Vandalen im Jagdrevier: Jetzt reagiert die Polizei

Zerstörte Hochsitze, angesägte Leitersprossen: Die Kapo greift zu aussergewöhnlichen Mitteln.

Einer der auf dem Eschenberg demolierten Hochsitze.

Einer der auf dem Eschenberg demolierten Hochsitze. Bild: «Landbote»

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Mehr als zwei Dutzend Hochsitze sind im Kanton Zürich seit Anfang Jahr teilweise oder ganz zerstört worden. Die Kantonspolizei stellte die Sachbeschädigungen vorab in den Bezirken Winterthur und Andelfingen fest. Es wurden aber auch Fälle in den Bezirken Meilen und Dietikon bekannt.

Die Jagdeinrichtungen wurden zum Teil niedergerissen, bei einigen haben Vandalen Leitersprossen, Stützen und Geländer angesägt, sodass es beim Besteigen zu Unfällen kommen kann. In weiteren Fällen wurde laut der Meldung eines Jägers gar auf den Sitz geschossen.

Allein seit Anfang August sind im Raum Winterthur wieder vier Hochstände ganz oder teilweise zerstört worden. Die jüngsten Vorfälle ereigneten sich in den Wäldern rund um die Gemeinde Henggart, wie die Kantonspolizei Zürich auf Anfrage bestätigt.


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Polizei reagiert mit Merkblatt

Die Polizei reagiert auf die vermehrt gegen Jägerstände auftretenden Sabotageakte mit einem Merkblatt, das sie am 19. August an Jägerinnen und Jäger im ganzen Kanton verteilte. Darin bittet sie um Mithilfe bei den Ermittlungen. Konkret fordert die Polizei dazu auf, Beschädigungen umgehend zu melden, damit die Spurensicherung sofort eingeschaltet werden kann. Vor dem Besteigen der Hochsitze und Kanzeln rät die Kapo dazu, alles gründlich zu inspizieren, um Beschädigungen zu erkennen und Unfälle zu vermeiden.

Zudem bittet sie darum, verdächtige Fahrzeuge und Personen im Bereich von Jagdeinrichtungen und unbekannte Lichtquellen im Wald umgehend zu melden, Fotos zu machen und Kontrollschilder zu notieren. Keinesfalls aber solle man bei verdächtigen Beobachtungen selbst intervenieren. «Allenfalls kann man den Personen folgen und der Polizei den eigenen Standort übermitteln», heisst es im Flugblatt weiter.

Tierschützer rufen zur Sabotage auf

Noch ist unklar, wer für die jüngsten Sabotagefälle verantwortlich ist. Als sich im Februar und März dieses Jahres in Oberwinterthur gleich mehrere Hochsitz-Attacken ereigneten, bekannten sich anonyme Mitglieder der Animal Liberation Front (ALF) im Internetportal dazu.

Die radikale, militant agierende Tierschutzorganisation, die sich unter anderem auch gegen die Haltung von Nutztieren einsetzt, ist international vernetzt. «Wir sind zur Tat geschritten und haben in einer romantischen Vollmondnacht in Winterthur ein paar Hochsitze kaputtgemacht», hiess es damals auf der Website. Im Juli erschien an derselben Stelle eine Anleitung zur Sabotage an Hochsitzen.

Vandalenakte vor der Abstimmung?

Der Vizepräsident des Zürcherischen Jagdverbandes, Andreas Rippmann, führt das bisher noch unerreichte Ausmass an Sabotageakten gegen Jägereinrichtungen auf die Abstimmung «Wildhüter statt Jäger» vom 23. September zurück. Die Initianten aus Tierschutzkreisen verlangen im Kanton Zürich ein Ende der heutigen Hobby- und Milizjagd. An ihrer Stelle sollen professionell ausgebildete Wildhüter für ein Wildtiermanagement sorgen, bei dem die natürliche Regulierung des Tierbestandes im Vordergrund steht.

Wie der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) auf Anfrage bekannt gibt, haben Gewalttaten aus der Tierschützer- oder Antispeziesismus-Szene seit Anfang Jahr generell zugenommen. «Wir verfolgen die Entwicklung der Bedrohungslage stetig und beschaffen unter anderem Informationen zu gewalttätig-extremistischen Aktivitäten», sagt Sprecherin Carolina Bohren. Zu einzelnen Gruppierungen gibt der NDB keine Auskunft.

Erstellt: 21.08.2018, 14:26 Uhr

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