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Und dann eskalierte der Streit mit der SBB-Angestellten

Sie sagt: Er habe sie bei der Kontrolle getreten. Er sagt: Sie habe ihn mit Fäusten geschlagen. Die Richterin sagt: «Schwierig».

Am Weihnachtstag stritten sich eine SBB-Angestellte und ein Passagier heftig im Zug: Das Bezirksgericht Zürich sprach den Mann frei. Symbolbild: Thomas Egli
Am Weihnachtstag stritten sich eine SBB-Angestellte und ein Passagier heftig im Zug: Das Bezirksgericht Zürich sprach den Mann frei. Symbolbild: Thomas Egli

Wenn sich Täter und Opfer vor Gericht wiedersehen, haben sie oft schon mehrere Einvernahmen bei der Polizei und der Staatsanwaltschaft hinter sich. Deshalb beginnen Befragungen vor Gericht gerne mit der Frage: «Haben Sie bisher die Wahrheit gesagt?»

Im diesem Fall haben sowohl der 57-jährige Fahrgast wie auch die 44-jährige SBB-Reisebegleiterin die Frage vor dem Bezirksgericht Zürich mit Ja beantwortet. Bloss: Was die eine Partei dem Gericht erzählte, war das jeweils pure Gegenteil der Erzählung der Gegenpartei. Angeklagt sind beide: der eine wegen Beschimpfung sowie Gewalt und Drohung gegen Beamte. Die andere wegen Beschimpfung und mehrfacher Tätlichkeiten.

Rechnung statt Billett

Zugetragen hat sich das Ganze am Weihnachtstag vor drei Jahren in einem Zug von Zürich Richtung Innerschweiz. Bei der Fahrausweiskontrolle verlangte die Frau vom Mann das Ticket. Vor ihm auf der Ablage lag das offene Portemonnaie, in dessen Sichtfenster der Swiss Pass lag. Der Mann gab ihr weder das Portemonnaie noch den Pass, die Frau nahm sich weder das Portemonnaie noch den Pass.

Schliesslich reichte er der SBB-Mitarbeiterin die Kopie einer Rechnung, die belegen sollte, dass er über ein gültiges General-Abo verfügte. Die Frau nahm das Papier, drehte sich zum anderen Abteil um und wollte mit dem Handy von der Rechnung ein Foto machen.

Ungefähr so weit stimmen die Aussagen der Beteiligten, ganz grob betrachtet, überein.

Aussage gegen Aussage

Die Frau sagte, der Mann sei aufgestanden, habe sie an der Schulter gepackt und ihr den Zettel entrissen. Gleichzeitig habe er sie eine «dumme Kuh» genannt und ihr mindestens achtmal mit dem Fuss gegen das linke Schienbein getreten. Was der Mann behaupte, stimme nicht.

Der Mann sagte, er habe den Zettel an sich genommen, worauf die Frau etwa zwanzigmal mit beiden Fäusten gegen seine Oberarme geschlagen habe. Gleichzeitig habe sie mit dem Fuss mindestens zehnmal gegen sein linkes Schienbein getreten und ihn als «linggi Sau» beschimpft. Was die Frau behaupte, stimme nicht.

«Es ist schwierig, nachzuvollziehen, was wirklich geschah», urteilte die Richterin. Aussage gegen Aussage, keine brauchbaren Zeugen und eine etwa ähnliche Glaubwürdigkeit. Da blieb der Richterin nichts anders übrig, als die beiden nach dem Grundsatz «Im Zweifel für den Angeklagten» freizusprechen. Die entstandenen Kosten gehen auf die Gerichtskasse, das heisst auf den Steuerzahler.

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