Versicherte zahlen mehr und erhalten weniger

Die BVK, die zweitgrösste Pensionskasse der Schweiz, senkt Umwandlungssätze und technische Zinssätze. Die Gewerkschaft VPOD ist entrüstet und droht mit rechtlichen Schritten.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die tiefen Zinsen und die höhere Lebenserwartung bringen die Pensionskassen in Schwierigkeiten. Gestern hat die vor kurzem privatisierte BVK (Personalvorsorge des Kantons Zürich) mit­geteilt, wie sie auf diese zwei Probleme reagieren will.

Die Hauptbotschaft: Die Versicherungsprämien werden erhöht. Sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer müssen höhere Sparbeiträge leisten, je nach Alter der Versicherten steigen sie um 1 bis 5 Prozent. Und neu sollen auch schon 21- bis 23-Jährige mit Sparen beginnen. Da diese Erhöhung noch nicht reicht, um das Leistungsziel einer Rente zu erreichen, die 60 Prozent des letzten versicherten Lohnes entspricht, können die Versicherten freiwillig nochmals zwei Lohnprozente einzahlen.

Wie BVK-Chef Thomas Schönbächler ausführte, steigt derzeit die Lebenserwartung der Menschen jedes Jahr um einen Monat. Gleichzeitig müsse die Kasse laut Reglement für die Aktivversicherten 1,25 Prozent und für die Rentner gar 3,25 Prozent erwirtschaften, was derzeit schwierig sei. Laut Schönbächler waren gestern zehnjährige risikolose Bundesobligationen zu einem Zinssatz von minus 0,01 Prozent zu haben: «Damit lässt sich kein Geld verdienen.» Um ihre Ziele zu erreichen, müsse die BVK höhere Risiken in Kauf nehmen.

Rentner nicht mehr bevorteilen

Parallel zur Erhöhung der Sparbeiträge will der Stiftungsrat der BVK unter Leitung von Arbeitnehmervertreterin Lilo Lätzsch (Sekundarlehrerin) mit einer Ungerechtigkeit aufräumen: mit der Bevorzugung der Rentner gegenüber den Aktivversicherten. Weil deren Guthaben höher verzinst werden, müssen jedes Jahr 450 Millionen Franken von den ­Aktivversicherten zu den Rentnern umverteilt werden. Nun soll der technische Zinssatz von 3,25 auf 2 Prozent gesenkt werden. Somit muss die BVK die Vermögen der Rentner neu bewerten. Weil die Renten reglementarisch nicht gekürzt werden dürfen, sinkt der Deckungsgrad der BVK um 7 auf rund 93 Prozent. Dies ist laut Lätzsch vertretbar, insbesondere deshalb, weil er in den Folgejahren voraussichtlich stärker steigen wird.

Durch die Senkung des technischen Zinssatzes werden auch die Umwandlungssätze tiefer. Nach ihnen werden die Renten der Aktivversicherten berechnet. Für 65-Jährige gilt heute ein Satz von 6,2 Prozent, ab 2017 werden es nur noch 4,87 Prozent sein. Um die Rentenverluste abzufedern, will der Stiftungsrat die Sparguthaben der älteren Versicherten (ab 48 Jahren) aufstocken. Ein 64-Jähriger mit 500 000 Franken Altersguthaben erhält rund 70 000 Franken. Für diese Zahlungen hat die BVK Rückstellungen von 950 Millionen Franken getätigt. Versicherten, die 60 oder älter sind, kann die BVK die nach altem Umwandlungssatz berechneten Renten auch in Zukunft garantieren.

Im Vergleich mit anderen Pensionskassen sind die Anpassungen der BVK einschneidend. Die Pensionskasse der Stadt Zürich zum Beispiel wird den technischen Zinssatz zwar ab nächstem Jahr auch senken, aber nur von 3,5 auf 3,3 Prozent. Im Unterschied zur BVK ist diese Kasse mit einem Deckungsgrad von über 118 Prozent deutlich besser abgesichert.

VPOD spricht von Demontage

Bei der Gewerkschaft VPOD sind die Entscheide der BVK ganz schlecht angekommen. Sie spricht in einer Mitteilung von «Demontage» und «radikalem Abbau» der Leistungen. Es werde eine Aufsichtsbeschwerde geprüft, weil die statuarisch festgelegten Rentenziele gefährdet würden, heisst es. Der VPOD stört sich insbesondere daran, dass die Massnahmen vom Stiftungsrat eigenmächtig und ohne Konsultation der Versicherten beschlossen worden seien. Die SP spricht in einer Mitteilung von einem «unverständlichen und unsozialen» Abbaupaket. Insbesondere die Senkung des technischen Zinssatzes ist für die Sozialdemokraten «sehr weitgehend».

Die vereinigten Personalverbände des Kantons Zürich nehmen die Änderungen «zur Kenntnis» und wollen sie prüfen. Positiv sei, dass die BVK nach wie vor 60-Prozent-Renten anbieten wolle. Bei der BVK sind gut 113 000 Personen versichert, etwa 40 Prozent sind beim Kanton angestellt.

Erstellt: 25.09.2015, 16:00 Uhr

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Paid Post

Genuss und Freude schenken

Schenken Sie Ihren Freunden Hochgenuss in Form eines FINE TO DINE Gutscheins für über 130 Schweizer Restaurants.

Kommentare

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

Klimawand: Andres Petreselli bemalt in San Francisco eine Hausfassade mit einem Porträt von Greta Thunberg. (8. November 2019)
(Bild: Ben Margot) Mehr...