Verkauf in Herrliberg: Vieles deutet auf Federer

In Herrliberg steht für 35 Millionen Franken ein Stück Land zum Verkauf, das jenes des Tennisstars sein dürfte. Es wäre für ihn ein lukratives Geschäft.

Federers Parzelle: Der damalige Herrliberger Gemeindepräsident Walter Widmer zeigt im Winter 2012 das Grundstück. Bild: Reto Schneider

Federers Parzelle: Der damalige Herrliberger Gemeindepräsident Walter Widmer zeigt im Winter 2012 das Grundstück. Bild: Reto Schneider

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Im Verkaufsinserat für ein Stück Land am Hang über Herrliberg ist von einer «einzigartigen Gelegenheit» die Rede. 5500 Quadratmeter an Panoramalage für 35 Millionen Franken. Der Betrag sei nicht verhandelbar – es sei denn, man übernehme das bestehende Bauprojekt für eine Villa samt Glaslift durch eine «Pool-Erlebnisoase», dessen Realisierung 19 Millionen Franken kosten würde.

Grundstücke dieser Kategorie gibt es in Herrliberg nicht viele. Eines gehört Tennisprofi Roger Federer. Dieser kaufte sich Ende 2011 in der Gemeinde eine Parzelle, die seither brach liegt. Kürzlich ist bekannt geworden, dass Federer jetzt wohl tatsächlich am Zürichsee bauen lässt, allerdings nicht in Herrliberg, sondern in Kempraten.

Die Geländeform passt exakt

Die Immobiliengesellschaft, die den Verkauf des Grundstücks in Herrliberg abwickelt, tut dies im Auftrag eines Anwalts und darf zum Geschäft nichts sagen. Nur, dass die Quadratmeterzahl bei solchen Verkäufen nie exakt angegeben werde. Ausgeschrieben sind «über 5500 Quadratmeter», im Zusammenhang mit Federers Grundstück war jeweils von knapp 5800 Quadratmeter die Rede.

Das stärkste Indiz ist aber das Geländeprofil im Verkaufsinserat: Zu sehen ist ein lang gezogenes Grundstück am Hang, das rechterhand von einem kleinen Geländeeinschnitt abgeschlossen wird. Genau so sieht auch das charakteristische Profil des Federer-Grundstücks an der Laubhölzlistrasse aus.

Der Vergleich: Das Grundstück im Inserat (oben) und das Federer-Grundstück im geografischen Informationssystem des Kantons Zürich.

Interessant ist der veranschlagte Preis. Wie viel Federer seinerzeit bezahlt hat, lässt sich rückblickend aufgrund der Herrliberger Grundstücksgewinnsteuern recht gut abschätzen. Diese Steuern stiegen just im Jahr des Federer-Kaufs auf einen Spitzenwert. Damals gab es laut kantonaler Statistik in Herrliberg nur gerade zehn Verkäufe von unbebautem Land – die teuersten davon wechselten die Hand für 3700 Franken pro Quadratmeter und mehr.

Konservativ gerechnet, hat Federer also für das Land in Herrliberg mindestens 21,5 Millionen bezahlt. Die bei einem solchen Preis fälligen Grundstücksgewinnsteuern von 2,7 Millionen Franken entsprechen ziemlich genau dem Sprung, den der Ertrag aus dieser Steuer damals in Herrliberg gegenüber dem langjährigen Mittel machte.

Über 13 Millionen Gewinn?

Seither sind die Preise in Herrliberg noch einmal gestiegen. Für ein kleineres Nachbargrundstück wurden vor ein paar Monaten fast 4400 Franken pro Quadratmeter verlangt. Bei der nun zum Verkauf stehenden Parzelle betrüge der Preis aber über 6000 Franken. Sollte es sich tatsächlich um Federers Land handeln und sollte jemand diesen Preis bezahlen, betrüge der Gewinn 13,5 Millionen Franken – das Nichtbauen hätte sich also ziemlich gelohnt.

Davon würde auch Herrliberg erneut profitieren: mit Grundstücksgewinnsteuern von circa 5 Millionen. Von einem Federer-Verkauf weiss man auf der Gemeinde bislang aber nichts, Privatsache. Nur soviel: Eine gültige Baubewilligung für ein Bauprojekt liegt bis heute nicht vor – auch nicht für eine Villa mit «Pool-Erlebnisoase».

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.04.2019, 17:03 Uhr

Artikel zum Thema

Roger Federers teurer Umzug an die Goldküste

Falls er von Wollerau nach Herrliberg umzieht, nimmt der Tennisstar doppelt so hohe Steuern in Kauf. Der lokale Tennisclub will Federer mit einem neuen Platz locken. Mehr...

Die Goldküste wäre für Federer teuer

Herrliberg gilt als Steuerparadies. Aber wenn Roger Federer stattdessen nach Rapperswil-Jona zieht, könnte er Millionen sparen. Mehr...

Baut Roger Federer am Zürichsee?

Auf der letzten Parzelle in der Kempratner Bucht darf gebaut werden. Die Zeichen verdichten sich, dass hinter dem Projekt der Tennis-Star steht. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Paid Post

Deshalb lassen sich Frauen online gut abschleppen

Hör auf, Frauen Drinks zu spendieren, und konzentriere dich besser darauf, beim Casual Dating Gas zu geben. Die Chancen auf eine heisse Nacht sind auf den Erotik-Portalen deutlich besser.

Kommentare

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Ganz in weiss: Josephine Skriver posiert vor der Vorführung des Films «Roubaix, une lumière» in Vannes auf dem roten Teppich. (22. Mai 2019)
(Bild: Stephane Mahe) Mehr...