«Ich bin der Landmann, kein Parteisoldat»

So machte der Zürcher Staranwalt den SVP-Mitgliedern am Zürichberg seine Kandidatur für den Kantonsrat schmackhaft.

Valentin Landmann (r.) bei der gestrigen SVP-Mitgliederversammlung. Links: SVP-Vizepräsident Gregor Rutz. Foto: Sabina Bobst

Valentin Landmann (r.) bei der gestrigen SVP-Mitgliederversammlung. Links: SVP-Vizepräsident Gregor Rutz. Foto: Sabina Bobst

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Die Idee wirkte auf den ersten Blick bestechend: Valentin Landmann, der wohl bekannteste Rechtsanwalt der Schweiz und einer der schillerndsten Zürcher überhaupt, soll bei den Kantonsratswahlen im nächsten Frühling für die Zürcher SVP antreten.

Bereits gestern Abend hätte der 67-Jährige nominiert werden sollen, an der Mitgliederversammlung der SVP-Kreispartei 7/8. Landmann ist erst seit zwei Wochen Mitglied der Partei und sagt: «Wenn man mich ruft, dann bin ich da.» Er, der Quereinsteiger, hätte auf Platz zwei antreten sollen, direkt hinter Kreisparteipräsident und Gemeinderat Urs Fehr. Doch die Mitgliederversammlung machte Fehr einen Strich durch die Rechnung und sprach sich mehrheitlich dafür aus, Landmann zwar vorzuschlagen, die offizielle Nomination aber auf den Herbst zu verschieben.

Fehr war mit seiner Nominierungsversammlung offensichtlich zu weit vorgeprescht. Klar wurde: Die städtische und die kantonale Parteileitung wollen auch ein Wörtchen mitreden, wenn im Herbst die Listen gestaltet werden – erst recht nach den aktuellen Verlusten in den Gemeindewahlen.

Kritik an «Hauruckübung»

Noch steht die Gesamtstrategie der SVP für die Wahlen im März 2019 nicht fest. Da hat die Partei nämlich ausgerechnet im Kreis 7/8 eines ihrer besten Pferde im Stall: Kantonsrätin Nina Fehr Düsel. Doch sie wohnt seit zwei Jahren in Küsnacht. Wie Nina Fehr gestern Abend sagte, ist noch offen, ob sie wieder in der Stadt antritt oder im Bezirk Meilen. Rechtlich ist beides möglich. Im Bezirk Meilen hat die SVP vier Sitze, in Zürich 7/8 bloss einen. Die Kantonsrätin sprach sich explizit gegen «einen Schnellschuss und eine Hauruckübung» bei der Besetzung der Wahllisten aus. «Wir brauchen eine gemeinsame Wahlstrategie, die über die Kreisparteigrenzen hinausgeht, sonst droht uns eine weitere Schlappe.»

Laut SVP-Vizepräsident und Nationalrat Gregor Rutz will die kantonale SVP bis im Herbst eine Gesamtstrategie über alle 18 Wahlkreise erarbeiten und erst dann entscheiden, welche Kandidatinnen und Kandidaten in welchen Wahlkreisen antreten. «Wir müssen schauen, wo wir Engpässe haben, wo Quereinsteiger bereitstehen und wo es womöglich Rochaden braucht.»

Rutz zeigte sich sehr erfreut, dass Valentin Landmann für die SVP kandidieren will. «Solche Leute brauchen wir.» Auch SVP-Kantonsrat Hans-Peter Amrein betonte, Landmann sei ein Zugpferd, welches der SVP Stimmen bringen werde. Dieses müsse aber strategisch richtig eingesetzt werden. Vielleicht stelle sich heraus, dass «der Valentin» besser im Wahlkreis Zürich 6 antritt – dort, wo er auch wohnt.

«Keinem vor der Sonne stehen»

Landmann selber betonte an der Mitgliederversammlung, es sei ihm letztlich egal, in welchem Kreis er als Kantonsratskandidat aufgestellt werde: «Ich stelle mich gern als Manövriermasse zur Verfügung.» Er wolle niemanden verdrängen und niemandem vor der Sonne stehen, betonte er.

Vielmehr wolle er einbringen, was er an Möglichkeiten habe, «um euch zu unterstützen», sagte er. Er könne erklären und überzeugen, er könne zudem Klartext reden und Brücken bauen. Wenn er mit seiner Erfahrung dazu beitragen könne, die Kernanliegen der SVP – Selbstständigkeit und Neutralität der Schweiz sowie eine starke Wirtschaft – zu unterstützen, sei er gerne bereit, sich bei den Wahlen zur Verfügung zu stellen. «Wenn es klappt, ist es schön, wenn es nicht klappt, fällt mir kein Stein aus der Krone.»

Weiter machte der Anwalt klar, dass er auch künftig «nicht auf der Schnurre hocken» werde, wie er sagte. Er werde seine eigene Meinung weiter kundtun: «Ich bin der Landmann, kein Parteisoldat.» Einmal gefällte Fraktionsentscheide werde er aber mittragen, das sei eine Frage des Anstandes.

Um bei der Wählerschaft wieder stärker punkten zu können, sollte die SVP laut Landmann vermehrt auch mit dem politischen Gegner sprechen, um ihn «mit den guten Gründen, welche die SVP hat», zu überzeugen. «Wir müssen lernen, zuzuhören und offene Ohren zu haben auch für Vorschläge von der anderen Seite, statt einfach reflexartig dagegen zu sein.» Die SVP sei eine grosse Partei, allein könne sie aber nichts bewegen.

Willkommenes Zugpferd

Landmanns kurze Rede quittierten die Mitglieder mit warmem Applaus. Sie dürften sich vom prominenten Kandidaten einen willkommenen Schub für die derzeit wenig erfolgsverwöhnte «Sünneli-Partei» versprechen. Und: Landmann scheint bei der SVP willkommen zu sein – auch wenn er als betont eigenständiger Charakter beispielsweise für die Legalisierung von Cannabis ist und als Milieuanwalt eine Klientel unterstützt, die kaum nach dem Gusto manch braver Parteigänger ist.

Landmann ist mit Christoph Blocher ebenso per Du wie mit den SVP-Regierungsräten Markus Kägi und Ernst Stocker – und sogar den Zürcher AL-Stadtrat Richard Wolff spricht er mit «Richi» an. Er pflege Kontakte zu allen politischen Couleurs, sagte er zum TA. Bei vielen Leuten gehe der Rollladen runter, wenn sie SVP hörten. «Meine Aufgabe ist es, Rollläden wieder hochzukurbeln.»

Zieht es ihn in den Nationalrat?

Sollte Landmann tatsächlich auf dem Zürichberg nominiert werden, riskiert Kreisparteipräsident Urs Fehr zum dritten Mal, bei Kantonsratswahlen bloss Ersatz zu sein. Es sei denn, Landmann würde auch bei den Nationalratswahlen im Herbst 2019 antreten – was er nicht ausschliesst – und gewählt werden.

Doch diese Chancen sind nicht sehr gross: Die Wachablösung bei der SVP ist vollzogen, der Wählertrend negativ. Als 68-Jähriger dürfte es Landmann 2019 schwer haben, von den kantonalen Delegierten auf einen vorderen Listenplatz gesetzt zu werden.

Erstellt: 18.04.2018, 06:51 Uhr

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