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Vergewaltiger wollte siebenjähriges Mädchen ins Auto locken

Wegen Vergewaltigung einer Zwanzigjährigen und versuchter Freiheitsberaubung einer Siebenjährigen wurde ein 47-jähriger Geschäftsinhaber mit viereinhalb Jahren bestraft.

Die Horrorvorstellung jeder Frau wurde für eine 20-Jährige kurz nach ihrem Geburtstag Wirklichkeit. Ein 41-jähriger Mann, der auf der Suche nach einer Prostituierten, die seinen Vorstellungen entsprach, nicht fündig geworden war, fuhr nachts um 2.50 Uhr durch die Grüngasse im Zürcher Stadtkreis 4. Die junge Frau, die er dort alleine und zu Fuss unterwegs sah, entsprach seinen Vorstellungen von einer Traumfrau. Er fuhr an ihr vorbei und hielt seinen Lieferwagen weiter vorne an.

Mit dem Lieferwagen entführt

Er öffnete die seitliche Schiebetüre, versteckte sich um Gebüsch und wartete, bis die Frau an ihm vorbeigegangen war. Ohne Vorwarnung packte er sie von hinten, umschloss ihren Oberkörper und stiess sie ins Fahrzeug. Dort fesselte er sie, fuhr mit ihr auf einen öffentlichen Parkplatz in der Aegertenstrasse und vergewaltigte die völlig verängstigte und wehrlose Frau. Ihre Bitte, wenigstens ein Kondom zu benützen, ignorierte er.

Erst dreieinhalb Jahre nach dieser Tat, die sich im Dezember 2004 ereignet hatte, wurde der Mann verhaftet. Ihm war ein anderer versuchter Übergriff zum Verhängnis geworden. Im Mai 2007 hatte der Geschäftsinhaber ein Paket in einem Schulhaus in Steckborn TG abliefern wollen. In der Ackerstrasse fragte er ein siebenjähriges Mädchen, das von Schule nach Hause zum Mittagessen wollte, nach dem Weg.

Er forderte das Mädchen auf, in sein Auto zu steigen und ihm den Weg zu zeigen. Er werde es anschliessend wieder zurückfahren. Als das Mädchen ablehnte, packte er das Mädchen unter den Armen. Die Anklage geht davon aus, dass er sie gewaltsam in sein Auto heben und mit ihr an einen ruhigen Ort fahren wollte, um sich dort an ihr «sexuell zu stimulieren», wie es in der Anklageschrift heisst.

Von Anwohnerin vertrieben

Doch so weit kam es nicht. Eine Anwohnerin hatte die Szene beobachtet und vom Balkon herunter den Mann gefragt, ob das Mädchen seine Tochter sei. Ihrer in der Wohnung anwesenden Tochter sagte sie, hier stimme etwas nicht. Sie solle das Telefon holen und die Polizei rufen. Dies musste der Mann gehört haben. Sofort entfernte er das vordere Kontrollschild, stieg ins Mercedes-Cabrio und fuhr «rasend schnell» weg, wie die Zeugin weiter beobachtete.

Wegen Vergewaltigung, mehrfacher Freiheitsberaubung und Entführung sowie Pornografie wurde der Angeklagte vom Zürcher Bezirksgericht zu einer Freiheitsstrafe von sechseinhalb Jahren verurteilt. Am Freitag fand vor dem Zürcher Obergericht die Berufungsverhandlung statt. Dabei ging es nicht mehr um die Vergewaltigung. Diese Verurteilung akzeptierte der inzwischen 47-Jährige. Die Genugtuung für das Opfer in Höhe von 25'000 Franken hat er bereits bezahlt.

«Keine bösen Gedanken»

Er wehrte sich aber gegen die Verurteilung wegen versuchter Freiheitsberaubung im Zusammenhang mit dem siebenjährigen Mädchen. Er habe «keine bösen Gedanken» gehabt, sondern das Mädchen wirklich nur nach dem Weg fragen wollen. Möglicherweise habe er sie leicht berührt. Er habe sie aber nicht gegen ihren Willen ins Auto zerren wollen. Heute sei ihm natürlich klar, dass man die Situation habe falsch interpretieren können.

Dass der Angeklagte das Mädchen entführen wollte, um sexuelle Handlungen an ihr zu begehen, hatte bereits das Bezirksgericht als nicht bewiesen verneint. Doch für beide Gerichtsinstanzen waren auf Grund der Aussagen der Frau und des Opfers völlig klar, dass der Mann das Mädchen gegen ihren erkennbaren Willen ins Auto heben wollte. Motiv: Er habe sein Dominanzgefühl ausleben und dem Mädchen Angst machen wollen. Schon früher, nämlich vor 22 Jahren, war der Mann bestraft worden, weil er Mädchen erschreckt hatte.

Auch wenn das Obergericht den Schuldspruch des Bezirksgerichts bestätigte, reduzierte es die Strafe - in Berücksichtigung der neuen bundesgerichtlichen Rechtsprechung - auf viereinhalb Jahre. Dem 47-Jährigen kam zugute, dass die Vergewaltigung schon fast sechs Jahre zurückliegt, dass er die Tat gestanden und den Schaden, soweit es in seinem Einflussbereich liegt, wiedergutgemacht hat.

Angst vor einer stationären Therapie

Der Geschäftsinhaber muss sich im Strafvollzug einer ambulanten Therapie unterziehen. Laut psychiatrischem Gutachten leidet er an einer pädo-sadistischen Paraphilie und einem sexuellen Sadismus. Der Mann ist bereit, seine psychischen Störungen behandeln zu lassen. Was er noch nicht einsieht, ist der Umstand, dass laut Gutachter die Gefahr besteht, er könnte auch in Zukunft von einem pädophilen oder sadistischen Impuls ergriffen werden.

Der erste Therapiebericht aus dem Strafvollzug alarmierte den Verteidiger des 47-Jährigen. Plötzlich sei von schwer therapierbar die Rede, ja sogar von der «Gefahr des Serientäters». Die neue Beurteilung des Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes (PPD), in der die Sadismus-Diagnose fallengelassen und das Dominanzverhalten in den Vordergrund gerückt werde, sei eine «fatale Weichenstellung», widerspreche dem gerichtlichen Gutachten und sei auf einer ungenügenden Materialbasis erstellt worden. Der Angeklagte befürchte, dass der PPD schon bald den Antrag stelle, die ambulante in eine stationäre Massnahme, «die kleine Verwahrung», umzuwandeln.

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