar, was Giusep Fry auf dem Uto Kulm tun und lassen darf. Weder der Hotelier noch die Uetliberg-Schützer sind zufrieden. Ein Rekurs liegt in der Luft.

Leuchtverbot: Auf Anraten der Naturschutzkommission des Bundes hat der Kanton die Beleuchtung von Aussichtsturm und Hotel-Restaurant aus dem Gestaltungsplan gestrichen.

Leuchtverbot: Auf Anraten der Naturschutzkommission des Bundes hat der Kanton die Beleuchtung von Aussichtsturm und Hotel-Restaurant aus dem Gestaltungsplan gestrichen. Bild: Gaetan Bally/Keystone

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Ist es das Ende des zwölfjährigen Streits mit unzähligen Gerichtsentscheiden zur Nutzung des Zürcher Hausbergs? So zumindest sieht es der Kanton. «Die Baudirektion ist überzeugt, dass der Gestaltungsplan ausgewogen ist und den verschiedenen Interessen gerecht wird», heisst es in einer Mitteilung von heute Freitag.

Nach der letzten Auflage vor einem Jahr, welche zu 27 Einwendungen führte, und einer Überarbeitung hat die Baudirektion von Markus Kägi (SVP) nun den definitiven Gestaltungsplan erlassen. Zudem wurde der Nutzungsvertrag mit Uto-Kulm-Hotelier Giusep Fry unterzeichnet.

Kiosk bleibt möglich

Im Streit zwischen dem Verein Pro Uetliberg und dem Kanton sowie Kulm-Chef Fry ging es vornehmlich um Bauten auf dem Vorplatz, die Anzahl zulässiger Autofahrten zwischen SZU-Station und Hotel, die Zugänglichkeit für die Ausflügler, die Beleuchtung und den Lärm – Stichwort Eventitis. Fry hat schon einige Bauten wie die Terrasse oder einen Kiosk rückbauen müssen.

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Gemäss Baudirektion sind die Auswirkungen auf das Gebiet, das im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) verzeichnet ist, «minimiert» und gleichzeitig die Interessen des privaten Grundeigentümers Fry gewahrt worden. Auf den Terrassen sind keine bleibenden Bauten erlaubt, ein Kiosk auf maximal 6 mal 6 Metern Fläche und 4 Metern Höhe beim Aussichtsturm oder an der Hausecke bei der Bellezza-Terrasse ist aber zulässig. Die Grösse entspricht in etwa dem Gebäude, das aufgrund eines Gerichtsentscheids hatte rückgebaut werden müssen. Im Nutzungsvertrag ist zudem geregelt, dass sich der Kiosk den Bedürfnissen der Wanderer und Ausflüglern anpassen muss. «Es darf keinen Luxuskiosk geben», präzisiert Kantonsplaner Wilhelm Natrup auf Anfrage.

Bei der Beleuchtung zurückbuchstabiert

Helikopterflüge sind – so stand es bereits im Entwurf – nicht mehr möglich. Früher waren zwölf Flüge im Jahr zulässig.

Die einzige wesentliche Änderung gegenüber dem Planentwurf von Ende 2015 betrifft die Beleuchtung. Die Baudirektion hat bei der Natur- und Heimatschutzkommission des Bundes ein Gutachten erstellen lassen und die Konsequenzen aus dem Befund gezogen, dass Insekten und Vögel gefährdet würden: Die Beleuchtungsmöglichkeiten werden eingeschränkt. Fassadenbeleuchtungen und andere «inszenierende Beleuchtungselemente» wie das Anleuchten des Aussichtsturms oder von Bäumen sind nicht mehr gestattet. Der Kulm wird also nachts in Zürich nicht mehr zu sehen sein. Einzig Lichtanlagen, die der Sicherheit dienen, sind noch erlaubt.

Busse von über 10'000 Franken angedroht

Das Kontingent von 4000 Autofahrten wiederum wurde beibehalten, wobei eine Hin- und Rückfahrt als eine Fahrt gilt und Fahrten mit dem Elektromobil nicht angerechnet werden. Die Fahrtenzahl wird kontrolliert. Werden die 4000 Fahrten überschritten, droht eine Busse von 10'000 Franken plus eine weitere, progressive Sanktion. Im ersten Jahr beträgt sie 10 Franken pro Fahrt, im zweiten Jahr 15, im dritten 20 Franken und so weiter.

Video – Tausendsassa Giusep Fry eckt immer wieder an, hier ging es 2015 ums Drehkreuz am Üetliberg-Turm:

Weiter wird die heute öffentlich zugängliche Fläche gesichert. Hotelier Fry muss auch den Aussichtsturm und die WC-Anlage fürs Publikum offenhalten, darf aber die Öffnungszeiten aufs Restaurant abstimmen und auch eine Gebühr verlangen. Derzeit kostet eine Turmbesteigung 2 Franken und ein Toilettengang 1 Franken. Für Hotel- und Restaurantgäste bleibts gratis. Auf die Einwendung der Stadt Zürich, die den Unterhalt des Turms sicherstellen wollte, ging die Baudirektion nicht ein. Das sei bereits im Planungs- und Baugesetz geregelt.

Oktoberfest und Hochzeiten bleiben möglich

Auf den Aussenflächen weiterhin möglich bleiben temporäre Nutzungen. Erlaubt werden pro Jahr vier grössere Anlässe à drei Wochen wie etwa ein Oktoberfest. Zusätzlich können auf den Terrassen jährlich zwei grosse Hochzeits- oder Geburtstagsfeste mit Zeltbauten oder Holzhütten veranstaltet werden.

Der Plan liegt ab heute 30 Tage lang auf und kann beim Baurekursgericht angefochten werden. Falls dies nicht geschieht, tritt er im Februar in Kraft.

Fry: «Nicht glücklich»

Giusep Fry ist «nicht glücklich» mit dem Gestaltungsplan, lässt er von seinem Sprecher Benjamin Styger ausrichten. Der Hotelier fühlt sich in seinen Eigentumsrechten allzu sehr eingeschränkt. So schmerze etwa das Beleuchtungsverbot. Der ursprüngliche Gestaltungsplan von 2012 hätte der Kulm-Crew mehr zugesagt, so Styger. So wären mehr Events und mehr Autofahrten möglich gewesen. Auch der inzwischen abgebaute Wintergarten auf der Bellezza-Terrasse war noch drin.

Giusep Fry hat den Nutzungsvertrag dennoch unterschrieben und wird nicht gegen den Gestaltungsplan rekurrieren. «Wir hoffen nun auf Planungssicherheit», sagt Styger.

«Zu viele zu laute Events»

Widerstand ist allerdings wahrscheinlich. Nach einer ersten Sichtung ist Pro-Uetliberg-Chefin Margrith Gysel alarmiert. Für den Verein wichtige Einwendungen seien nicht berücksichtigt worden. So sei das Fahrtenkonzept unverändert geblieben. Auch die zulässigen Lärmwerte seien nicht wie verlangt gesenkt worden, kritisiert Gysel. Auch seien nach wie vor zu viele zu laute Events erlaubt. Unklar ist ihrer Meinung auch, ob Gastronom Fry den öffentlich zugänglichen Bereich für seine Events absperren darf oder nicht. Ein grosses Fragezeichen setzt Gysel zudem hinter der Kontrolle und der Durchsetzung von Anordungen.

Trotz aller Kritik hat Gysel aber auch ein dickes Lob übrig für die Baudirektion. So gefällt ihr das neue Lichtkonzept ausserordentlich. «Wir werden wenn nötig rekurrieren», sagt Gysel. Der Entscheid falle aber erst nächste Woche, nachdem sie den 66-seitigen Gestaltungsplan gründlich studiert habe.

Erstellt: 13.01.2017, 10:53 Uhr

Kaum war letzte Woche der erste Schnee in Zürich gefallen, strömten Jung und Alt in Scharen mit Schlitten, zu Fuss oder gar mit den Skis auf den Üetliberg.

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