Verteilkampf in der Zürcher Kulturförderung

Mit einer Initiative will die Film- und Gamebranche sich einen Sonderstatus sichern. Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Abstimmung.

«Zwingli» (2017) wurde mit 885 000 Franken gefördert. Filmstill: Ascot Elite

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Sie wollen Planungssicherheit für die Film- und Gamebranche, die ohne Fördergelder nicht überleben könnte. Sie argumentieren mit der wachsenden wirtschaftlichen Bedeutung dieses Kulturbereichs für den Kanton Zürich. Nach eigenen Angaben produzieren hier 3500 Filmschaffende und Gameentwickler in 400 Klein- und Mittelbetrieben rund zwei Drittel aller audiovisuellen Werke der Schweiz. Derzeit ist die Ausrichtung der Fördergelder in der heutigen Höhe nur bis 2021 gesichert. Dann muss darüber neu entschieden werden. Die Initianten hoffen, dass die Förderbeiträge für den Film erhöht werden und dass neu auch Gameentwickler profitieren, wenn das neue Gesetz angenommen wird.

Wer sind die Initianten?
Es handelt sich vorwiegend um Filmschaffende, etwa Drehbuchautorin Katja Früh, Filmproduzentin Ruth Waldburger, die Direktorin des Zürcher Filmfestivals, Nadja Schildknecht, die Regisseure Rolf Lyssy, Stefan Haupt und Thomas Körfer. Mit dabei sind aber auch die Nationalrätinnen Doris Fiala (FDP) und Kathy Riklin (CVP). Ihre Parteien haben allerdings die Nein-Parole gefasst. Ebenfalls dabei ist Ständerat Daniel Jositsch (SP). Seine Partei unterstützt zwar die Initiative, allerdings gibt es eine starke Minderheit, die das Gesetz ablehnt. Zu ihr zählt auch die Zürcher Kulturministerin Jacqueline Fehr.

Wie viel Geld gibt der Kanton Zürich derzeit für Kultur aus und wie viel davon fliesst in die Filmförderung?
Total gibt der Kanton gegen 160 Millionen Franken für die Kultur aus. Der grösste Teil geht ans Opernhaus (85 Millionen) und als Kulturlastenausgleich an die Städte Zürich und Winterthur (50 Millionen). Der Rest (23 Millionen) geht an die freie Kulturszene. Davon fliessen 5,5 Millionen Franken in die Filmförderung. Das sind rund 4 Prozent der gesamten Kulturausgaben. Allerdings wurde der Beitrag für die Filmförderung vor rund zwei Jahren mehr als verdoppelt. Zudem zahlt auch die Stadt Zürich über 7 Millionen Franken an die Zürcher Filmstiftung, welche für die Filmförderung zuständig ist.

Wie viel gäbe es für den Film nach einem Volks-Ja?
Es wird kaum viel mehr sein als bisher, denn der bürgerliche Kantonsrat wird die Höhe des Betrages festlegen. Die Initianten haben zwar keine konkreten Zahlen genannt, doch die SP will die Kulturausgaben im Kanton Zürich generell verdoppeln, und der Verein «Zürich für den Film» hat einen Betrag von jährlich 40 Millionen Franken genannt.

Müssten andere Kulturbereiche wie das Theater oder der Tanz mit Kürzungen rechnen?
Das ist nicht ausgeschlossen. Denn im bürgerlichen Kantonsrat ist eine Erhöhung des Kulturetats unwahrscheinlich. Sollte es künftig für die Film- und Gamebranche mehr sein, würde wohl in anderen Bereichen gespart.

Warum erhält das Opernhaus so viel Geld?
Stadt und Kanton Zürich unterhalten vier grosse eigene Kulturinstitutionen: das Kunsthaus, das Schauspielhaus, die Tonhalle und das Opernhaus. Dies sind die Pfeiler der Zürcher Kulturlandschaft, welche internationale Ausstrahlung haben. Der Kanton ist für den Betrieb des Opernhauses verantwortlich, die Stadt Zürich für die anderen drei, so hat es das Zürcher Volk Ende der 80er-Jahre bestimmt.

Was geschieht, wenn die Initiative abgelehnt wird?
Es bleibt alles so, wie es ist. Die 23 Millionen Franken für die freie Kulturszene werden weiterhin aus dem Lotteriefonds genommen. Nach 2021 muss die Kulturförderung aber wieder neu geregelt werden, da der Lotteriefonds bis dann zu einem grossen Teil entleert ist. Ein neues Lotteriefondsgesetz ist derzeit in Arbeit. Es ist möglich, dass dann ein Teil der Fördergelder wieder aus dem Staatshaushalt bezahlt werden muss, wie dies früher der Fall war. Möglich ist auch, dass die Kulturbeiträge gekürzt werden, je nach Finanzlage und politischer Zusammensetzung des Kantonsrats. Im aktuellen Finanzplan des Kantons Zürich sieht der Regierungsrat für das Jahr 2022 auf jeden Fall 3,3 Millionen Franken weniger für Förderbeiträge vor.

Wie kann die Gamebranche gefördert werden?
Eine Förderung ist schon nach dem geltenden Kulturförderungsgesetz möglich. Es schreibt vor, dass der Staat die kulturelle Vielfalt im Kanton fördern soll. Gemäss Regierungsrätin Jacqueline Fehr (SP) ist die digitale Medienkunst eine neue Sparte, welche die Zürcher Kulturszene vielfältiger macht. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.09.2018, 12:03 Uhr

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