Wofür Zürich die ZKB-Millionen ausgeben könnte

Die Bank schenkt dem Kanton 150 Millionen Franken «Jubiläumsdividende». Noch wissen die Politiker nichts damit anzufangen. Und Sie?

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Den Zürcherinnen und Zürchern geht es wie verwöhnten Kindern an Weihnachten. Das neue Spielzeug ist nicht das gewünschte? Schnell das nächste Geschenk auspacken, bevor die Feierlaune vergeht. So macht es jetzt auch die Zürcher Kantonalbank, nachdem ihr Projekt für eine Seilbahn über den Zürichsee gemischte Reaktionen ausgelöst hat. Anlässlich ihres 150. Geburtstags hat die Bank gestern ein Geschenk angekündigt: 150 Millionen Franken will die ZKB im Jahr 2020 als «Jubiläumsdividende» an den Kanton und die Zürcher auszahlen.

Anders als die reguläre Dividende, die dieses Jahr 358 Millionen Franken beträgt, soll das Geldgeschenk verwendet werden, um «besondere Projekte» zu realisieren, betonte Bankratspräsident Jörg Müller-Ganz. Er denkt an Vorhaben, die «im ­ordentlichen Budget keinen Platz finden» und für die Bevölkerung einen «aussergewöhnlichen Nutzen» haben. 100 Millionen erhält der Kanton, 50 Millionen gehen an die Gemeinden und sollen nach Bevölkerungsanteil verteilt werden.

«Gute Frage!»

Das viele Geld für den Kanton müsste die Fantasie anregen. Zum Beispiel liesse sich damit der Stadt-Land-Graben zuschütten, an dem kürzlich die Pläne fürs Zürcher Kasernenareal gescheitert sind – wegen «nur» 30 Millionen. Oder man kauft sich für 100 Millionen ein Ozeanium, wie es Basel plant.

Würde das Geschenk der Kantonalbank verteilt, erhielte jede Person eine Hunderternote. Foto: Samuel Schalch

Grundsätzlich gibt es zwei Ansätze, wie das Geld eingesetzt werden könnte. Entweder nach dem Giesskannen-Prinzip: Es kommt nur dann allen zugute, wenn es gleichmässig verteilt wird. Das gäbe pro Kopf genau ein Hunderternötli. Oder mit Sachgeschenken.

Was wäre also eine «besondere» Idee? Wesentlich leichter, als diese Frage zu beantworten, fällt den Fraktionspräsidenten des Kantonsrates, zu sagen, was man keinesfalls machen soll. «Das Geld soll nicht in die Staatsrechnung einfliessen!», sagt Martin Hübscher (SVP). «Es gehört nicht in die allgemeine Kasse», sagt Erich Vontobel (EDU). «Eine Idee, die ich sicher nicht habe», holt Esther Guyer (Grüne) aus, «ist es, die Steuern zu senken.» Dann folgen am Telefon Denkpausen, mit wem man auch spricht.

«Da bin ich nicht so spontan, dass ich grad etwas formulieren könnte», gesteht Marcel Lenggenhager (BDP). «Eine gute Frage», findet Josef Wiederkehr (CVP). Markus Schaaf (EVP) nimmt das Angebot dankbar an, später zurückrufen zu dürfen. Esther Guyer auch. Vielleicht kommt noch ein Einfall.

Einig sind sich alle darin, dass das Geld der Gemeinschaft gehört. Wenn Projekte, dann langfristige, nützliche, kreative. Kostenfreie Anlässe vielleicht, Wanderwege, ein Seerestaurant.

Benno Scherrer (GLP) schweben «Pionierprojekte im Energiebereich» vor. Dafür könne ein Ideenwettbewerb lanciert werden. Titel: Innovation, Nachhaltigkeit, Zukunft. «Wir haben jetzt mit der ZKB 150 Jahre Vergangenheit gefeiert. Nun sollten wir 150 Jahre Zukunft feiern.» Als Markus Schaaf zurückruft, sagt er: «Meistens bleibt die erste Idee die beste.» Das Geld will er jenen Menschen geben, die «viel leisten und zu wenig Beachtung» bekommen: die unentgeltlich ihre Angehörigen betreuen. Sie sollen vier Wochen Entlastungsferien erhalten – so lautete einmal ein Postulat der EVP, das abgeschmettert wurde. Und Esther Guyer hat auch noch einen Einfall: ein ZKB-Tössauenpark in Winterthur «für die Ewigkeit und nicht nur für fünf Jahre».

Doch eine Velospur?

Von den 50 Millionen Franken für die Gemeinden würden aufgrund des Bevölkerungsanteils fast 14 Millionen Franken in die Stadt Zürich fliessen. Das ist dort angesichts eines Budgets von fast 9 Milliarden kein Betrag, der vom Hocker haut. Er reicht nicht mal, um einen Meistertitel im Fussball zu erkaufen. Markus Kunz, Fraktionspräsident der Grünen im Gemeinderat, schlägt vor, das Geld an die ärmsten Zürcher Gemeinden zu verteilen, um den Ruf der Stadt aufzubessern.

Marco Denoth (SP) empfiehlt, einen kostspieligen Radweg zu realisieren: die Verbreiterung der Langstrassenunterführung oder eine Velospur beim Negrellisteg übers Gleisfeld, wie sie jüngst aus Kostengründen gestrichen wurde. Parteikollege Davy Graf würde die ZKB-Seilbahn bis an die Bahnhöfe Wollishofen und Tiefenbrunnen verlängern, damit sie dem ÖV nütze. Und die Grünliberale Isabel Garcia denkt an Mannschaftsbusse für den Breitensport, der heute stark von ehrenamtlichen Einsätzen lebt.


Video: Gondeln über dem Zürichsee

Virtuelle Fahrt mit der Seilbahn, die ab 2020 in Betrieb sein soll. Video: TA/ZKB


Erstellt: 09.02.2019, 09:47 Uhr

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