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Anwalt wählte fragwürdige Strategie

Freispruch für den Schachtdeckel-Werfer, kein Schadenersatz für das Opfer: Mit diesen Forderungen hat der Verteidiger seinem Mandanten einen Bärendienst erwiesen.

Der Beschuldigte (links) und der Verteidiger verlassen nach dem Prozess das Bezirksgericht Winterthur. (Foto: Stefan Hohler)
Der Beschuldigte (links) und der Verteidiger verlassen nach dem Prozess das Bezirksgericht Winterthur. (Foto: Stefan Hohler)

Sieben Jahre für den Schachtdeckel-Werfer – das Bezirksgericht Winterthur ist den Argumenten des Staatsanwaltes gefolgt und hat ein hartes, aber faires Urteil gefällt. Der Staatsanwalt hatte eine Freiheitsstrafe wegen versuchter vorsätzlicher Tötung von neun Jahren verlangt.

Dass das Gericht eine hohe Strafe fällte, ist die Folge des fehlenden «Geständnisses ohne wenn und aber». Mit seiner Verteidigungsstrategie hat der Anwalt seinem Mandanten einen Bärendienst erwiesen. Der Anwalt hatte insinuiert, dass der Kollege des beschuldigten Kochlehrlings der Deckelwerfer sein könnte. Der Kollege habe die Tat auf den stark betrunkenen Beschuldigten abgeschoben, um sich zu entlasten. Diese Strategie nannte das Gericht mit Recht «abenteuerlich» und «an den Haaren herbeigezogen», hatte doch der Kochlehrling Minuten nach der Tat den Beweis schriftlich per Whatsapp seiner damaligen Freundin übermittelt: «Ich han en Dolendeckel uf Züri Fans gschosse.»

Hat der Anwalt wirklich alles unternommen, um seinen Mandanten dazu zu bringen, die volle Verantwortung für den Deckelwurf zu übernehmen und für die Tat gerade zu stehen? Gepaart mit einem Hinweis auf das jugendliche Alter und die Konsequenzen für sein künftiges Leben, wäre vermutlich ein tieferes Strafmass zu erreichen gewesen. Dass der Anwalt neben dem Freispruch noch eine Entschädigung für die Untersuchungshaft seines Mandanten verlangte, ist zwar konsequent. Dass er im Gegenzug dem schwer verletzten Opfer sowohl Entschädigung als auch Schadenersatz absprechen wollte, ist aber zynisch.

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