Uni-Rektor Hengartner geht zur ETH

Überraschender Wechsel in der Hochschullandschaft: Der Zürcher Wurmforscher Michael Hengartner wechselt die Front und wird Präsident des ETH-Rats.

Michael Hengartner präsidiert ab februar 2020 den ETH-Rat.

Michael Hengartner präsidiert ab februar 2020 den ETH-Rat. Bild: Urs Jaudas

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Der Bundesrat hat heute Mittwoch Michael Hengartner zum neuen Präsidenten des ETH-Rats gewählt. Der 53-Jährige, seit 2014 Rektor der Universität Zürich, hatte sich um das Amt beworben und sich gegen 28 Mitbewerber durchgesetzt. Auf Antrag von Bildungsminister Guy Parmelin hat sich der Bundesrat heute Mittwoch für ihn entschieden. Hengartner wird sein neues Amt am 1. Februar 2020 antreten.

Der ETH-Rat übt die strategische Führung über den gesamten ETH-Bereich aus, stand in dieser Rolle zuletzt aber in der Kritik. Gemäss der Eidgenössische Finanzkontrolle war er nicht unabhängig genug, um seine Aufsichtsfunktion optimal wahrzunehmen. So wurden zum Beispiel die Kosten bei einem Umbau an der ETH Lausanne um 24 Millionen Franken überzogen. Die Finanzkontrolle führte dies unter anderem darauf zurück, dass die Präsidenten der ETH Lausanne und der ETH Zürich im Rat mitbestimmen. Diese Mitsprache will der Bundesrat beschränken, eine entsprechende Gesetzesrevision ist im Gang.

Besserer Kommunikator

Von Hengartner wird erwartet, besser dafür zu sorgen, dass die finanziellen Mittel effizient eingesetzt werden, wie er selbst nach Bekanntgabe seiner Wahl sagte. Zudem erhofft sich Bundesrat Parmelin vom umgänglichen Noch-Uni-Rektor, dass er die Kommunikation gegen aussen und gegen innen verbessert. Dass Hengartner in diesem Bereich eine Stärke hat, bewies er in Zürich unter anderem in zahllosen Gesprächen, in denen er in den vergangenen Jahren um Verständnis für den kritisierten Grossumbau des Zürcher Hochschulquartiers warb.

Der ETH-Rat war dieses Jahr in die Schlagzeilen geraten, weil er den Entlassungsantrag gegen die umstrittene Astronomie-Professorin Marcella Carollo von der ETH Zürich guthiess – obwohl eine Kommission aus drei ETH-internen und drei ETH-externen Professoren davon abriet.

Beth Krasna bleibt Interims-Präsidentin

Als ETH-Ratspräsident wird Hengartner an der Schnittstelle von Wissenschaft, Politik und Wirtschaft operieren müssen. Der erste Teil dürfte dem Naturwissenschaftler, der sich einen Namen als Wurmforscher gemacht hat, leicht fallen. Er wisse aus Erfahrung, was es brauche, um international führend zu sein, sagte er heute. Als Rektor der Uni Zürich habe er sich zudem Führungserfahrung angeeignet, und als Präsident von Swissuniversities stehe er schon heute in engem Austausch mit Politik und Wirtschaft.

Hengartner, ein schweizerisch-kanadischer Doppelbürger, wuchs in Québec City auf und bekundete heute entsprechend wenig Mühe, zwischen den beiden grössten Landessprachen hin und her zu springen. Er wird im ETH-Rat die Nachfolge von Fritz Schiesser übernehmen, der Ende April zurückgetreten war. Bis Ende Januar 2020 wird Vizepräsidentin Beth Krasna weiter ad interim als Präsidentin des ETH-Rats fungieren.

Nachfolge an Uni noch offen

Noch unklar ist, wer die Leitung der Universität Zürich von Hengartner übernehmen wird. Der Universitätsrat werde nun ein Findungsverfahren in die Wege leiten, heisst es auf Anfrage. Hengartner haber aber aber rechtzeitig über seinen Wechsel informiert. Idealerweise werde seine Nachfolgerin oder sein Nachfolger das Amt auf August 2020 übernehmen.

(pu/hub)

Erstellt: 04.09.2019, 13:45 Uhr

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