Video von Schneider-Ammann löst in Zürich Alarmstimmung aus

Der Kanton Zürich fürchtet einen Stellenabbau und den «Totalverlust» in der landwirtschaftlichen Forschung.

«Ich bedaure dies, aber wir kommen nicht umhin»: Johann Schneider-Ammann machts per Videobotschaft.
Video: Youtube / Bund

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Es war die schlimmstmögliche Meldung, die am Freitag in den Agroscope-Forschungsanstalten Wädenswil und Reckenholz aus Bern einging. Der Bund will die landwirtschaftliche Forschung in Posieux im Kanton Freiburg konzentrieren und sämtliche anderen Agroscope-Standorte aufgeben. Der Bundesrat erachtet die heutigen Betriebskosten als zu hoch und will sie halbieren. Damit sind in der ganzen Schweiz 600 Stellen in Gefahr mindestens ein Fünftel im Kanton Zürich.

Der Wädenswiler Stadtpräsident und CVP-Kantonsrat Philipp Kutter ist empört: «Ich kann diese irre Zentralisierungsmanie nicht verstehen.» Die Landwirtschaft sei standortgebunden und müsse in allen Landesteilen schon aus klimatischen Gründen anders betrieben werden, sagt er. Kutter kämpft in erster Linie für den Erhalt des «traditionsreichen Standortes Wädenswil», wo in der über 125 Jahre alten Geschichte zahlreiche Errungenschaften von Weltruhm gelangen. So hat der erste Direktor der Forschungsanstalt, Hermann Müller-Thurgau, die Rebsorte Riesling x Sylvaner erfunden.

Vorstoss im Parlament geplant

Kutter fordert deshalb zusammen mit SVP-Kantonsrat Martin Hübscher, der auch im Vorstand des Zürcher Bauernverbands sitzt, und mit dem grünen Kantonsrat und Obsthändler Roland Brunner den Regierungsrat auf, sich für den Erhalt der Zürcher Agroscope-Standorte einzusetzen. Zudem soll er dem Bundesrat Kooperationen mit Zürcher Hochschulen anbieten. Wenn Wädenswil und Reckenholz geschlossen würden, gingen dem Kanton Zürich nicht nur Arbeitsplätze verloren, es drohe auch der «Totalverlust von Wissen und Netzwerk», heisst es im dringlichen Postulat, das die drei Politiker am Montag im Kantonsrat einreichen wollen.

Sicherheitspersonal bewacht einen Teil der Eidgenössischen Forschungsanstalt Agroscope in Reckenholz-Tänikon. Bild: Keystone

Für Kutter ist der parlamentarische Vorstoss nur der erste Schritte des Widerstandes: «Ich werde mich mit allen Mitteln gegen die Schliessung des Standorts Wädenswil wehren.» Ganz überraschend kommt die Ankündigung für ihn nicht: «Meine düsteren Vorahnungen scheinen sich zu bewahrheiten.» Ein Teil der Leistungen ist bei Agroscope Wädenswil schon abgebaut worden, doch jetzt gehe es um die Wurst. Ob die Reorganisation wie angekündigt vollzogen wird, entscheidet der Bundesrat in diesem Sommer. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.03.2018, 13:02 Uhr

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