Hier gibt es Weitblick zum Nulltarif

Neuerdings kostet der Rundblick vom Uetliberg-Turm 5 Franken. Doch es gibt zahlreiche Alternativen. Auch solche mit Blick auf den Zürichsee.

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Letzte Woche gab Giusep Fry, der Geschäftsführer des Hotels Uto Kulm, bekannt, dass der Aufstieg zum Aussichtsturm auf dem Uetliberg neuerdings 5 Franken pro Person koste. Bereits als er im Sommer 2015 ein Eintrittsgeld von 2 Franken einführte, um seine Unkosten zu decken, löste das einen Sturm der Entrüstung aus. Jetzt sprechen manche gar von Abzockerei. Wer den Fünfliber nicht zahlen will oder kann, hat Alternativen. Der Kanton Zürich ist mit Aussichtstürmen gespickt. Bei elf Türmen liegt die oberste Plattform mindestens so hoch wie diejenige des Uetliberg-Turms, nämlich 30 Meter über Boden – oder noch höher. Der höchste ist der Cholfirst, ein Sendeturm in Flurlingen, dessen Plattform auf 42 Meter Höhe liegt.

Alle diese Türme bieten schöne, manche sogar spektakuläre Rundblicke. Sie sind rund um die Uhr offen – und gratis. Noch einen Vorteil haben sie gegenüber dem Uetliberg-Turm: Man hat sie in der Regel ganz oder fast für sich allein. Manche sind allerdings mit dem öffentlichen Verkehr nicht ganz einfach zu erreichen. Wir haben am Donnerstag fünf der elf besucht. Das Wetter war fantastisch, die Fernsicht mittelgut.

PfannenstielDer Spektakuläre

Der «gezügelte» Turm auf dem Pfannenstiel. Foto: Urs Jaudas

Der Turm liegt etwas versteckt, aber nur fünf Gehminuten oberhalb des Restaurants Hochwacht. Der Ausblick kann es mit demjenigen vom Uetliberg durchaus aufnehmen. Der Zürichsee liegt einem zu Füssen, die Berge sind nah und mit modernen Tafeln samt Zielspitz zu identifizieren: Vrenelisgärtli, Pilatus, Brienzer Rothorn, Eiger, Mönch und Jungfrau. Alle präsentieren sich prächtig, noch mit Schnee überzuckert. Auch die Kezo, die Kehrichtverbrennungsanlage Zürich Oberland, sieht von hier oben fast schön aus. Weiter sehen wir einen Zipfel Greifensee, dann Wald. Dort, wo die Stadt Zürich käme. Ein bisschen weiter oben sähe man in der Ferne sogar das Grossmünster. Nur tat offenbar die Gemeinde Meilen bucklig, als der Kanton den Turm auf ihrem Gebiet, am höchsten Punkt des Pfannenstiels, aufrichten wollte. Der formschöne Stahlturm wurde 1893 auf dem Bachtel gebaut und war Aussichts- und Sendeturm zugleich. 1985 ersetzte die PTT ihn. Da er unter Denkmalschutz stand, suchte der Kanton einen neuen Standort und wurde schliesslich, nach dem Nein von Meilen, auf der Hochwacht in Egg fündig. Am Fuss des Turms gibt es Sitzgelegenheiten und Feuerstellen.

Die Aussicht vom Pfannenstielturm. Video: Urs Jaudas

Egg, Koordinaten: 47.290753, 8.673396, 174 Stufen

PetersbodenDer Romantische

Der Petersboden bei Rorbas ist speziell in seiner Form und relativ unbekannt. Er bietet Aussicht auf den Rhein und den Irchel. Foto: Urs Jaudas

Am obersten Punkt der kurvigen Bütbergstrasse an der Grenze zu Bülach gibt es einen Parkplatz. Von da aus spazieren wir auf dem Wanderweg eine knappe Viertelstunde, dann stehen wir unvermittelt vor dem rustikalen Holzturm. Die Plattform liegt auf 40 Meter Höhe, von ihr aus könnte man direkt in die Kronen knorriger Eichen greifen, die ihn umgeben. Das Panorama reicht von den Churfirsten bis in den Schwarzwald. Weit unten glitzert der Rhein, und es wird einem hier oben, fernab von allem Treiben, ganz romantisch zumute.

Die Aussicht vom Petersbodenturm. Video: Urs Jaudas

Rorbas, Koordinaten: 47.540233, 8.554927, 137 Stufen

BrühlbergDer Luftige

Der Sendeturm auf dem Brühlberg in Winterthur. Foto: Urs Jaudas

Vom Waldrand oberhalb des Quartiers Oberfeld (Wülflingen) geht es hinauf, zuerst sanft und über Blumenwiesen an der Waldschenke vorbei, dann steiler und durch den Wald. Nach einer Viertelstunde sind wir auf der Anhöhe und sehen rechts unvermittelt den schlanken, 130 Meter hohen Stahlbetonturm mit seiner Wendeltreppe hinauf auf die Plattform. Der Aufstieg hat es in sich. Die luftige Konstruktion erlaubt ungewohnte Blicke auf Wald und Hügellandschaft, ist aber nur etwas für Menschen ohne Höhenangst. Oben: Baumwipfel, sanfte Hügel, viel Grün. Vogelgezwitscher als Szenenmusik, das Rauschen von Autos als Hintergrundgeräusch. Sehen tut man die nahe Autobahn nicht. Am Fuss des Turms hat es Feuerstellen und Sitzbänke. Auf dem nahen Eschenberg steht der bekanntere Winterthurer Aussichtsturm. Der wurde bereits 1895 erstellt und ist damit der älteste Schweizer Aussichtsturm, der noch an seinem ursprünglichen Ort steht.

Die Aussicht vom Brühlbergturm. Video: Urs Jaudas

Winterthur, Koordinaten: 47.502219, 8.702452, 165 Stufen

WildensbuchUnser Favorit

Über den Wipfeln in Wildensbuch im Zürcher Weinland. Foto: Urs Jaudas

Das Urbild eines Aussichtsturms: Aus Holz, massiv, ohne plump zu wirken. Er steht dort, wo die Zürcher Herrschaft Mitte des 17. Jahrhunderts eine ihrer 23 Hochwachten errichtete – als Alarmsystem, falls Feinde anrücken. Der Turm ist im Dorfteil Wildensbuch ausgeschildert; vom Parkplatz führt ein steiler Waldlehrpfad in wenigen Minuten ans Ziel. Die Plattform ist überdacht, es hat eine hölzerne Sitzbank und Panoramatafeln. Wir sehen: die Vulkankegel des Hegau-Gebiets, kleine Dörfer, grüne Matten, sanfte Hügel. Wald, Wald, Felder. In der Ferne ahnen wir im Dunst die Glarner Alpen, die Zentralschweizer Alpen, die Berner Alpen. Offenbar sieht man sogar den Bodensee. Wir glauben es der Tafel und schwelgen vor uns hin. Am Fuss des Turms befindet sich ein grosszügiger Picknickplatz mit Feuerstellen. Das ideale Schulreiseziel – nur bitte nicht dann, wenn gerade wir hier oben sind.

Die Aussicht vom Wildensbuchturm. Video: Urs Jaudas

Trüllikon, Koordinaten: 47.656292, 8.682920, 186 Stufen

Blauer TurmDer Urbane

Über der Stadt auf dem Blauen Turm in Oerlikon. Foto: Urs Jaudas

Wer für eine Weile genug Grün gesehen hat, fährt nach Zürich zum Blauen Turm im Oerliker Park. Er steigt die mit einem feinmaschigen Stahlnetz abgesicherte Wendeltreppe den eleganten Turm hinauf und schaut eine Weile dem bunten Treiben zu seinen Füssen zu. Spielzeugbusse und winzige Velos kurven herum. Ein Dinky-Toys-Polizeiauto mit Blaulicht – Menschlein wuseln über Fussgängerstreifen. Zürich en miniature.

Zürich-Oerlikon, Koordinaten: 47.414649, 8.538818, 216 Stufen

Erstellt: 16.06.2019, 22:18 Uhr

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