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Wenn das Mittagessen zum Gerichtsfall wird

Das Zürcher Steueramt muss seine Praxis beim Abzug von Verpflegungskosten ändern. Das verlangt ein Gericht.

Take-Away statt eine warme Mahlzeit zu Hause: Die Lunch-Gewohnheiten haben sich geändert.
Take-Away statt eine warme Mahlzeit zu Hause: Die Lunch-Gewohnheiten haben sich geändert.
Doris Fanconi

Wer zum Mittagessen nicht nach Hause kann, darf die Verpflegungskosten von den Steuern abziehen – maximal 3200 Franken pro Jahr. Doch wer kann nach Hause und wer nicht?

Mit dieser Frage hat sich jüngst das Zürcher Steuerrekursgericht beschäftigt und ein bemerkenswertes Urteil gefällt, über das die NZZ in ihrer aktuellen Ausgabe berichtet. Anlass für das Urteil war der Fall einer Detailhandelsangestellten aus einer Zürcher Gemeinde, welche eine Stunde Mittagspause hat und 850 Meter von ihrem Arbeitsort entfernt wohnt. Die Frau hatte die 3200 Franken abgezogen, das lokale Steueramt akzeptierte den Abzug jedoch nicht. Die Frau rekurrierte beim kantonalen Steueramt, doch auch dieses hatte kein Gehör: Die 850 Meter würden sich in zehn Minuten zurücklegen lassen, womit der Frau exakt vierzig Minuten für das Mittagessen in der eigenen Wohnung bleiben würden.

Das Steueramt bezog sich dabei auf ein Urteil des Zürcher Verwaltungsgerichts aus dem Jahr 1984. Das Gericht hatte damals entschieden, dass eine häusliche Mittagspause von vierzig Minuten genüge.

Gewandelte Gewohnheiten

Die Frau wollte das Verdikt des Steueramts nicht auf sich sitzen lassen und wandte sich an das Steuerrekursgericht – und hatte nun dort Erfolg. Die Frau müsse sich am Anfang und am Ende der Mittagspause noch umziehen, weshalb ihr effektiv nur rund 35 Minuten für das Essen zu Hause bleiben würden, also könne die 40-Minuten-Regel in diesem Fall nicht angewendet werden.

Das Bemerkentswerte dieses Urteils liegt freilich darin, dass das Gericht ausführliche Überlegungen zum Wesen des Mittagessens anstellt – und dabei dezidierte Kritik an der 40-Minuten-Regel übt. Diese sei nicht mehr zeitgemäss, und es sei nötig, dass diese überdacht werde.

Die Regel basiere auf einer Zmittag-Vorstellung, die längst nicht mehr der Realität entspreche, argumentiert das Gericht – nämlich auf der Vorstellung, dass sich die Familie am Mittag an den (von der Hausfrau-Mutter beziehungsweise -Gattin) gemachten Tisch setze. Heute werde das Mittagessen aber ganz anders eingenommen: von den Kindern oftmals im Hort, von den Eltern an einem Take-Away-Stand. In vielen Familien sei das Abendessen die Hauptmahlzeit, für die man sich Zeit nehme, währenddem das Mittagessen rasch abgewickelt werde.

Dies wiederum führe zu einer Rechtsungleichheit, findet das Steuerrekursgericht: Zwar gehe kaum jemand mehr nach Hause für das Mittagessen, von den Steuern abziehen dürften es aber nur jene, die nicht in der Nähe ihres Arbeitsorts leben würden.

Das Gericht verlangt deshalb von den Steuerbehörden, dass sie beim Umgang mit dem Lunch-Abzug den Wandel der Zeit und die geänderten Lebensgewohnheiten berücksichtigen würden. Gemäss NZZ ist das Urteil rechtskräftig, da das Steueramt auf einen Weiterzug verzichtet. Eine Diskussion über das Urteil habe bei den Behörden noch nicht stattgefunden, weshalb offen sei, ob das Verdikt Folgen haben werde.

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