Vergewaltigt und beklaut

Die Studentin setzte sich im Zug neben ihn. Nach der Fahrt vergewaltigte er sie in der Bahnhofsunterführung von Langnau. Jetzt wurde der abgewiesene Asylbewerber verurteilt.

Der Beschuldigte (links) und das Opfer (Zweite von rechts): Am Prozess verfolgte die junge Frau die Verhandlung in einem Nebenzimmer. (Zeichnung: Robert Honegger)

Der Beschuldigte (links) und das Opfer (Zweite von rechts): Am Prozess verfolgte die junge Frau die Verhandlung in einem Nebenzimmer. (Zeichnung: Robert Honegger)

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Der abgewiesene Asylbewerber aus der Zentralafrikanischen Republik, 26-jährig und zweifacher Familienvater, hat in der Nacht des 16. August 2017 in der Bahnhofsunterführung in Langnau am Albis eine junge Frau vergewaltigt. Beim Opfer handelt es sich um eine heute 21-jährige Griechin. Der Afrikaner wurde zwei Tage später verhaftet, er sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Laut Anklageschrift befanden sich beide in der S 4 und stiegen in Langnau aus. Dabei folgte der Afrikaner der Frau. Er überwältigte sie bei der Bahnhofsunterführung und vergewaltigte sie. Anschliessend stahl er ihr den Rucksack mit einigen Hundert Franken und Euro und das Handy.

Am Prozess vom Dienstag verlangte der Staatsanwalt wegen Vergewaltigung und Raub eine Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren und anschliessender Landesverweisung von 15 Jahren. Der Mann habe anfänglich die Tat immer verneint, auch als er mit seinen DNA-Spuren konfrontiert wurde. Erst in der Schlusseinvernahme sagte er, dass ihm die Frau Sex gegen Kokain angeboten habe. Es sei dann zu einvernehmlichem Geschlechtsverkehr gekommen. «Dass die Frau bei Regen auf der Unterführungstreppe ohne Kondom und ohne vorher das Kokain erhalten zu haben, mit einem ihr wildfremden Mann Sex hatte, ist nicht glaubhaft», sagte der Staatsanwalt. Die Aussagen des Beschuldigten seien lebensfremd und konstruiert.

Der Afrikaner – gross, schlank und sehr jugendlich wirkend – sagte zum Vorwurf nur so viel: Der Sex sei einvernehmlich gewesen. Der Mann war vom Bürgerkrieg in seinem Heimatland mit seiner Frau 2013 nach Italien geflohen. Dann zog das Paar weiter in die Schweiz. Die vierköpfige Familie lebt im Durchgangszentrum in Adliswil. Die Familie hätte schon 2016 die Schweiz verlassen müssen. Weil er gegen die Abschiebung nach Italien beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg Einsprache erhoben hatte, sistierte der Bund die Wegweisung vorerst.

Opfer leidet immer noch darunter

Das zierliche Opfer, welches für den Prozess von Griechenland extra nach Horgen gereist ist und per Videoübertragung die Befragung des Beschuldigten in einem anderen Raum mitverfolgte, ist Studentin. Sie weilte damals als Touristin bei einem Bekannten in der Schweiz. Laut der Opferanwältin leidet sie immer noch unter der Vergewaltigung. Diese habe ihr Liebe und Sexualität nachhaltig verdorben, sie brauche psychologische Hilfe. Die Anwältin verlangte eine Genugtuung von 12'000 Franken.

Der Anwalt des Afrikaners forderte einen Freispruch oder lediglich eine Verurteilung wegen des Rucksackdiebstahls. Dem Beschuldigten sei in der Einvernahme durch Polizei und Staatsanwalt nur der Vorwurf der Vergewaltigung vorgehalten worden, nicht aber die konkreten Tathandlungen. Sein Mandant sei deshalb nie rechtsgültig einvernommen worden. Eine Anklage und eine Verurteilung seien nicht möglich.

Schon zuvor Sex gehabt

Bezüglich der Aussagen des angeblichen Opfers gebe es grosse Zweifel. So zeige die Videoaufnahme im Zug, wie sich die Frau im menschenleeren Wagen direkt neben den Afrikaner setzte und den Kontakt zu ihm suchte. Sie sei betrunken gewesen. Der Anwalt erwähnte eine Parallelität zu einem anderen Ereignis. So hatte die Frau nur kurze Zeit zuvor mit einem flüchtigen Bekannten draussen vor der Rimini-Bar in Zürich Sex – ähnlich wie in Langnau. Das Motiv der Frau sei Rache. Der Beschuldigte habe ihr nach dem Sex kein Kokain gegeben, weil er keines hatte, und habe ihr erst noch den Rucksack gestohlen.

Das Bezirksgericht Horgen verurteilte den Mann wegen Vergewaltigung und Diebstahl zu einer Strafe von 49 Monaten und verwies ihn für neun Jahre des Landes. Er muss dem Opfer 12'000 Franken Genugtuung bezahlen. Die Einvernahmen seien verwertbar. Tatort und -zeit seien deutlich umschrieben, der Tatvorwurf genannt worden. Die Aussagen des Täters seien widersprüchlich, zudem habe er viele falsche Angaben gemacht. Seine Argumentation, Sex im Tausch gegen Drogen, sei nicht glaubhaft.

Der Verteidiger wird das Urteil an das Obergericht ziehen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.06.2018, 14:42 Uhr

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