Theater Kanton Zürich treibt Keil zwischen die Sozialdemokraten

Die kantonal geförderte Wanderbühne soll mehr Geld bekommen. Doch es gibt Widerstand von unerwarteter Seite.

Das Theater Kanton Zürich (im Bild: «Der Revisor») soll künftig 300'000 Franken mehr erhalten. Foto: Tanja Dorendorf (T + T Fotografie)

Das Theater Kanton Zürich (im Bild: «Der Revisor») soll künftig 300'000 Franken mehr erhalten. Foto: Tanja Dorendorf (T + T Fotografie)

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Eine grosszügige Kulturpolitik ist eines der wichtigsten Anliegen der Zürcher SP. Darum hat die Partei dieses Jahr auch ein 16-seitiges Konzept verabschiedet, welches die Grundsätze sozialdemokratischer Kulturpolitik festlegt. Einer davon lautet: «Möglichst viel Geld muss direkt in Projekte von Kulturschaffenden fliessen.»

Nun folgt im Kantonsrat erstmals die Nagelprobe für die SP. Anlass ist der neue Kredit für das Theater Kanton Zürich (TKZ). Der Regierungsrat und die kantonsrätliche Bildungskommission wollen der genossenschaftlich getragenen Wanderbühne bis 2024 einen jährlichen Betriebsbeitrag von 2,3 Millionen Franken gewähren, was 300'000 Franken mehr ist als bisher.

Doch diese Aufstockung hat einen Pferdefuss. Denn gleichzeitig wird der Regierungsrat der Fachstelle für Kultur den Jahresbeitrag um 300'000 Franken kürzen, um die Totalausgaben für die Kultur ausgeglichen zu halten. Betroffen von der Kürzung sind ausgerechnet freischaffende Kulturschaffende, welche die SP gemäss ihrem Kulturpapier besonders fördern möchte.

Kritik an Jacqueline Fehr

In diesem Dilemma verlangt nun die SP mit anderen Linken zusammen eine Aufstockung des jährlichen Kredits fürs Theater Kanton Zürich um 500'000 Franken, was auch den Wünschen des Theaters entspricht. Dass das Geld für die freie Kulturszene gekürzt wird, wollen die Sozialdemokraten schlucken, auch wenn sie es als «Sündenfall» bezeichnen.

Doch einer ist überhaupt nicht einverstanden, dass die SP einen Sündenfall akzeptieren will: Der Stadtzürcher Kantonsrat Andrew Katumba: «Es kann nicht sein, dass wir unsere eigene Kulturpolitik torpedieren», sagt er. Katumba hätte eigentlich erwartet, dass die zuständige SP-Regierungsrätin Jacqueline Fehr die Vorlage zurückzieht, um die Kürzung bei der Fachstelle für Kultur zu verhindern.

Er kritisiert deswegen aber nicht nur die eigene Regierungsrätin scharf, sondern vor allem seine Kantonsratskollegen, die mit ihrem 500'000-Franken-Antrag auch noch eine höhere Kürzung für die freien Kulturschaffenden riskieren. Er wird deswegen bei der Abstimmung im Kantonsrat «Farbe bekennen» und die Aufstockung des TKZ-Kredits ablehnen – nicht weil er etwas gegen die traditionsreiche Bühne habe, sondern weil er zu den SP-Grundsätzen stehe. «Wir brauchen eine echte Aufstockung der Kulturmittel und keine weitere Umverteilung. Wenn wir zu diesem Kuhhandel Ja sagen, ist unser Kulturpapier das Papier nicht wert», wettert Katumba.

Kein Gegenantrag von Katumba

Diese Kritik will SP-Kantonsrat Fabian Molina (Illnau-Effretikon) so nicht gelten lassen. Man habe intern lange diskutiert und auch juristische Schritte gegen die Regierung in Erwägung gezogen, da diese Verknüpfung wirklich störend sei. Doch in der Gesamtabwägung habe man darauf verzichtet und sich für eine Erhöhung des Kredits ausgesprochen. Über Katumbas Nein zum TKZ-Kredit zeigt sich Molina erstaunt, denn in der Fraktion habe er keinen Ablehnungsantrag gestellt. Wenn er jetzt trotzdem Nein stimmen wolle, sei das aber sein gutes Recht, sagt Molina.

SP-Co-Präsident und Kantonsrat Andreas Daurù aus Winterthur findet es schade, wenn Kulturschaffende gegeneinander ausgespielt werden. Trotzdem unterstützt er die Aufstockung des TKZKredits, weil dieses Theater vor allem für die Randregionen wichtig sei. «Diese Bühne trägt ihr Kulturangebot in Gegenden, die kein Stadttheater oder Opernhaus vor der Türe haben.»

Auf die Kürzung verzichten

Der Präsident der kantonsrätlichen Bildungskommission, SP-Kantonsrat Moritz Spillmann, ist sich mit Katumba einig: Die Verknüpfung der TKZ–Kreditvorlage mit den Ausgaben für die freie Kulturszene sei «unsinnig». Der Staatshaushalt des Kantons werde im Übrigen auch nicht entlastet, wenn man der Fachstelle für Kultur Geld streiche. Denn die werde seit kurzem ausschliesslich aus Lotteriegeldern finanziert.

Dennoch wird Spillmann Ja stimmen zum TKZ-Kredit: «Wir sollten zwischen den Kulturbereichen keinen Zwist säen.» Zudem relativiert er die Kürzung von 300'000 Franken. Bei einem Etat von 23 Millionen Franken falle das nicht sehr ins Gewicht. Gleichwohl kündigt er im Kantonsrat einen Vorstoss an, mit dem die Regierung aufgefordert werden soll, auf diese Kürzung zu verzichten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.10.2017, 09:33 Uhr

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