«Unfähig und unwürdig»: Pfarrerin muss Fällanden verlassen

Nach jahrelangem Streit hat der Kirchenrat die Pfarrerin von Fällanden abberufen. Sie sei nicht fähig, das Pfarramt zu führen.

Die reformierte Kirche in Fällanden kam jahrelang nicht zur Ruhe. Foto: Reto Oeschger

Die reformierte Kirche in Fällanden kam jahrelang nicht zur Ruhe. Foto: Reto Oeschger

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Es soll ein Schlussstrich sein unter einen Streit, der in der reformierten Zürcher Landeskirche seinesgleichen sucht. Der Kirchenrat hat nach Abschluss einer drei Jahre dauernden Administrativuntersuchung entschieden, die Fällander Pfarrerin abzuberufen. Sie habe sich aufgrund ihres Verhaltens zur Führung des Pfarramtes als «unfähig» und «unwürdig» erwiesen.

Die Administrativuntersuchung wurde nach einem Streit der Pfarrerin mit einer Arbeitskollegin und mit der Kirchenpflege vor drei Jahren eingeleitet. Seither war die Frau im Amt eingestellt. Gemäss Angaben von Nicolas Mori, Sprecher der reformierten Kirche, wird sie ihren Lohn noch bis Ende Monat erhalten. Aus der Pfarrwohnung muss sie bis Ende März 2020 ausziehen.

Wie der Kirchenrat weiter mitteilt, haben sämtliche Gespräche mit der Pfarrerin zu keiner einvernehmlichen Lösung geführt. Sie hatte auch mehrere Strafverfahren eingeleitet, die unterdessen als unbegründet eingestellt worden sind.

Drohbriefe und Anzeigen

Eine weitere Administrativuntersuchung gegen die Kirchenpflege und den damaligen Kirchenpflegepräsidenten Huldrych Thomann ist bereits im Oktober 2018 mit Empfehlungen abgeschlossen worden. Thomann ist inzwischen wiedergewählt und wieder ins Amt eingesetzt worden.

Eskaliert war der Streit in der Kirchgemeinde Fällanden Anfang 2016, nachdem die Kirchenpflege die zweite Pfarrerin eingestellt hatte und sich die beiden Amtsinhaberinnen nicht auf eine Arbeitsteilung einigen konnten. Darauf verlangte die Kirchenpflege eine Protokollierung der Arbeitszeit, was die nun abgesetzte Pfarrerin nicht tun wollte.

Nachdem der Kirchenpflegepräsident den Streit im Kirchenblatt öffentlich gemacht hatte, wurde die ganze Gemeinde von dem Kirchenstreit erfasst. Die langjährige Pfarrerin erhielt wüste anonyme Drohbriefe, worauf sie Strafanzeige gegen unbekannt und gegen ihre Amtskollegin einreichte.

«Die Stundenansätze des Sachwalters von Fällanden waren entschieden zu hoch.»Bruno Kleeb, Präsident der Geschäftsprüfungskommission

Schliesslich wurde sie krankgeschrieben und später im Amt eingestellt. Seiner Aufgabe enthoben wurde vorübergehend auch Kirchenpflegepräsident Huldrych Thomann wegen seines resoluten Führungsstils.

Der Kirchenrat setzte darauf einen Stellvertreter ein, der nach kurzer Zeit ebenfalls in der Kritik stand – wegen der sehr hohen Honorare, die er stellte. Für seinen 40-Prozent-Job hatte er allein im Jahr 2017 rund 220’000 Franken verlangt.

Dieses Engagement sorgte in der Kirchensynode bei der Verabschiedung der Jahresrechnung noch in diesem Sommer für Missmut. «Die Stundenansätze des Sachwalters von Fällanden waren entschieden zu hoch», sagte Bruno Kleeb, der Präsident der Geschäftsprüfungskommission.

Erstellt: 09.10.2019, 12:26 Uhr

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