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Warum die Schweiz bald doppelt so stark leuchten könnte

Jüngste Gerichtsentscheide haben viel Licht gedimmt. Allerdings vernichten gewisse LEDs die Fortschritte.

Sorgt an der Zürcher Grenze zu Kilchberg für Unmut: Neue Beleuchtung des Tennisclubs Seeblick.
Sorgt an der Zürcher Grenze zu Kilchberg für Unmut: Neue Beleuchtung des Tennisclubs Seeblick.
PD

2013 war ein gutes Jahr für die Gegner der Lichtverschmutzung. Im März wurde die SIA-Norm 491 eingeführt, im Dezember folgte ein Leitentscheid des Bundesgerichts. Die SIA-Norm brachte neue Grundsätze: So sollen in der Nacht nur sicherheitsrelevante Objekte beleuchtet werden, und zwar von oben nach unten. Zudem wurden die Leuchtstärken reduziert und Bewegungsmelder zur Norm erhoben. Das Bundes­gericht wiederum bestätigte in einem Weihnachtsbeleuchtungsfall die SIA-Norm und die Vorsorgepflicht der Gemeinden. Diese hätten die Lichtemissionen einzudämmen und die Nachtzeit zwischen 22 und 6 Uhr zu schützen.

Das ist offenbar nötig. Die Lichtverschmutzung hat seit den 90er-Jahren stark zugenommen, wie der Umweltbericht 2014 des Kantons Zürich zeigt. Gestört wird Flora wie Fauna. Vor allem die Vögel leiden im nächtlichen Lichtermeer.

«Las Vegas» am Zimmerberg

Gemäss Rolf Schatz ist die derzeitige Entwicklung zweischneidig. Der Geschäftsführer von Dark-Sky Switzerland sieht einerseits eine steigende Sensibilisierung der Öffentlichkeit und positive Gerichtsurteile. Anderseits bringt die neue Technik nicht nur Gutes. So seien kaltweisse LEDs zwar energieeffizienter, aber auch lichtintensiver. Gemäss einer Untersuchung droht gar eine Verdoppelung der Lichtverschmutzung im Vergleich zu 2015, wenn alle Aussenleuchten durch diese LEDs ersetzt werden. In Rom ist der Ersatz von 220'000 Lampen durch LEDs vor zwei Wochen nach Protesten gestoppt worden. Die Römer wollen ihre Stadt nachts warm-schummrig sehen statt grellweiss.

Beleuchtungen und Lichtreklamen sorgen immer wieder für helle Aufregung. Auf dem Uetliberg hat der Kanton Uto-Kulm-Chef Giusep Fry kürzlich verboten, seinen Turm anzuleuchten. Auch die PKZ-Werbung an der Zürcher Bahnhofstrasse wurde heiss diskutiert. Und bereits vor 15 Jahren sorgte ein Riesenschriftzug der Credit Suisse am neuen Glaspalast in Horgen-Oberdorf gar für rote Köpfe auf der anderen Seeseite. Die Goldküstenbewohner sahen sich vom «Las Vegas» am Zimmerberg gestört, worauf die CS am Abend die Lichter löschte.

Ebenfalls zurückstecken musste die SBB in Oberrieden. Am Bahnhof See wird die Beleuchtung stark gedimmt, nachdem Anwohner bis vor Bundesgericht gegangen waren. Auch ein Autohändler an der A 3 in Rüschlikon hat kürzlich die harte Hand des Gesetzes kennen gelernt. Er muss sein Audi-Leuchtlogo um 22 Uhr abstellen.

Streit gibt es in Stadt und Land. So steht derzeit in Sternenberg die Kirchenbeleuchtung in der Kritik, weil die Leute auf dem Berg die Sterne nicht mehr sehen. Und in Zürich-Wollishofen laufen Anwohner Sturm gegen die neuen Leuchtmasten der Tennisanlage Seeblick. Ein Lichtstreit entzweit auch Thalwil und Langnau am Albis. In der Sihltalgemeinde sagen Einwohner, sie könnten mit dem Flutlicht der Thalwiler Sportanlage Brand locker Zeitung lesen, doch die Seegemeinde unternimmt aus Spargründen nichts. Ein neues Gutachten könnte in dieser Auseinandersetzung bald Dunkel ins Licht bringen.

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