Wenn der Delta-Mann bei der Einvernahme mithört

Bei der Staatsanwaltschaft in Uster ist eine private Sicherheitsfirma für die Betreuung von Tatverdächtigen zuständig.

Mitarbeiter der Sicherheitsfirma Delta: In Uster begleiten sie Untersuchungshäftlinge zum Staatsanwalt.

Mitarbeiter der Sicherheitsfirma Delta: In Uster begleiten sie Untersuchungshäftlinge zum Staatsanwalt. Bild: Keystone

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Die Einvernahme von Tatverdächtigen gehört zu den sensibelsten Aufgaben, die der Staat überhaupt ausüben kann. Oft geht es um heikle, äusserst private Fragen. Trotzdem sind bei der Staatsanwalt See/Oberland in Uster private Sicherheitsleute der Delta Security anwesend, wenn Verdächtige verhört werden. Das berichtet das Online-Magazin «Republik». Selbst bei Einvernahmen in Jugendstrafverfahren sind manchmal Delta-Angestellte im Raum.

Die Delta hat in Uster den Auftrag, Untersuchungshäftlinge zu betreuen und notfalls einzuschreiten – Fesselung inklusive. Teil des Auftrags ist auch, bei den Einvernahmen anwesend zu sein. Grund für den Einsatz der privaten Firma ist laut der Justizdirektion die spezielle Situation der Staatsanwaltschaft See/Oberland. Da Uster kein eigenes Gefängnis hat, werden die Häftlinge jeweils von der Kantonspolizei nach Uster gebracht, wo die Delta-Leute sie in Empfang nehmen, in eine Wartezelle führen und von dort ins Büro des Staatsanwalts und retour begleiten.

Die Delta Security hat in der Öffentlichkeit nicht mehr den besten Ruf, nachdem Angestellte der Firma anfangs der 2010er-Jahre in die Schlagzeilen geraten waren. Sie sollen Schlägereien provoziert und Fussballfans verprügelt haben. Der Geschäftsführer der Delta verurteilte die Taten damals als «dumm und unprofessionell».

Zuerst Protectas, dann Delta

Die Justizdirektion von Jacqueline Fehr (SP) sieht in dem Arrangement kein Problem, wie Sprecher Benjamin Tommer sagt. Grundsätzlich erlaube das Gesetz dem Staat, Privaten sicherheitspolizeiliche Aufgaben zu übertragen. In Uster sei das seit 13 Jahren der Fall. Vor der Delta war die Protectas mit denselben Aufgaben betraut. Delta bekam den Auftrag vor zwei Jahren nach einer ordentlichen Ausschreibung.

Wusste die Justizdirektion um den Ruf der Firma? Ja, sagt Tommer. Aber: «In einem solchen Verfahren müssen wir dem Anbieter den Zuschlag geben, der die Kriterien am besten erfüllt.» Erich Wenzinger, Sprecher der Oberstaatsanwaltschaft, ergänzt, bisher habe die Delta den Auftrag «professionell und vertragsgemäss» wahrgenommen.

Vertrag für fünf Jahre

Der Auftrag der Sicherheitsleute sei klar geregelt, so die Sprecher der Justizdirektion und der Oberstaatsanwaltschaft. Die Delta-Leute unterstehen dem Amtsgeheimnis. Ausserdem müssen sie sich einer vertieften Personensicherheitsüberprüfung durch die Kantonspolizei Zürich stellen. In einem Punkt hat die Justizdirektion auf den «Republik»-Bericht hin reagiert: In den Bewachungsaufträgen, welche die Staatsanwaltschaft Oberland/See jeweils an die Delta übermittelt, sind künftig keine Angaben mehr zur Identität des Beschuldigten und zum Tatvorwurf mehr enthalten.

Die Staatsanwaltschaft Oberland/See ist keineswegs die einzige staatliche Stelle, die Private mit hoheitlichen Aufgaben betraut. In vielen Gemeinden patrouillieren zum Beispiel private Sicherheitsdienste. Die Betreuung von Asylbewerbern ist ebenfalls teilweise in den Händen von privaten Anbietern. Und nicht zu vergessen ist der Einsatz von Privatdetektiven zur Überwachung von Sozialhilfebezügern.

Lukrativer Auftrag

Beim Verband der Kantonspolizei Zürich sieht man den Einsatz privater Sicherheitsfirmen zwar grundsätzlich nicht gern. «Das Gewaltmonopol gehört in die Hände des Staates», sagt dessen Präsident Markus Schaaf. Private dürften zum Beispiel keine Verhaftungen vornehmen und niemanden durchsuchen. Wenn Sicherheitsleute aber bereits inhaftierte Personen zu einer Einvernahme begleiteten, ist das aus Schaafs Sicht in Ordnung – sofern die Qualität stimmt und Sicherheitsleute dem Amtsgeheimnis unterstellt sind. Für gefährliche Täter könne die Justizdirektion überdies nach wie vor auf die Kantonspolizei zurückgreifen.

Sicher ist: Wären anstelle der Delta-Leute Polizisten im Einsatz, lägen die Kosten höher. Für die Delta ist der Auftrag des Staats dennoch lukrativ. Die Firma erhielt den Zuschlag vor zwei Jahren, der Vertrag läuft insgesamt über fünf Jahre. Die Kosten belaufen sich auf etwa 320'000 Franken im Jahr. Dafür stehen die Delta-Leute rund 3000 Stunden im Einsatz. Das entspricht knapp zwei vollen Stellen.

Erstellt: 19.06.2019, 16:10 Uhr

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