Was Sie über E-Zigaretten wissen müssen

Sie sollen weniger schädlich sein als normale Zigaretten. Aber rauchen die Kids damit auch Cannabis? Drei Fakten über E-Zigaretten.

Die Anziehungskraft von E-Zigaretten auf nicht rauchende Jugendliche ist gemäss Studien bisher eher gering.

Die Anziehungskraft von E-Zigaretten auf nicht rauchende Jugendliche ist gemäss Studien bisher eher gering. Bild: Christian Beutler

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Ob E-Shisha oder E-Zigarette, E-Pen oder Vaporizer: Beim elektrischen Rauchen verfolgen praktisch alle das gleiche Prinzip. Eine Flüssigkeit wird in einer Heizspule verdampft. Anschliessend wird der Dampf inhaliert. Der Vorteil gegenüber der klassischen Zigarette: der Dampf stinkt im Gegensatz zum Rauch nicht, er stört die Mitmenschen weniger und ist meistens – abhängig von den verwendeten Inhaltsstoffen – auch um einiges weniger schädlich.

Die Flüssigverdampfer gibt es in den verschiedensten Formen, als dünnen Einweg-Pen, als dicke Shisha, mit grossem Tank, oder elegant in der Form einer klassischen Tabakpeife. Die Geschmacksrichtungen der «Liquids» genannten Verdampferflüssigkeiten reichen von Fruchtaromen über Menthol bis zu Dessertgeschmack wie «Crème brûlée» oder «Kokosnuss-Panna-cotta». Kein Wunder, sind E-Shishas bei Jugendlichen beliebt: In der aktuellen Schülerbefragung der Stadt Zürich zieht von den Jugendlichen, die Raucherwaren konsumieren, die Mehrheit (60 Prozent) die elektrische Shisha der echten vor (57 Prozent. Die E-Zigarette ist mit 14,5 Prozent noch etwas weniger verbreitet als die herkömmliche (38 Prozent).

Einstiegsdroge oder Ausstiegshilfe?

Verdampfer-Flüssigkeiten gibt es mit und ohne Nikotin, das schnell abhängig macht. Deshalb sind Gesundheitsfachleute uneinig, ob E-Zigaretten den Einstieg ins Rauchen eher befeuern oder vielmehr als willkommene Ausstiegshilfe zu betrachten sind. Unbestritten ist, dass das Aufkommen der E-Zigarette bisher mit einer zahlenmässigen Abnahme der jugendlichen Rauchanfänger einherging. Auch hat eine im Januar 2015 veröffentlichte Studie gezeigt, dass nicht rauchende Jugendliche eher nicht an E-Zigaretten interessiert sind.

Sorgen macht Eltern und Erziehern im Moment die für diesen Dezember vorgesehene Einführung der kalifornischen E-Zigarette Juul in der Schweiz: Juul hat in den USA bereits 70 Prozent Marktanteil – wegen ihres schicken Designs, das an einen edlen USB-Stick erinnert, und weil die E-Zigarette den «Throat-hit», also das Kratzen im Hals und den schnellen Nikotinflash echter Zigaretten simuliert. Sie tut dies mithilfe spezieller Kapseln, die nicht nur Flüssigkeit, sonder auch Nikotinsalz enthalten. Dieses wird vom Körper schneller aufgenommen, der Nikotinpegel im Blut steigt ähnlich schnell an wie bei einer konventionellen Zigarette.

Gifte im Dampf

Trotz des hohen Suchtpotenzials nikotinhaltiger E-Zigaretten: Gegenüber der klassischen Zigarette hat auch Juul gesundheitliche Vorteile. Beim Rauchen einer herkömmlichen Zigarette geraten deutlich mehr Stoffe wie Teer, Kohlenmonoxid, Ammoniak oder Benzol in den Körper. Gesundheitliche Risiken ergeben sich aber auch durch das Einatmen des Dampfes.

So hat das Konsumentenmagazin «Kassensturz» 2015 die Giftstoffe Formaldehyd und Acetaldehyd im Dampf der getesteten E-Zigaretten gefunden. «Das sind Verbindungen, die wir auch aus dem Tabakrauch kennen. Sie können dort zur krebserregenden Wirkung von Zigaretten mit beitragen», sagt Michael Arand, Toxikologe an der Universität Zürich, im «Kassensturz». Laut dem Toxikologen entstehen die Giftstoffe beim Erwärmen von Glycerin und Propylenglycol, den Hauptbestandteilen der Liquids. Zudem könnten auch in den Aromen Giftstoffe enthalten sein. Allerdings sind die Formaldehydwerte in einer herkömmlichen Tabak-Zigarette bis zu 60-mal höher, und beim Acetaldehyd ist die Dosis im Tabakrauch bis zu 1000-mal grösser.

Die sinkende Zahl der Raucher in westlichen Ländern und der wachsende Markt für E-Zigaretten beunruhigt die Tabakkonzerne. Sie suchen krampfhaft nach Alternativen: Philip Morris etwa hat deshalb den «Tabak-Erhitzer» Iqos lanciert. Die «neue Art Tabak zu geniessen» soll risikoärmer sein als die klassische Zigarette. Sie ist aber, wie auch die Hersteller zugeben, immer noch gefährlicher als das Verdampfen. Iqos funktioniert mit «Heatsticks», diese sehen aus wie ganz kurze herkömmliche Zigaretten. Wie diese enthalten die Sticks Tabak und einen Filter. Die Sticks werden für den Konsum in den elektrischen Erhitzer gesteckt. Während der Tabak normaler Zigaretten bei etwa 800 Grad Celsius verglüht, erhitzt ihn das Gerät auf 350 Grad Celsius.

Gesünder kiffen

Der E-Zigaretten-Hype lässt seit seinen Anfängen vor rund zehn Jahren auch Cannabis-Konsumenten experimentieren: Weil aber Cannabisharz oder -öl bei höheren Temperaturen verdampft als die Liquids der E-Zigaretten, eignen sich die E-Shishas und -Zigaretten nur bedingt zum Kiffen. Mit einem Prinzip, das Ähnlichkeit mit der von Philip Morris entwickelten Iqos-Technologie hat, feiert der kalifornische Hersteller Pax jedoch Erfolge: Sein gleichnamiges Produkt, der Vaporizer Pax, sieht wie Juul mit seinem Gehäuse in Edelstahloptik stylisch aus. Es lässt sich damit jedoch jedes beliebige Kraut «vaporisieren.»

Die Wirkung setzt gemäss Konsumenten zeitversetzt ein, wie bei der herkömmlichen E-Zigarette, dafür dann richtig: Der Rausch fühle sich reiner und anregender an und soll länger anhalten. Weil kein Tabak mitverbrannt wird, ist auch das Suchtpotenzial kleiner.

Erstellt: 23.11.2018, 14:36 Uhr

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