Was nach der Abgabe der Zürcher Gymiprüfung passiert

17'000 Prüfungen korrigiert in knapp zwei Wochen. Heute Donnerstag wird ein erster Meilenstein auf dem Weg zur Note erreicht. Ein Protokoll.

Das Lernen ist vorbei, nun beginnt das Warten.

Das Lernen ist vorbei, nun beginnt das Warten. Bild: Gaetan Bally/AFP

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Für die Schülerinnen und Schüler markierten sie einen Schlusspunkt, für die Lehrer war es der Anfang eines Wettlaufs gegen die Zeit: die Gymiprüfungen von Anfang Woche im Kanton Zürich. Während die Schüler befreit ihre Studienbücher wegpacken konnten, müssen nun die Lehrer rund 17’000 Prüfungen innert knapp zwei Wochen korrigiert haben. Martin Zimmermann, kantonaler Prüfungskoordinator, gewährt einen Einblick hinter die Prüfungsmaschinerie und erklärt, was in den Tagen bis zur Publikation der Resultate geschieht.

Tag 1: Prüfungstag

Das grosse Leiden: 60 Minuten Mathematikprüfung, 45 Minuten Deutsch-Sprachprüfung, 60 Minuten Aufsatz – so das Tagesprogramm für die Primarschüler, die sich die Aufnahme an ein Langgymnasium erhoffen. Die Sekundarschüler kämpfen sich zusätzlich durch den 60-minütigen Französischtest. Passé composé lässt grüssen.

Bereits im Verlauf des Morgens werten Lehrpersonen eine Auswahl der Prüfungen in einer sogenannten «Pilotkorrektur» aus, um zu schauen, ob die vorab erstellten Lösungen der Prüfung ergänzt werden müssen. «Die Korrekturvorgaben sind zwar sehr genau, aber es kann immer wieder Antworten geben, die auch noch plausibel sind», sagt Zimmermann. Erst danach werden die definitiven Korrekturvorgaben den zuständigen Mittelschullehrern zugestellt.

Am Nachmittag treffen sich schliesslich die Deutschlehrer an den jeweiligen Kantonsschulen – «um ihren Blick zu schärfen», wie das Zimmermann formuliert, bevor mit der Korrektur der Aufsätze begonnen wird. «Ziel ist es, sich anhand der vorgegebenen Kriterien gegenseitig zu justieren, damit der gleiche Massstab angewendet wird», sagt er.

Tag 2 und Tag 3: Wettlauf gegen die Zeit

Wenig Zeit, viel Arbeit: Innerhalb zweier Tage müssen die rund 800 Fachlehrpersonen der 21 Zürcher Kantonsschulen über 17’000 Prüfungen korrigieren. Eine Lehrperson korrigiert mehrere Hundert Teilprüfungen oder etwa 30 Aufsätze.

Tag 4 bis Tag 7: Stafettenübergabe

Um 16 Uhr ist Schluss: Die Kantonsschullehrer müssen ihre Korrekturen abgeschlossen und im Aufsatz eine erste Note gesetzt haben. Sie übergeben die korrigierten Prüfungen an rund 500 Volksschullehrer, die sich freiwillig für die Nachkontrolle gemeldet haben. Die Primar- und Sekundarschullehrer überprüfen während des Wochenendes die Korrekturen und setzen beim Aufsatz eine zweite Note. Es wird darauf geachtet, dass die Volksschullehrer nicht die Prüfungen ihrer eigenen Schüler erhalten.

Nach der Abgabe der Erstkorrektur der Mittelschullehrer werden die Resultate analysiert und der Massstab justiert: «Da wir keine Vorprüfung machen können, müssen wir jedes Jahr die Prüfung eichen, bevor wir die definitiven Noten setzen», sagt Zimmermann. In der Regel würden die Resultate jedoch den Erwartungen entsprechen. Ein Gremium mit einem Vertreter pro Fach und dem Prüfungskoordinator setzt die definitive Notenskalen fest, in Anwesenheit eines Vertreters des Mittelschul- und Berufsbildungsamts.

Tag 8: Grosse Besprechung

Die Kantonsschullehrer und die Volksschullehrer treffen sich: In einem ersten Schritt besprechen sie Unklarheiten und korrigieren Prüfungen nach. Anschliessend werden die von den Kantonsschullehrern gesetzten Noten und Punkte mit jenen der Volksschullehrer verglichen: Grosse Differenzen werden besprochen. «Mehrheitlich sind die Korrekturen ähnlich. Eher selten kann es bei Aufsatzkorrekturen zu Diskussionen kommen», sagt Zimmermann.

Nun werden die Noten definitiv gesetzt und elektronisch gespeichert.

Tag 9: Auswertung

Anhand der Prüfungsnoten und der bereits vermerkten Vornoten werden die Resultate an die einzelnen Kantonsschulen weitergeleitet, welche eine schriftliche Rückmeldung an die einzelnen Schülerinnen und Schüler verfassen.

Tag 10: Versand

Die sehnlichst erwarteten Briefe landen auf der Post.

Tag 11: Aufatmen?

Die Briefe sind im Briefkasten, und ab 18 Uhr können die Resultate auch online angesehen werden.

Mittwoch, 22. März: Mündliche Prüfung

Kandidaten für das Kurzgymnasium, die bei den schriftlichen Prüfungen bloss einen Schnitt zwischen 3,75 und 4 erreichten, haben die Möglichkeit, bei mündlichen Prüfungen noch eine Aufnahme zu erwirken. Pro Fach findet eine 15-minütige Prüfung statt, die von einer Mittelschul- und einer Sekundarlehrperson gemeinsam abgenommen wird. Die mündliche Prüfung gilt mit dem Notenschnitt 4 als bestanden.

27. und 28. März: Nachprüfungen

Wer am Prüfungstag krank war und dies in einem ärztlichen Zeugnis vermerken kann, hat die Möglichkeit zur Nachprüfung. Diese findet konzentriert an einem Gymnasium statt. Dieses Jahr werden je im Kurz- und im Langgymnasium rund 50 Schülerinnen und Schüler erwartet. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.03.2017, 14:24 Uhr

Artikel zum Thema

Schaffen Sie die Zürcher Gymi-Prüfung?

Quiz Anfang März finden im Kanton Zürich die Aufnahmeprüfungen für das Gymnasium statt. Zehn Beispiele der letztjährigen Prüfung. Mehr...

Gymi-Provisorium in Uetikon wird ein Fall für das Bundesgericht

Das Uetiker Gymi-Provisorium könnte sich verzögern. Beim Bundesgericht ist eine Stimmrechtsbeschwerde hängig. Mehr...

Gymi-Chancen sind an der Goldküste am besten

Der Regierungsrat hat die Erfolgsquoten der Schüler bei der Gymiprüfung offen­gelegt. Dabei zeigt sich, was viele vermuten: Es gibt regionale Unterschiede. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Beruf + Berufung Die Angst als Wegweiser

Sweet Home Die schönste Scheune steht in London

Newsletter

Kurz, bündig, übersichtlich

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Die Welt in Bildern

Wässern für die Kameras: First Lady Melania Trump posiert mit Giesskanne im Garten des Weissen Hauses in Washington DC. (22. September 2017)
(Bild: Michael Reynolds/EPA) Mehr...