Was ist bloss aus den Gartenzwergen geworden?

Die Gärten, die an der Giardina in der Messe Zürich heuer gezeigt werden, sind üppig und wunderschön. Doch etwas fehlt.

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Der Vater mochte Gartenzwerge, und am Sonntag zeigte er den Kindern die schönsten Exemplare in den Gärten der umliegenden Einfamilienhausquartiere. Da gab es Zwerge mit Garetten und auf Traktoren, es gab Schneewittchen mit den sieben Zwergen – und gar einen schwarzen Zwerg (damals «Negerzwergli» genannt). Auch im eigenen Garten – Steingärtchen waren in Mode – tummelten sich Gartenzwerge. Als die Tochter in die Pubertät kam, schämte sie sich für den profanen Geschmack ihres Vaters, als sie erwachsen wurde, begann sie beim Anblick von Gartenzwergen nos­talgisch zu werden.

Und deshalb sucht sie nun bei der Vorbesichtigung der Gartenmesse Giardina in der Messe Zürich nach einem passenden Gartenzwerg für ihren Balkon: Ein bisschen stylisch soll er sein, damit sie sich vor den Freunden nicht blamiert, am besten etwas, was als Kunsthandwerk durchgeht. Das trifft sich gut, denn eine kuratierte Auswahl von Kunsthandwerk ist ein Schwerpunkt der diesjährigen Gartenmesse Giardina, die heute Mittwoch eröffnet wird.

An der Giardina gibt es 270 Aussteller, 22 Schaugärten, 120 Jahre alte Kas­tanienbäume, einen tonnenschweren Grillfelsen aus Calanca-Gneis, einen komplett nach der Realität rekonstruierten romantischen Hinterhof, eine multimediale, dampfende Licht- und Klangebene, zehn wertvolle Koi-Fische, die zwei Wochen in die Quarantäne mussten, bevor sie in die Schweiz einreisen durften – alles, nur keine Gartenzwerge.

Zeitgeistige Nachfolger

Was ist aus den Gartenzwergen geworden? Die mondänen Schaugärten verzichten auf solches Beigemüse. In den etwas zurückhaltenderen Ausstellungen begegnen wir aber gelegentlich Figuren, die wohl als zeitgeistige Nachfolger die Rolle der guten alten Gartenzwerge übernehmen könnten: Wir treffen auf Pharaonenköpfe und Engelfiguren, auf Buddhas und auf einen Flöte spielenden Buben. Vor allem aber sind da Tiere: Hirsche, Steinböcke, eine Seeschlange und ein Vogel Strauss aus altem Eisen, ganze Gänseherden aus Granit oder Keramik, fast lebensgrosse weidende Schafe. An einer Wand hängt ein riesiger Elchkopf, durch einen Vorgarten schleicht ein kunstvoll aus Papier gefalteter Fuchs. Daneben gibt es eher ab­strakte Kunst: Wurzeln, Flechten, Schwemmholz. All das mag gefallen, als Gartenzwergersatz taugt es aber nicht.

Doch schliesslich, in einem etwas versteckten Hinterhof in der Halle 1, stehen dann dennoch einige Frauenfigürchen. Aus Beton, breite Hüfte, kleine Brüste, charmant und verträumt. Ihnen fehlt nur die Zipfelkappe.

Die Ausgezeichneten

Die Giardina ist die international grösste Indoor-Gartenausstellung und dauert bis kommenden Sonntag. Sie hat sich dieses Jahr das Motto «Neue Natürlichkeit» gegeben. Neun Tage lang hatten die Aussteller Zeit, ihre oft über Monate geplanten Anlagen in den Hallen der Messe Zürich einzurichten. Für seinen Japan-Garten reiste Reinhold Borsch mit 15 Sattelschleppern von Kempen am Niederrhein nach Zürich. Die Bemühungen trugen Früchte. Die Jury hat gestern Abend seine Anlage mit dem Bronze-Award in der Königsdisziplin Sonderschauen Garten (ab 200 Quadratmeter) ausgezeichnet. Silber ging an Egli Grün aus Sirnach für seinen riesigen Grill- und Genussfelsen, und Gold heimste der Hinterhof von Winkler Richard Naturgärten aus Wängi ein – just der, in dem die Ersatz-Gartenzwerg-Frauen sitzen.

Giardina in der Messe Zürich, bis Sonntag, 19. März, Mi/Do: 9 bis 20 Uhr, Fr bis 22 Uhr, Sa/So: 9 bis 18 Uhr. Tageskarte: 35/17 Fr., www.giardina24.ch

Erstellt: 14.03.2017, 19:49 Uhr

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